Bildung
Das Fricktal will für sein Berufsbildungszentrum kämpfen

Das Berufsbildungszentrum in Rheinfelden ist in Gefahr: Es könnte wegfallen, je nach dem wie die Aargauer Berufsschullandschaft in Zukunft aussehen und welche Variante sich durchsetzen wird. Die Fricktaler Grossräte stehen zusammen.

Thomas Wehrli
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Im Berufsbildungszentrum Fricktal in Rheinfelden werden Schüler aus allen Aargauer Bezirken ausgebildet. (Archiv)

Im Berufsbildungszentrum Fricktal in Rheinfelden werden Schüler aus allen Aargauer Bezirken ausgebildet. (Archiv)

Der Regierungsrat will die Berufsschullandschaft neu aufstellen und hat dazu drei Varianten in die Vernehmlassung geschickt. Bei einer davon wird das Berufsbildungszentrum Fricktal (BZF) in Rheinfelden ganz geschlossen, bei einer zweiten wird es zur Aussenstelle der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales in Brugg.

Nur bei einer Variante, «Beta», bleibt es ein gemischtes Berufsbildungszentrum mit kaufmännischem und gewerblich-industriellem Bereich. Der Regierungsrat ist sich dabei bewusst: Das Fricktal ist in einer besonderen Situation, da es mit dem Wegfall des BZF keine Schule der Sekundarstufe II mehr hätte. «Dadurch würde des Fricktal gegenüber den anderen Regionen benachteiligt», schreibt der Regierungsrat.

Wie gross die Schliessungsgefahr ist, beurteilen die 13 der 17 Fricktaler Grossräte, die sich an der Umfrage der az beteiligt haben, unterschiedlich. «Jetzt nicht hysterisch werden», mahnt Martin Steinacher (CVP).

Kathrin Hasler (SVP) sieht den Standort gefährdet, Roland Agustoni (GLP) spricht von einer «relativ grossen Gefahr» und Peter Koller (SP) mahnt: «Da die bürgerliche Mehrheit im Aargauer Parlament zurzeit ausschliesslich aufgrund von finanziellen Überlegungen entscheidet, käme es fast einem Wunder gleich, wenn das BZF dieses regierungsrätliche Konzept überleben würde.»

Einig sind sich indes alle in einem Punkt: Wenn das BZF gerettet werden soll, braucht es ein Zusammenstehen über die Parteigrenzen hinweg. Beim Tarifverbund Nordwestschweiz habe man gesehen, dass es funktioniere.

Sechs Argumente für das BZF

An Argumenten pro BZF mangelt es den Grossräten dabei nicht. Die Top 6:

Der Aargau ist der Kanton der Regionen. Deshalb komme eine Schliessung des BZF nicht infrage, da das Fricktal sonst ohne jegliche Bildungseinrichtung auf Stufe Sekundarstufe II dastehe.

Es gelte, «Sorge zu tragen zum Kanton der Regionen» (Christoph Riner, SVP) und eine Konzentration der Berufsschulen im Mittelland aus raumplanerischen Gründen zu verhindern (Gertrud Häseli, Grüne). Zumal: Mit der Reform setzt sich der Regierungsrat drei Ziele: Die Raumauslastung verbessern, Kompetenzzentren bilden – und die Regionen berücksichtigen. Deshalb dürfen für Franco Mazzi (FDP) Varianten mit einer Schliessung oder Teilschliessung des BZF nicht zum Zuge kommen.

Das Fricktal hat bereits die landwirtschaftliche Schule «geopfert» (Häseli) und verfügt über keine Mittelschule. «Wir wollen daher aber mindestens unser Berufsbildungszentrum behalten», sagt Elisabeth Burgener (SP).

Das BZF war in den letzten Jahren «immer deutlich günstiger als die anderen Schulen im Aargau und in anderen Kantonen», so Mazzi. Das BZF arbeite «kostengünstig und gut», sagt auch Steinacher.

Das Fricktal ist eine «stetig wachsende Wirtschaftsregion, so Adrian Ackermann (FDP), und eine solche «braucht ein Berufsbildungszentrum». Für Häseli ist eine Berufsschule ein Wirtschaftsfaktor – und, ergo, ein Muss. Das BZF sei «für unsere angehenden Berufsleute von grösster Bedeutung», urteilt auch Daniel Vulliamy (SVP).

«Die Verkehrsanbindung an den übrigen Kanton ist mangelhaft», sagt Bernhard Scholl (FDP), mit Ausnahme von Brugg, «aber da gilt der TNW bereits nicht mehr. Auch deshalb brauche es das BZF.

Die Schliessung des BZF öffnet die Büchse der Pandora. «Wenn das Fricktal zulässt, dass Aarau seine letzte Mittelschule schliesst, wird ihm bald noch mehr weggenommen – und das nicht nur im Bildungsbereich», sagt Koller.

Sollte es zu einer Schliessung kommen, müsste man «allenfalls wiederum eine bikantonale Lösung mit dem Kanton Baselland ins Auge fassen», sagt Andreas Fischer (Grüne). Für Adrian Ackermann würde sich das Fricktal bei einem Verlust des BZF «weiter von Aarau entfernen und den Stimmen nach einem Kanton NWS Auftrieb geben».