Oeschgen
Das feurige Rad und die glühenden Scheiben

In grosser Zahl hatte sich das Volk auf dem Oeschger Boll eingefunden, wo an der Alten Fasnacht, dem Sonntag nach Aschermittwoch, das Scheibensprengen durchgeführt wurde. Zuerst wurde das Feuerrad gedreht, dann war Scheibensprengen angesagt.

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Das feurige Rad und die glühenden Scheiben
8 Bilder
Vorbereitungsarbeiten der Scheibensprenger am Tag
Glühende Scheibe fliegt weg
Scheiben werden im Feuer angeglüht
Funkenstieben auf dem Abschlagbock
Anglühen der Scheiben
Auswahl der Schlagstöcke
Die Scheiben werden angeglüht

Das feurige Rad und die glühenden Scheiben

Walter Christen

Im Jahre 1969 beschlossen Hans Gerle, Heiri Lanz und Willi Ackermann im Restaurant Emmeli (für Ortskundige: S Emmeli) wieder einmal nach fast 30-jährigem Unterbruch, das traditionelle Scheibensprengen durchzuführen, um den Brauch des alten Fasnachtssonntages wieder aufleben zu lassen.

Der Startschuss war gefallen. Sogleich wurde mit den Arbeiten begonnen. Mühsam musste man damals das Holz vom Scheibenstand der alten Schiessanlage auf eine kleine Anhöhe, das Boll, bringen. Weitere Helfer wie Willi Kuprecht (Messerli), Karl Zundel und Isidor Zundel kamen dazu. Der Erfolg war so gut, dass man beschloss die Tradition beizubehalten und weiterzuführen. In den ersten Jahren nach dem Neubeginn schnitzte die Clique in Oeschgen etwa 40 bis 50 Scheiben, doch bald wurden es 300 bis 400 Scheiben.

Anfänglich genügte auch ein kleines Zelt, etwas Getränke für die Zuschauer, und oft spielte auch ein Handörgeler. Zu später Stunde feierte man bei Emmeli oder im «Schwanen» abwechselnd weiter.

Die Musikgesellschaft war ein gern gesehener Verein, der zur Unterhaltung beigetragen hatte. Der Anlass wurde immer grösser, und seit der Einweihung 1988 steht auf dem Boll die selbstgebaute «Schiibesprängerhütte», welche gut 100 Personen Platz bietet.

In den Anfangsjahren waren 11 aktive Scheibensprenger vereint. Heute sind es 15, die ehrenamtlich für den Brauch im Einsatz stehen. Allen voran das langjährige Mitglied Josef Hauswirth.

Am Samstag vor Weihnachten werden von den Scheibensprengern jeweils etwa 800 bis 1000 Holzscheiben angefertigt. Diese 1 Zentimeter Dicke und etwa 12 auf 12 Zentimeter messenden Rohlinge werden bearbeitet, am Rand angespitzt und in der Mitte ein Loch gebohrt, das als Aufnahme der Rute dient. Mit dieser wird dann die angeglühte Scheibe über einen Bock (Holzrampe) geschlagen, worauf sie in hohem Bogen zu Tal saust – einen glühenden Schweif hinter sich herziehend.

Bereits vor dem Funkensonntag (Alte Fasnacht) werden die Festhütte sowie der erste Teil der Infrastruktur aufgestellt. Die letzten Vorbereitungsarbeiten werden am Samstag vor dem Fasnachtssonntag erledigt.

Das Aufstellen des Rades mit 4 Metern Durchmesser, und die dazugehörende Metallkonstruktion, sind ein Schauspiel. Am alten Fasnachtssonntag ist die Festwirtschaft jeweils ab 14 Uhr geöffnet. Die Oeschger «Schiibespränger» bewirten ihre Gäste mit Mehlsuppe, Bratwurst und Linzertorte. Selbstverständlich darf auch ein Glas Wein oder ein Kaffi Schnaps nicht fehlen.

Um 19.30 Uhr wird das grosse Rad angezündet. Anschliessend können sich alle, die es ausprobieren möchten, im Scheibensprengen üben. Die besten Tipps für ein erfolgreiches «Schiibespränge» holt man sich von einem der Scheibensprenger.

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