Möhlin
Das grosse Schweigen im Schulpflege-Knatsch

Das Zerwürfnis in der Schulpflege hinterlässt bei vielen Leuten offene Fragen: Was steckt wirklich dahinter und wie lässt sich die Situation klären?

Walter Christen
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In Möhlin sind derzeit nicht nur die Gebäude (Bild: Schulanlage Steinli) eine Baustelle, sondern auch die Schulpflege. Archiv

In Möhlin sind derzeit nicht nur die Gebäude (Bild: Schulanlage Steinli) eine Baustelle, sondern auch die Schulpflege. Archiv

Im Organigramm der Schulpflege Möhlin fehlt der Name Sukhwant Singh. Ihm wurde im Dezember das Ressort entzogen (er hatte das Personelle zu betreuen), «weil er die von ihm übernommenen Aufgaben nicht oder nur unvollständig im Sinne der Kollegialbeschlüsse der Behörde erfüllte», wie es in der Begründung der Schulpflege heisst (die Aargauer Zeitung berichtete). Schulpfleger Singh, seit über zehn Jahren im Amt, hat beim Kanton gegen die Schulpflege eine Beschwerde eingereicht.

Veränderte Ausgangslage

Wie sich die Differenzen in der Schulpflege auf den Schulbetrieb auswirken, ist von aussen schwierig zu beurteilen. Fest steht, die Ausgangslage für die
nebenamtliche Tätigkeit der Schulbehörde hat sich in den letzten Jahren auch in Möhlin verändert. Sie wird beeinflusst durch den Wandel in der Gesellschaft, durch uneinheitliche Wertvorstellungen von Schülerinnen, Schülern und Eltern sowie durch Stress und ein generell höheres Konfliktpotenzial.

Dies bestätigte Edgar Knecht, der sich als Mitglied und Präsident während 28 Jahren in der Schulpflege Möhlin engagiert hat: «Es gibt in einem solchen Gremium immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Ich habe in dieser Behördentätigkeit auch Höhen und Tiefen erlebt. Zur aktuellen Situation kann ich lediglich sagen, dass sich die Beteiligten selber einigen müssen.»

Während eines Jahres war Daniela Lauber Bärlocher, heute Schulleiterin Kindergarten und Primarschule in Kaisten, Schulhausleiterin an der Möhliner Primarschule Storebode. Sie erwähnte, dass sich die Schulpflege schon seit geraumer Zeit mit der künftigen Organisation befasse. «Wie sich die Situation in der Schulbehörde aus heutiger Sicht darstellt, kann ich nicht beurteilen.»

Auswirkungen auf die Schule?

Die Aargauer Zeitung fragte in den Lehrerzimmern der verschiedenen Möhliner Abteilungen nach, wie die Stimmung in den Schulhäusern ist und was die Lehrpersonen davon halten, dass die Schulpflege einem ihrer Mitglieder kein Ressort mehr zugewiesen hat. «Wir haben davon erfahren», bestätigte eine Lehrerin. Hat das Auswirkungen auf den Unterricht, ist an der Schule davon etwas zu spüren? Die von der Aargauer Zeitung angefragten Lehrerinnen und Lehrer wollten sich dazu nicht äussern und hüllten sich in Schweigen.

«Es geht die Lehrer nichts an»

«Ich höre dauernd dieses und jenes von der Schulbehörde. Von Sachen, die nicht laufen, wie sie sollten. Das war vor einigen Jahren noch weniger der Fall», stellte ein ehemaliger Lehrer fest, der namentlich nicht genannt werden will, «aber um den Knatsch in der Schulpflege müssen sich die Lehrkräfte nicht kümmern – das geht sie nichts an.» Weiter führte er aus: «Es ist wirklich so, dass der Lehrerberuf eine grossartige, freiheitliche Tätigkeit darstellt. Aber dennoch braucht es jemanden, der einer Lehrperson über die Schulter schaut.» Das seien früher einerseits die gut geführte und organisierte Schulpflege gewesen sowie die Inspektoren als unmittelbares Kontrollorgan in den Schulzimmern.

«Als das System der Schulhausleiter aufkam, klappte die Zusammenarbeit immer noch gut.» Was man als Lehrkraft jedoch später, nach der Einführung der Schulleitungen, zu spüren bekommen habe, seien die unterschiedlichen Ideen und Vorstellungen gewisser Leute gewesen. «So sagte eines Tages auf einmal ein gelernter Elektriker, der während seiner beruflichen Tätigkeit mit der Schule nichts zu tun hatte, in seiner neuen Funktion als Schulleiter einem Lehrer, wie er zu unterrichten hat – das konnte nicht gut gehen.»