Nein, in den Anfangszeiten sah es wahrlich nicht immer rosig aus für den Männerchor Gipf-Oberfrick. Am 8. März 1867 gründeten 18 Männer den «Männerchorgesangsverein Gipf». 13 Jahre später fanden sich auch in Oberfrick einige Sänger zu einem Chor zusammen. Obwohl seit 1803 ein Dorf, gab es in den beiden Dorfteilen immer noch separate Strömungen. Erst 1915 vereinigten sich die beiden Chöre zum Sängerbund Gipf-Oberfrick.

Aber schon bei dessen Gründung deutete sich an, dass es der neue Verein nicht einfach haben würde. Vier Wahlgänge waren alleine nötig, um einen neuen gemeinsamen Vorstand zu bilden. Und es wurde noch schlimmer: «Bei einigen Sängern muss es den ‹Örtligeist› doch arg strapaziert haben», heisst es in der Chronik zum 125-Jahr-Jubiläum. Das ging so weit, dass der neue Verein nur zwei Jahre nach dem Zusammenschluss wieder aufgelöst werden musste. Es bedurfte der Führung des damaligen Gemeindeammanns Lenzi, damit sich die Männer zusammenrauften. 1918 schliesslich gründeten sie den Männerchor Gipf-Oberfrick.

Für die Fahne zu Fuss nach Brugg

Die turbulenten Anfangsjahre schadeten dem Verein allerdings nicht langfristig. Im Gegenteil: Die Mitgliederzahl steigerte sich kontinuierlich; der Chor nahm an unzähligen Wettbewerben teil und wurde zum festen Bestandteil des Dorflebens. Aus der Geschichte des Chors ist so manche Anekdote überliefert. In den Anfangszeiten etwa galt für die Mitglieder ein Rauchverbot. Die erste Fahne des Chors holten zwei Männer am Tag der Einweihung im Gründungsjahr in Brugg ab – zu Fuss. Der Mitgliederbeitrag lag damals bei 15 Rappen pro Woche. Und für das erste Vereinsfoto mussten die Mitglieder 1877 nach Basel fahren.

Heute ist der Männerchor unter anderem für die Ständchen bei hohen Geburtstagen im Dorf zuständig. Auch die 1. Augustfeier organisierte er schon mehrmals. Neben dem Singen stehe vor allem die Kameradschaft im Vordergrund, sagt Martin Schmid, Präsident des Männerchors. Dazu gehört, dass der Verein alle zwei Jahre eine zweitägige Reise unternimmt.

Aber klar: Auch der Männerchor ist nicht vor den gesellschaftlichen Entwicklungen gefeit. «Die Leute haben immer weniger Zeit für Engagements in Vereinen», sagt Schmid. Das drückte sich in den letzten Jahren vor allem in den sinkenden Mitgliederzahlen aus. «Als ich vor über 30 Jahren zum Verein kam, sangen fast 50 Männer im Chor. Jetzt sind es noch 25», so Schmid.

Ein Wunsch: Mehr Mitglieder

Das hat Konsequenzen. Einerseits musikalisch, andererseits im Vereinsleben. Gerade bei der Organisation eines Grossanlasses wie der Jubiläumsfeier sei dies spürbar. «Da bleibt viel Arbeit an den gleichen Leuten hängen», so Schmid. Sein Wunsch für den Geburtstag ist deshalb klar: mehr Mitglieder. Und für die Anwerbung solcher hat er bereits eine Idee. Für das Jubiläumskonzert konnten 25 zusätzliche Sänger angeworben werden. «Wir hoffen, dass einige von ihnen so viel Freude daran haben, dass sie darüber hinaus bleiben», sagt Schmid. Für ihn bedeutet der Männerchor viel mehr als ein Engagement. Es sei auch ein Mehrwert: «Beim Singen kriege ich den Kopf frei. Das ist wertvoll für den Alltag», erklärt Schmid.

150 Jahre Männerchor Gipf-Oberfrick: Samstag, 23. September, ab 18 Uhr in der Mehrzweckhalle Gipf-Oberfrick.