Die Sissle war auch diesen Sommer im unteren Teil einige Zeit ganz ausgetrocknet, das wenige Wasser im kiesigen Untergrund versickert. Der Bach präsentierte sich wie ein staubiger Wanderweg. Somit waren die äusseren Bedingungen für die Sissler Bauunternehmung Ziegler AG ideal, um den Auftrag des Departements Bau, Verkehr und Umwelt, Aarau, auszuführen.

Nämlich die Ausbaggerung des in den letzten Jahren abgelagerten Geschiebes im Bachbett, damit bei starken Regenfällen die Sissle nicht über die Ufer tritt. Ausgelegt ist der Bach für eine Wassermenge von 110 Kubikmeter pro Sekunde, aber mit dem bereits erheblich angefüllten Bachbett hätten bereits 85 Kubikmeter gereicht und das Wasser wäre über den Damm geschwappt.

Dass in den letzten Wochen kein Wasser mehr floss, ist übrigens auf die anhaltende Trockenheit zurückzuführen und hat keinen Zusammenhang mit den veranlassten Baggerarbeiten.

Kritik an der Massnahme

Dem Vernehmen nach zeigten sich einige Leute aus dem Dorf mit dem Entfernen des Geschiebes aus dem Bach nicht einverstanden, weil sich im Laufe der Zeit eine richtige Landschaft mit üppigem Pflanzenwachstum und eben den unerwünschten Kies-, Sand- und Geröllablagerungen im Bachlauf gebildet hatte.

Wenn sich durch die Ausbaggerung das Landschaftsbild jetzt wieder verändert hat, mag das auf der einen Seite schade sein. Wenn aber nach ausgiebigen und anhaltenden Regenfällen das Wasser im Bach steigt und steigt und schliesslich überbaute Gebiete überschwemmt, entsteht Schaden an und in Liegenschaften – das will ja auch niemand.

Geschiebe zum Teil meterhoch

Da nun vom Ortsbürger-Brüggli her das Bachbett auf einer Länge von 300 bis 400 Metern vom etwa einen Meter hohen Geschiebe befreit wurde, ist die Überschwemmungsgefahr zwar nicht völlig gebannt, aber immerhin gemindert. Weitere Massnahmen gegen Hochwasser wären eine Absenkung der Bachsohle, die Erhöhung des bestehenden Dammes, die Erstellung eines Bypasses, die Retention (Rückhaltung) oder die Aufweitung des Gerinnes, das heisst, die Verbreiterung des Bachbetts.

Eine Lösung ist freilich nicht einfach und zudem sind die Kosten hoch: 9 Millionen Franken ist ungefähr der Betrag, mit dem für Schutzmassnahmen gerechnet werden müsste, wie schon vor Jahresfrist an einer öffentlichen Orientierung in Sisseln bekannt gegeben wurde.

Teile des Dorfes sind tief gelegen

Tatsache ist, dass Teile des Dorfes mit Gewerbe- und Neubaugebieten so tief liegen, dass die hochwasserführende und über die Ufer tretende Sissle einen Teil überschwemmen könnte. Es gilt daher, Überschwemmungen von Liegenschaften zu verhindern.

Der Kanton hat das Vorprojekt für den Hochwasserschutz am Sisslebach, basierend auf den Erkenntnissen der Hochwassergefahrenkarte, stufengerecht ausarbeiten lassen. Das Schutzziel gilt für alle Gemeinden im Kanton und beinhaltet als zentrales Anliegen vor allem Sicherheit für das Siedlungsgebiet.