Seit bekannt wurde, dass der Regierungsrat die Subventionen an die Abonnemente des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) streichen möchte, ist im Fricktal der öffentliche Verkehr im Allgemeinen und der TNW im Speziellen in aller Munde. Politiker wollen für den Erhalt der Subventionen kämpfen und eine Unterschriftensammlung ist im Gang, mit der Herr und Frau Fricktaler den Erhalt der kantonalen Subventionen fordern.

Doch wie wichtig ist der öffentliche Verkehr für die grossen Arbeitgeber im Fricktal? Eine Umfrage unter einigen der grössten Arbeitgeber zeigt, dass sich viele Firmen ein gutes öV-Netz wünschen. Sie zeigt aber auch, dass es Unterschiede in der Nutzung des öffentlichen Verkehrs gibt.

Mobilitätsbonus und Job-Tickets

Genaue Zahlen sind schwierig zu eruieren, da keines der befragten Unternehmen eine Erhebung gemacht hat. Roche und DSM schätzen jedoch beide, dass knapp ein Viertel der Mitarbeitenden mit öffentlichen Verkehrsmitteln pendelt. Beide Pharmaunternehmen haben im Fricktal rund 1850 Beschäftigte – Roche am Standort Kaiseraugst, DSM an den Standorten Kaiseraugst und Sisseln.

Gleich mehrere der befragten Unternehmen bieten ihren Arbeitgebern Anreize, auf das Auto zu verzichten. Roche und DSM bieten einen Mobilitätsbonus für Mitarbeiter, welche mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen. Im Gegenzug müssen Automobilisten für ihre Parkplätze eine Parkplatzgebühr entrichten. Bei der Novartis haben nur Mitarbeiter Anrecht auf einen Parkplatz, die weiter weg vom Arbeitsort wohnen.

Und die BASF bietet ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit, das TNW-Job-Ticket zu lösen. Bei diesem TNW-Spezialangebot für Unternehmen mit mehr als 100 Angestellten übernimmt der Arbeitgeber einen Teil der Abonnementskosten.

Wunsch nach besserer Anbindung

Allerdings wird das Angebot von den BASF-Mitarbeitern in Kaisten nicht so häufig genutzt. «Der BASF-Standort Kaisten ist aufgrund seiner Lage nur sehr schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Auch wird am Standort überwiegend in Wechselschicht gearbeitet», erklärt Mediensprecher Franz Kuntz. An den BASF-Standorten in Basel und Schweizerhalle nutzt jedoch ein Viertel der Mitarbeitenden das Job-Ticket. Die BASF wünscht sich deshalb, dass die Anbindung des Standortes Kaisten an den öffentlichen Verkehr künftig sichergestellt ist und die Schichtzeiten beachtet werden.

Kombinierte Mobilität gewünscht

Auch andere Unternehmen haben Wünsche und Forderungen: Bei der DSM wünscht man sich eine gute Anbindung vom Bahnhof Stein-Säckingen nach Sisseln sowie eine Busverbindung von Bad Säckingen zum Werk in Sisseln oder an den Bahnhof Stein. Für den Standort Kaiseraugst wären laut Konzernsprecher Alexander Filz zudem eine höhere Taktfrequenz der S1 und der Buslinie 84 und eine Verbesserung der Verbindung zwischen den beiden Rheinfelden wünschenswert.

Ulrike Engels von der Roche führt als weiteren Vorschlag die Verbesserung der kombinierten Mobilität mit dem Stichwort Park & Ride an. Patrick Barth, Mediensprecher der Novartis, fasst die Forderungen zusammen: Eine optimale Anbindung an den öffentlichen Verkehr und die Schaffung von attraktiven Angeboten für deren Nutzung ist ein wichtiger Standortfaktor und ein wichtiger Faktor für eine Wirtschaftsregion.»

Lernende am meisten betroffen

Einen weiteren Aspekt bringt Sonja Krebs von der Jakob Müller AG in Frick ins Spiel: «Bei uns sind es zum grössten Teil die Lernenden, welche mit dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit kommen oder diesen für den Besuch in die Berufsschule benutzen.»

Die Jakob Müller AG beteiligt sich deshalb zur Hälfte an den Fahrkosten beziehungsweise den Abonnementskosten ihrer knapp 50 Lernenden. Um das Fricktal als Arbeitsort attraktiv zu halten, spricht sie sich für eine Beibehaltung der TNW-Subvention durch den Kanton und eine Beibehaltung von attraktiven Abogebühren aus.

Nicht spekulieren wollten die Unternehmen, ob eine Streichung der Abo-Subventionen eine Verlagerung des Pendlerverkehrs auf die Strasse zur Folge hätte. Es sei aber durchaus vorstellbar, dass Mitarbeitende, welche aufgrund ihres Wohnortes eine Berechtigung auf einen Parkplatz haben, zukünftig auf den öffentlichen Verkehr verzichten und vermehrt mit dem Privatauto zum Arbeitsort gelangen würden, so Novartis-Sprecher Patrick Barth.