Hottwil
Das Freilichttheater in Hottwil überzeugt

«Anno 1798 – die Franzosen kommen» überrascht mit Tanzeinlagen und moderner Musik.

Peter Schütz
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Freilichttheater Hottwil Die Dorfgemeinschaft von Hottwil zeigt viel Lebensfreude.
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Freilichttheater Hottwil Die Dorfbewohner lauschen der Predigt des Pfarrers.
Freilichttheater Hottwil Die Dorfjugend in einer Tanzeinlage.
Freilichttheater Hottwil Emotionale Szene aus dem Stück „Anno 1798 – die Franzosen kommen“.
Freilichttheater Hottwil Volles Haus an der Premiere am Freitagabend.
Freilichttheater Hottwil

Freilichttheater Hottwil Die Dorfgemeinschaft von Hottwil zeigt viel Lebensfreude.

Peter Schütz

Viel Beifall gab es am Wochenende für die ersten Aufführungen des Freilichttheaters in Hottwil. Das Stück «Anno 1798 – die Franzosen kommen», eine Gemeinschaftsproduktion der Spielleute Hottwil und des Theaters Gansingen, kam gut an.

Ein wenig nass war es schon an der Premiere am Freitagabend, nachdem Regen und Wind vom Westen her übers Land gezogen waren. Aber weil die Zuschauertribüne gedeckt ist und die Akteure trainiert sind, auch bei Regen auf der Bühne zu spielen, stand der ersten Aufführung nichts im Weg. Die Zuschauer in den vorderen Reihen erhielten Pelerinen, wer hinten sass, blieb trocken – ebenso die Musiker, die in einer Scheune spielten. Ihnen kam eine besondere Rolle zu, weil «Anno 1798 – die Franzosen kommen» kein reines, ausschliesslich gesprochenes Theaterstück ist, sondern phasenweise wie ein Musical wirkt.

Sorgen versus Lässigkeit

Es gibt etliche Passagen, in denen gesungen wird, solo oder in Gruppen, ausserdem wird getanzt zu Klängen, die vor 219 Jahren wohl eher nicht geläufig waren – wie Reggae oder Hip-Hop. Dieser moderne, von Urs Erdin komponierte musikalische Rahmen tut dem dargestellten Thema gut, verbindet es doch Ernsthaftigkeit mit Lebensfreude, Sorgen mit Lässigkeit, Altes mit Neuem. Regisseur David Imhoof ist das Kunststück gelungen, eine packende Inszenierung auf die Beine zu stellen – natürlich auch allen Darstellern und Darstellerinnen, die ihre Rollen nicht nur spielen, sondern leben. Das kam an der Premiere vor vollem Haus eindrücklich zur Geltung. Egal, wer im Dorfkern von Hottwil spielte, er tat es mit Leidenschaft, Premierenregen hin oder her.

Das Stück über den Einmarsch der Franzosen in Hottwil im Jahr 1798 hat Thomas Senn aus Gansingen geschrieben. Zwar ist es historisch nicht belegt, dass Hottwil eine derartige Zäsur erleben musste. Dennoch zeigt das Theaterstück auf, wie es hätte sein können, wenn die bewaffneten französischen Soldaten mit Kanone und Reiter in dem ruhigen Dorf einmarschiert wären.

Angst vor Gewalt und Unterdrückung

Einerseits herrschte gegen Ende des 18. Jahrhunderts Aufbruchstimmung, weil die Ideen der Aufklärung mit der Forderung nach Gleichheit aller Bürger auch im ländlichen Raum Fuss fassten. Andererseits gab es die Ängste vor Gewalt und Unterdrückung durch die Besatzer. Diesen Zwiespalt hat Thomas Senn glaubwürdig erarbeitet und David Imhoof in eine gelungene Aufführung umgesetzt – mit ebenso gelungenen, von der Choreografin Katharina Schmid entwickelten, Tanzeinlagen.

Rund 100 Personen sind auf und hinter der Bühne im Einsatz. Für einen schönen Theaterabend sorgt auch noch etwas anderes, das nicht direkt mit dem Theater verbunden ist: eine Festwirtschaft, ein Kaffee- und ein Grillstand.

Morgen Dienstag geht es weiter mit der dritten Aufführung, am Mittwoch folgt die vierte. Derniere ist am Samstag, 2. September. Spielbeginn ist jeweils um 20.30 Uhr. An allen Aufführungstagen gibt es noch wenige freie Plätze. Online-Reservationen sind auf der Homepage www.anno1798.ch möglich.