Blaufahrer

Das ist nicht mein Bier – oder doch?

Entweder Alkohol oder Autoschlüssel - beides zusammen geht nicht.

Entweder Alkohol oder Autoschlüssel - beides zusammen geht nicht.

Fricktaler Garagisten und Wirte achten auf ihre Kunden: Sie halten ihre betrunkenen Gäste vom Autofahren ab oder chauffieren sie gleich selbst nach Hause.

Lallend, schwankend und torkelnd sollte man nicht mehr Auto fahren. Dennoch setzt sich der eine oder andere auch noch ans Steuer, wenn er bereits ein Glas über den Durst getrunken hat. Zum Beispiel kürzlich in St. Gallen, als ein Mann mit 2,2 Promille im Blut in einer Garage die Reifen wechseln lassen wollte.

So ähnlich ist es auch schon im Fricktal passiert. Ein Garagist, der anonym bleiben möchte, hat einen betrunkenen Kunden hautnah erlebt. «Es war sehr unangenehm», sagt er. Die Polizei musste er aber nicht informieren, er konnte die Situation selber entschärfen. «Es ist auch schwierig, man möchte ja nichts Schlechtes für den Kunden.»

Nur das Beste für die Gäste möchte Gertrud Obrist, Servicekraft im Restaurant Feldschlösschen in Hornussen. Sie sagt: «Ich schaue möglichst, dass die Person nicht mehr selber fährt.» Dafür schreitet sie auch selber zur Tat. «Ich fahre die Leute manchmal heim. Also, wenn sie in der Nähe wohnen.»

Auch Ruth Jegge, Gastgeberin im «Weissen Rössli» in Eiken, «setzt alles in Bewegung», damit ein Gast sich nicht betrunken ans Steuer setzt. Sie sagt: «Vor 40 Jahren war das noch anders, da war das noch ganz normal. Aber inzwischen hat ja auch der Verkehr zugenommen und die Konsequenzen sind enorm.» Deswegen versucht sie in solchen Fällen, dem Trunkenbold den Autoschlüssel abzunehmen und ihm ein Taxi zu rufen. «Aber wir können auch niemanden bevormunden. Den Schlüssel muss man uns immer noch selber geben, wir können ihn ja nicht einfach aus der Hosentasche nehmen», erklärt sie.

Daniela Fischer, die seit neun Jahren an der Oil-Tankstelle in Laufenburg arbeitet, ist froh, eine solche Situation noch nie erlebt zu haben: «Wenn jemand friedlich wäre, wäre es noch okay, sonst müsste man schauen, dass die Person wieder geht. Aber ich glaube, wir sind zu klein für solche Vorfälle, wir sind ja wirklich nur ein kleiner Kiosk.» Thomas Schweizer, Inhaber von «Auto Pneu Schweizer» in Oeschgen, sagt: «Das müsste man von Fall zu Fall besprechen. Es ist natürlich heikel, es sind ja Kunden.» Dennoch würde er sich verpflichtet fühlen, den Kunden anzusprechen.

Das wäre er aber gar nicht. «Verpflichtet ist niemand, es der Polizei zu melden oder etwas zu unternehmen», sagt Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau. Dennoch rät er, die Person anzusprechen und zu versuchen, die Fahrt abzuwenden «im Sinne der Verkehrssicherheit». Er habe aber auch Verständnis dafür, wenn jemand seine Kundschaft nicht abschrecken möchte. Verboten wäre nur, wenn einer betrunkenen Person ein Fahrzeug ausgehändigt würde, zum Beispiel ein Miet- oder Ersatzfahrzeug. «Aber der Vermieter kann halt auch keinen Atemtest machen.»

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