«November-one-eight-eight, ready to start», so gibt Martin Dalla Vecchia dem Tower im Basel-Mulhouse Zeichen, dass er startklar ist. Wenig später hebt die Cessna N 18188 ab, um nach 1200 Kilometer und sieben Stunden später in Kalmar an der schwedischen Ostküste zu landen. Hier will Dalla Vecchia als Mitglied der Schweizer Degenmannschaft an den Europameisterschaften der Senioren fechten.

Fechten und Fliegen

Der Rheinfelden ansässige Ökonom und Verleger kombiniert zwei Leidenschaften: Fliegen und Fechten. Mehrmals jährlich steuert er mit seiner einmotorigen Cessna Baujahr 1973 ein internationales Turnier an, sei es in Lyon, München, Erfurt oder Porec, und immer hat er Florett und Degen mit im Gepäck.

Zusammen mit Christian Dousse (1960), Cercle des Armes Lausanne, und Stefan Keller (1960), Fechtclub Zürich, bildet Martin Dalla Vecchia (1957) die Schweizer Auswahl, die mit Teams aus 14 andern europäischen Nationen um den Titel eines Europameisters kämpfen wird. Doch vorerst gilt es, bei 220 Stundenkilometern und tausend Meter über Boden die Cessna sicher nach Schweden zu pilotieren. Das verlangt Aufmerksamkeit, Konzentration und Übersicht, Fähigkeiten, die auch im Gefecht gefordert sind. Gekonnt überfliegt Martin Dalla Vecchia Frankreich, Deutschland, Dänemark und setzt die Maschine sanft auf der Betonpiste im schwedischen Kalmar auf. Raus aus der Kiste, rein ins Taxi und ab in die Halle zur Waffenprobe. Das alles verläuft rasch und routiniert.

Die Aussenseiter

Martin Dalla Vecchia und seine Schweizer Kollegen gehen als Aussenseiter an den Start. Als Favoriten gelten Frankreich, Deutschland, Italien und die Titelverteidiger Ukraine. Vor der Direktausscheidung wird eine so genannte «Poule» gefochten. Es werden Gruppen mit mehreren Teams gebildet und innerhalb dieser Gruppen fechten alle gegeneinander. Je besser ein Team in der Poule abschneidet, um so grösser ist die Chance, dass es in der ersten Direktausscheidung auf einen schwächeren Gegner trifft und eine Runde weiterkommt. Frankreich und Polen heissen die Gegner der Schweizer in der Poule, zwei starke Nationen. Die Schweizer überraschen mit zwei hohen Siegen und stossen so in der ersten Direktausscheidung auf Belgien, das ebenfalls deutlich geschlagen wird. Härter dann die Auseinandersetzung mit den Finnen, die in der Vorrunde Deutschland besiegt hat.

Die Sensation gelingt schliesslich und die Schweizer stehen im Halbfinal. Der Gegner: Schweden. Die Gefechte sind ausgeglichen, am Schluss ist die Bilanz der Gastgeber besser – sie werden im Final gegen die Italiener den Kürzeren ziehen. In der Auseinandersetzung um die Bronzemedaille zeigt die Ukraine den Schweizern den Meister. Trotzdem, Martin Dalla Vecchia und seine Kollegen haben mehr erreicht, als sie erwarten durften.(stk)