«So günstig war einkaufen seit 10 Jahren nicht» – dieser Slogan prangte gestern Vormittag bereits auf der Website von Möbel Brem in Frick. Den Grund dafür erklärt Inhaber Pascal Brem: «Bereits seit 2011 können unsere Kunden Waren, die wir aus dem Euro-Raum beziehen, direkt in Euro bezahlen.» Wer in Franken bezahlt, kann bei der Bestellung wählen, ob er einen vereinbarten Fixkurs zahlt oder den Tageskurs bei Rechnungsstellung.

«Insofern hat sich für uns die Situation mit dem Entscheid der Nationalbank gestern nicht gravierend geändert», so Brem. Er betont aber auch: «Sie ist aber ganz sicher auch nicht besser geworden.»

Ähnlich sieht dies Martin Sonderegger, Direktor Hotellerie der Schützen Rheinfelden AG. «Wir haben immer mit der Abwanderung der Restaurant-Gäste nach Deutschland und ins Elsass gekämpft, diese Situation hat sich nun noch einmal verschärft.» Im Mittagsgeschäft werde sich wohl nicht viel verändern, so Sonderegger weiter, aber im Freizeitgeschäft könne der tiefe Euro-Kurs schon dazu führen, dass mehr Gäste über die Grenze fahren. «Ich denke aber, dass der Detailhandel stärker betroffen ist als die Gastronomie.»

Christoph Vogel, Präsident des Gewerbevereins Region Frick-Laufenburg, sagt es so: «Branchen, in denen Kaufentscheide schnell fallen, werden eher betroffen sein als Branchen, in denen lange Planungen und Vorlaufszeiten nötig sind.»

Kunden wollen Qualität

«Im Verkauf wird es schon schwieriger», sagt dann auch Peter Frey, Geschäftsführer der Johann Frey AG, Uhren, Schmuck und Optik in Frick. «Bisher hatten wir viele Kunden aus Deutschland, da Brillen im Qualitätssegment bei uns günstiger waren», so Frey. Mit dem tieferen Eurokurs würden sich die Preise angleichen. «Es kann also sein, dass deutsche Kunden ausbleiben.» Angst hat Peter Frey aber nicht. «Wir sind stark im Reparatur- und Servicebereich.»

Auch Markus Müller, Geschäftsführer der Dorfmetzg Gebrüder Müller in Stein, und Stéphanie Berthoud, Leiterin des Rheinfelder Stadtbüros, vertrauen auf die eigene Qualität. «Und zudem haben sich die Einfuhrbestimmungen ja nicht geändert», ergänzt Müller. Beide schliessen Auswirkungen auf Buchungen und Geschäfte dennoch nicht aus.

Kurzfristiger Auftragsrückgang

Etwas anders ist die Gemütslage bei den Exporteuren. «Der Euro-Raum ist unser grösster Abnehmer im Export», sagt etwa Raphael Jehle, Geschäftsführer der Jehle AG, Etzgen. Der Entscheid der Nationalbank bedeute für seine Firma Unsicherheit und er befürchte eine Minderung der Wettbewerbsfähigkeit.

Und Robert Reimann, CEO der Jakob Müller AG in Frick, sagt: «Kurzfristig werden wir mit einem Einbruch beim Auftragseingang und Zahlungsverzögerungen rechnen müssen.» Beide betonen aber auch, dass man nun zuerst abwarten müsse, wo sich der Euro-Kurs einpendle.

«Panisch reagieren wäre falsch», so Jehle. Aber, so stellt Reimann klar, mittelfristig könne ein zu starker Franken «nicht ohne Konsequenzen für die Beschaffung und Fertigung kompensiert werden». Doch auch die Jakob Müller AG will «Ruhe bewahren» und «keine überhasteten Entscheide» treffen. Denn: «Wir sind gut aufgestellt und können uns entsprechend den äusseren Einflüssen anpassen.»

Raphael Jehle sieht für die Jehle AG gar Chancen – dank der Bemühungen der letzten Jahre: «Ich bin sicher, dass es Firmen gibt, die nicht so gut dastehen wie wir und die wohl in grosse Schwierigkeiten kommen.» Dies wiederum erhöhe die eigenen Wettbewerbschancen – wenn man seine Hausaufgaben weiterhin gut mache.