Das Fricktal ist weiter auf Wachstumskurs. Das zeigt eine Umfrage der az unter den 32 Gemeinden in den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden. Danach zählte das Fricktal Ende letzten Jahres 79 234 Einwohner – das sind 933 mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahlen zeigen zehn Fakten auf:

  1. Der Bezirk Laufenburg wuchs im letzten Jahr stärker als der Bezirk Rheinfelden. Im oberen Fricktal nahm die Bevölkerung um 1,34 Prozent auf 31 677 Personen zu, im unteren um 1,09 Prozent auf 47 557 Einwohner.

  2. Das stärkste Wachstum verzeichnete Mumpf mit einem Plus von 7,15 Prozent. In absoluten Zahlen: Lebten Ende 2015 1329 Personen im Dorf, waren es ein Jahr später 1424. Ein Wachstum von über drei Prozent verzeichneten auch Schupfart, Wittnau, Eiken und Hornussen.

  3. Das Beispiel Schupfart zeigt: In den kleinen Gemeinden fallen wenige Zu- oder Wegzüge bereits spürbar ins Gewicht; in Schupfart lebten Ende 2016 38 Personen mehr im Dorf als ein Jahr zuvor. Diese Volatilität schlägt sich auch bei den Steuereinnahmen nieder: Der Wegzug eines einzelnen, sehr guten Steuerzahlers kann eine kleine Gemeinde bereits vor ein Problem stellen.

  4. Auf der Verliererseite stehen nicht nur kleinere Gemeinden wie Hellikon oder Obermumpf, bei denen das Minus (oder das Plus) oft mehr eine statistische Schwankung denn eine Trendaussage darstellt. Einen Bevölkerungsrückgang verzeichneten auch mittelgrosse Gemeinden wie Kaisten, Magden oder Gipf-Oberfrick. Hat es sich also ausgewachsen? Urs Treier, Gemeindeschreiber von Gipf-Oberfrick, winkt ab. «Der Rückgang ist nicht typisch.» Es seien derzeit auch mehrere Bauprojekte im Tun oder in der Planung. «Wir rechnen in den nächsten drei bis fünf Jahren mit einem Zuwachs von 300 bis 400 Einwohnern», sagt Treier. Dieses Wachstum sei von der Infrastruktur her verkraftbar. «Planbar ist das Wachstum nur bedingt», so Treier. «Es verläuft meist in Schüben.» Einen nächsten erwartet der Gemeindeschreiber 2018 und 2019.

  5. Überbauungen setzen starke Wachstumsakzente. Eiken wuchs im letzten Jahr vor allem deshalb um 3,87 Prozent oder 85 Personen, weil mehrere Mehrfamilienhäuser bezogen werden konnten.

  6. In absoluten Zahlen am stärksten gewachsen ist Rheinfelden (+257), gefolgt von Mumpf (+95) und Eiken (+85). Das grösste Minus haben Magden (–33), Gipf-Oberfrick (–32) und Obermumpf (–15).

  7. Den höchsten Ausländeranteil hat Stein mit knapp 40 Prozent. «Wir haben viele Mietwohnungen, die in den 1970er- und 1980er-Jahren erstellt und seither nicht oder nur wenig saniert wurden», erklärt Gemeindeammann Hansueli Bühler. Der Standard der Wohnungen ist deshalb eher tief und viele Schweizer machen um diese Wohnungen einen Bogen. Die günstigen Wohnungen locken neben Ausländern auch Sozialhilfebezüger an, was die Gemeinde auch finanziell spürt. Zwar sprudeln in Stein die Steuern tüchtig – doch dies liegt in erste Linie an Novartis. Rechnet man den Pharmakonzern weg, «so haben wir eher bescheidene Pro-Kopf-Steuereinnahmen», sagt Bühler. Machen kann die Gemeinde gegen die Billigwohnungen wenig. Man habe schon das Gespräch mit Eigentümern gesucht, sagt Bühler. «Genützt hat es meist nicht viel, da gerade die auswärtigen Eigentümer ihre Mehrfamilienhäuser als reine Renditeobjekte ansehen.» Einfluss nehmen will die Gemeinde hingegen auf künftige Bauten: Überall, wo es sinnvoll ist, hat die Gemeinde eine Gestaltungsplanpflicht erlassen. «So wollen wir verhindern, dass weiterere Billigwohnungen erstellt werden.» Die Revision der Bau- und Nutzungsplanung richtete sich somit nicht zuletzt gegen Rendite-Haie. Lieber sind Bühler Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen. «Sie bringen uns finanzkräftigere Einwohner.»

  8. Hoch ist der Ausländeranteil auch in Rheinfelden (31,63 Prozent) und Laufenburg (32,51). In Rheinfelden liegt dies an der Urbanität der Stadt, in Laufenburg auch an der Altstadt, wo bei zahlreichen Wohnungen ein Renovationsstau besteht – sprich: Sie sind einfach und entsprechend günstig. Hier will der Stadtrat Gegensteuer geben, indem er in den nächsten Jahren an die 20 Millionen Franken in die Modernisierung der Altstadt investieren will.

  9. Am niedrigsten ist der Ausänderanteil in Hellikon (6,02 Prozent), Wölflinswil (7,61) und Gansingen (8,77).

  10. Gerade in Gemeinden mit vielen günstigen Wohnungen ist auch die Fluktuation hoch. Stein hat pro Jahr einen Zuwachs von rund 100 Personen; zu den Neuzuzügertreffen sind jedoch jeweils an die 300 Personen eingeladen.