Mit bloss noch vier Milchproduzenten ist das Herznacher Milchhüsli längst nicht mehr rentabel. Am Samstagmorgen ist die letzte Milch angeliefert worden. Dann hat Arno Wernle, Präsident der Milchgenossenschaft Herznach und Umgebung, den Schlüssel gedreht.

Die einstige Bedeutung des Herznacher Milchhüsli wird von seiner zentralen Lage bei Restaurant, Post, Volg-Laden und Bank unterstrichen. Das hat sich jedoch schon vor Jahren geändert. Zählte die Milchgenossenschaft Herznach und Umgebung in den 1970er-Jahren noch 75 Mitglieder, so sind es heute noch deren fünf, von denen vier noch Milch produzieren, weiss Präsident Arno Wernle zu berichten.

Kaum mehr Direktverkauf

Damals war das Milchhüsli jeweils am Abend Treffpunkt der Schuljugend, die mit dem Milchkesseli sich dort ein Stelldichein gab. Auch dies ist längst vorbei; der Milchdirektverkauf ist marginal, zählt man doch kein halbes Dutzend Konsumenten mehr, die das Milchhüsli frequentieren. «Offenmilch will kaum mehr einer; wir müssten die Milch in Tüten anbieten können», sagt Wernle. «Seit Jahren geht die Zahl der Milchlieferanten stetig zurück, was den Betrieb der Milchannahmestelle verteuert», erklärt Wernle. Er selbst hat vor wenigen Monaten auf seinem Landwirtschaftsbetrieb die Milchproduktion ebenfalls an den Nagel gehängt.

Die Fixkosten für den Betrieb und Unterhalt der Milchsammelstelle blieben gleich, während die Milchlieferungen und die Zahl der Produzenten stark zurückgingen. Heute werden pro Tag im Durchschnitt nur noch rund 1000 Liter Milch angeliefert. Ab sofort gehen die vier verbliebenen Milchproduzenten zur Hofabfuhr über.

Mit dem Entscheid zur Hofabfuhr schliesst im oberen Fricktal die letzte Milchannahmestelle ihre Türe, nachdem im Frühjahr 2017 diejenige von Oberhof dichtgemacht hat. Somit verschwindet in Herznach auch eine langjährige Tradition. Die Milchgenossenschaft Herznach und Umgebung wurde 1908 gegründet. In jener Zeit ist auch das architektonisch besondere Milchhüsli erbaut worden, das seither den Ortskern mitprägt.

Sowohl Milchhüsli als auch Genossenschaft werden in anderer Funktion weiterbestehen. Für das Gebäude zeichnet sich eine Vermietung ab, während die Genossenschaft mit den fünf Mitgliedern weiterbestehen wird. «Die Genossenschaft verfügt über keine finanziellen Mittel, sie besitzt lediglich das Milchhüsli», so Arno Wernle.