Fricktal
Das Fricktal wächst ausserhalb seiner Zentren am stärksten

Rund 6000 Wohnungen wurden seit 2005 im Fricktal erstellt – den grössten Zuwachs hatten drei kleine Gemeinden: Münchwilen (+56,1 Prozent), Zeihen (+43,8 Prozent), Wölflinswil (+42,2 Prozent)

Nadine Böni
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Ausserhalb der Zentren wächst das Fricktal am stärksten. (Symboldbild)

Ausserhalb der Zentren wächst das Fricktal am stärksten. (Symboldbild)

Bruno Kissling

Irgendwann in den vergangenen zehn Jahren zählte Christian Probst, Gemeindeammann von Zeihen, acht Baukräne im Dorf. «Da erstaunt mich dieses Resultat nicht», sagt er. Das Resultat: Zeihen ist zwischen 2005 und 2014 wohnungsmässig so stark gewachsen, wie kaum eine Gemeinde im Fricktal (+43,8 Prozent; siehe Grafik). Das zeigen die Zahlen von Statistik Aargau. Noch stärker zugelegt hat nur Münchwilen (+56,1 Prozent), auf Rang drei klassiert sich Wölflinswil (+42,2 Prozent).

Gute Lage zwischen den Städten

Drei kleine Gemeinden vor den Zentren Frick, Möhlin und Rheinfelden. Gibt es dafür eine Erklärung? «Die Zunahme hat sicher auch mit der idealen Wohnlage unseres Dorfes zu tun. Zeihen liegt genau zwischen Zürich und Basel – in der grünen Oase», sagt Probst.

Das gleiche Argument nennt Rolf Dunkel, Gemeindeschreiber von Wölflinswil: «Das Fricktal ist eine Wachstumsregion und die Gemeinde hat eine verkehrstechnisch gute Lage zwischen den beiden Städten.» Er führt das starke Wachstum einerseits auf die Aktivitäten der Wohnbaugenossenschaft zurück. «Andererseits gab es in Wölflinswil auch eine starke Bautätigkeit von Eigenheimbesitzern. Viele ältere Gebäude wurden zu Mehrfamilienhäusern umgebaut», sagt Dunkel.

Möhlin liefert Topwert

In Zeihen und Münchwilen hingegen sind es hauptsächlich einzelne Grossprojekte, die zum starken Wachstum beigetragen haben. So entstand in Münchwilen 2011 die Überbauung Dellpark mit sieben Mehrfamilienhäusern und insgesamt 56 Wohnungen. In Zeihen bauten eine Pensionskasse und ein Architekt insgesamt neun Wohnblöcke in zwei Überbauungen.

Peanuts, könnte angesichts dieser Zahlen der Möhliner Gemeindeammann Fredy Böni denken. Die Gemeinde landet mit ihrer Wachstumsquote (+23,1 Prozent) zwar im Mittelfeld. In absoluten Zahlen liefert sie allerdings den Topwert: Über 901 Wohnungen wurden seit 2005 erstellt. Unter anderem in der Siedlung «Breiti» (über 300 Wohnungen) oder in den Arealüberbauungen «Haldenpark» und «Zentrum Mitti» (je 50 Wohnungen). Die Bevölkerung hat in diesem Zeitraum im Durchschnitt um 170 Personen pro Jahr zugenommen. Mittlerweile ist Möhlin nach Rheinfelden die zweitgrösste Gemeinde im Fricktal.

Angesichts des starken Wachstums ist die Infrastruktur gefordert. «Sowohl beim motorisierten Individual- und dem Langsamverkehr als auch im Bereich des öffentlichen Verkehrs sind Anpassungen nötig», sagt Gemeindeammann Fredy Böni. In Münchwilen und Zeihen ist derweil die Schule betroffen. In Münchwilen wurde dieses Jahr das Schulhaus erweitert. Und auch in Zeihen steht die Schule auf der Themenliste des Gemeinderats.

Wegenstetten möchte wachsen

Während mit Münchwilen, Zeihen und Wölflinswil drei kleine Gemeinden die Tabelle anführen, finden sich auch an deren Ende zwei kleine Gemeinden: Obermumpf (+8,7 Prozent) und Wegenstetten (+3,7 Prozent). Beide sehen den Grund dafür in der Gemeindestruktur. «In Obermumpf werden hauptsächlich Einfamilienhäuser gebaut», sagt Gemeindeschreiber Marco Treier. «In Wegenstetten wurden in den letzten Jahren praktisch keine Mehrfamilienhäuser gebaut und mit Einfamilienhäusern nimmt der Wohnungsbestand naturgemäss nur spärlich und langsam zu», sagt auch die Wegenstetter Gemeindeschreiberin Brigitte Schmid Schüpbach.

Nun aber bestünden eine Handvoll Projekte für Mehrfamilienhäuser. «Damit könnte der Wohnungsbestand in den nächsten zwei bis drei Jahren etwas stärker steigen», so Schmid Schüpbach. Das wäre durchaus im Interesse des Gemeinderats. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, dass sich die Einwohnerzahl bei rund 1200 Personen einpendelt (aktuell: 1100 Personen) und hat bereits den Kontakt zu Grundeigentümern gesucht. «Es geht darum, sie für den Verkauf nicht überbauter Grundstücke zu motivieren, um die Bautätigkeit anzukurbeln», sagt Schmid Schüpbach. Es könnte also sein, dass schon bald die Wegenstetter die Baukräne im Dorf zählen können.

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