Laufenburg
«Das ganze Buch ist eine grosse Fälschung»

Bestseller-Autor Charles Lewinsky präsentierte auf Einladung der Bibliothek Laufenburg seinen Roman «Kastelau». Mit zahlreichen Anekdoten gestaltete er die Lesung lebendig und sorgte für Schmunzeln.

Marc Fischer
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Charles Lewinsky las in Laufenburg aus seinem Roman «Kastelau».

Charles Lewinsky las in Laufenburg aus seinem Roman «Kastelau».

Marc Fischer

«Kastelau» ist kein konventioneller Roman. Charles Lewinsky lässt aus einem Potpourri von verschiedenen Texten – Tagebucheinträgen, Interviewabschriften, Wikipedia-Artikeln – raffiniert ein Ganzes entstehen. Nach und nach setzt sich so im Kopf des Lesers eine Geschichte zusammen, die kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges spielt – und die so gar nie stattgefunden hat.

Im Roman stammen die Texte, aus dem Nachlass eines amerikanischen Wissenschaftlers, der als Doktorand Nachforschungen über einen Hollywood-Schauspieler anstellt und dabei auf dessen Nazi-Vergangenheit und den Filmdreh im bayrischen Ort Kastelau stösst. In Wirklichkeit sind die Texte samt und sonders die Erfindung von Lewinsky. «Das ganze Buch ist eine grosse Fälschung», betonte der Autor denn auch gleich zu Beginn seiner Lesung, die von der Bibliothek Laufenburg unter der Leitung von Christa Fischer organisiert worden war. Und Charles Lewinsky führte weiter aus: «Das Schreiben des Romans war ein Erfinden von Vergangenheit. Etwas, das wir alle unentwegt machen, wenn wir glauben uns zu erinnern.»

Der Anruf des Kritikers

Wer Charles Lewinsky in Laufenburg zuhörte, der bekam das Gefühl, dass dem Autor das Schreiben von «Kastelau» unheimlich Spass gemacht haben muss. Die verschiedenen Textsorten haben ganz verschiedene Tonalitäten. Färbungen und Stimmungen – von ernst-nachdenklich bis hin zu lakonisch.

«Das grösste Vergnügen war das Fälschen von Wikipedia-Einträgen», sagte Lewinsky schmunzelnd. Dabei habe er auch Buchtitel für die Werkliste eines Autors erfinden dürfen und: «Bei manchen bedauere ich nun, dass ich sie schon verwendet habe. Ich könnte sie mir gut als Titel für eigene Romane vorstellen.»

Ebenfalls für Heiterkeit – sowohl bei Charles Lewinsky als auch bei seinen rund 50 Zuhörern – sorgte die Anekdote über den Anruf eines Literaturkritikers, die Lewinsky zum Besten gab. Kurz nach Erscheinen von «Kastelau» habe ein Kritiker, «ich werde natürlich keinen Namen nennen», bei ihm angerufen, so Lewinsky und gefragt, wie denn nun die Personen im Buch in Wirklichkeit geheissen hätten. «Der Kritiker konnte nicht glauben, dass alles erfunden ist», erzählte der Schriftsteller und zog lachend das Fazit: «Ich scheine also ziemlich gut gelogen zu haben.»

Kein Insider-Witz

Nach einer knappen Stunde verabschiedete sich der Bestseller-Autor von seinem Fricktaler Publikum, jedoch nicht ohne vorher noch eine weitere Anekdote zum Besten zu geben. «Als Adresse des Filmarchivs in Los Angeles, in dem viele der Dokumente in ‹Kastelau› gefunden worden sein sollen, gebe ich in einer Fussnote 302 East Melnitz an», so Lewinsky. Viele Leser hätten dabei an einen Insider-Witz und einen Hinweis auf seinen Roman «Melnitz» geglaubt. Tatsächlich befinde sich das Filmarchiv jedoch wirklich an jener Adresse. «Ich bin der Sache nachgegangen», erzählte Lewinsky weiter, «es hat sich herausgestellt, dass die Titelfigur meines Romans ‹Melnitz› der Onkel eines Professors war, der die Filmfakultät in Los Angeles jahrelang geleitet hat und nach dem nun das Gebäude benannt wurde.»

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