Laufenburg
Das Geschäft mit dem Strom

Die Energiedienst Holding AG sieht sich, trotz deutlich gesunkenen Gewinns im vergangenen Jahr, dennoch gut aufgestellt für die Zukunft.

Jörn Kerckhoff (Südkurier)
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Das Geschäft mit Strom ist in den vergangenen Jahren durch die geplante Energiewende auf beiden Seiten des Rheins schwieriger geworden. AZ/Archiv

Das Geschäft mit Strom ist in den vergangenen Jahren durch die geplante Energiewende auf beiden Seiten des Rheins schwieriger geworden. AZ/Archiv

Der Umbruch biete auch Chancen und die wolle das Unternehmen nutzen, erklärte der Geschäftsführer Martin Steiger während der Aktionärsversammlung der Energiedienst am Freitag am Firmensitz in Laufenburg. Ein Jahr nach dem 100-Jahre-Jubiläum des Unternehmens legte die Geschäftsführung Zahlen vor, die den einen oder anderen Anwesenden eventuell beunruhigten. Mit 1086 Millionen Euro liegt der Betriebsertrag zwar knapp über dem des Jahres 2013, auch der Stromabsatz blieb mit 10'838 Millionen Kilowattstunden in etwa gleich. Das Betriebsergebnis und der Jahresgewinn gingen jedoch deutlich zurück. Das Betriebsergebnis fiel um 22 Millionen auf 69 Millionen Euro, der Jahresgewinn ging von 79 Millionen auf 56 Millionen Euro zurück.

Aufsichtsratsvorsitzender Hans Kuntzemüller erklärte dies mit dem Absacken der Grosshandelspreise. Neue Geschäftsmodelle, die durch die Energiewende aufgekommen seien, führten zu dieser Entwicklung, eine Trendwende sei nicht absehbar. Selbst der ökologisch sinnvolle Strom aus Wasserkraft gerate durch das steigende Angebot von Wind- und Sonnenenergie unter Druck. Allerdings hatte Martin Steiger diese Entwicklung erwartet, wie er den Aktionären berichtete.

Stabil aufgestellt

Im Branchenvergleich mache die Energiedienst immer noch einen ordentlichen Gewinn und sei bei einer Eigenkapitalquote von 54 Prozent stabil aufgestellt. Stabil genug, um den Wandel in der Branche zu vollziehen und sich dabei neuen Geschäftsfeldern zuzuwenden, blickte Steiger in die Zukunft, die im Unternehmen schon begonnen hat. So gehört bereits seit 2011 der Vertrieb von klimaneutralem Gas zum Angebot der Firma. Der Absatz habe im Jahr 2014 um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen, liege aber immer noch deutlich unter dem, was sich der Energieversorger – derzeit beschäftigt das Unternehmen 810 Mitarbeiter, darunter 40 Auszubildende – selbst als Ziel gesteckt habe, so Kuntzemüller.

Seit Dezember 2014 sind die Kraftwerke Laufenburg, Rheinfelden und Wyhlen auch als Dienstleister im Geschäft. Sie dürfen ihre Energieproduktion nun so anpassen, dass sie damit zur Stabilisierung des Netzes beitragen. Bislang verlangte die Konzession der Kraftwerke, dass diese die gesamte zur Verfügung stehende Wassermenge zur Stromerzeugung nutzen. Nun können sie in Zeiten von Pegelspitzen auch damit Geld verdienen, dass sie keinen Strom erzeugen und dadurch das Netz stabil halten.

Ausserdem ist das Unternehmen ins Carsharing eingestiegen, als Partner bot sich die Stadtmobil Südbaden an. Diese suchte einen Partner für das Carsharing mit Elektroautos und wurde in der Energiedienst fündig. 40 Elektroautos sind seit Dezember unter dem Namen «my-e-car» in Südbaden unterwegs, das Netz der Stromtankstellen soll in diesem Jahr auf 50 erweitert werden. Auch künftig werde das Unternehmen die Strategie des qualitativen Wachstums verfolgen, versicherte Steiger.

Trotz der schwierigen Situation für die Branche schienen die Aktionäre – es waren 139 Aktionäre mit rund 29,3 Millionen Geschäftsanteilen anwesend – überzeugt zu sein, von dem Weg, den das Unternehmen eingeschlagen hat. Der Jahres- und der Revisionsbericht, die Entlastung der verantwortlichen Organe, sowie die maximale Vergütung des Verwaltungsrats, der Geschäftsführung sowie des Beirats wurden mit grosser Zustimmung angenommen. Auch die Ausschüttung einer Dividende von Fr. 1.50 pro Aktie wurde genehmigt.