Ausser der Musik aus dem Radio ist nur das rhythmische Stampfen der Pferde zu hören. Die Tiere und ihre Dompteurin arbeiten konzentriert. «I came in like a wrecking ball», singt Miley Cyrus und drei weisse und drei schwarze Pferde drehen sich einmal um die eigene Achse.

In dem Holzschuppen ist eine runde Manege aufgestellt, inmitten derer Franziska Nock steht und ihre Longierpeitsche über dem Kopf schwingt. An den Wänden hängen Fotos und Plakate aus 153 Jahren Zirkusgeschichte der Familie Nock. Die 38-jährige Tochter von Franz und Verena Nock Senior ruft die weissen Pferde zu sich, während sie die schwarzen weiter im Kreis traben lässt. «Gut», lobt sie und tätschelt dem einen zärtlich den Hals.

Beim Circus Nock herrscht Winterbetrieb. Nach der letzten Vorstellung am 3. November hat das Team alles zusammengepackt und ist mit seinen Wohnwagen nach Oeschgen gefahren, um das Winterquartier zu beziehen. Für Franziska Nock ist das immer ein trauriger Moment. «Wenn Ende Herbst die Saison zu Ende geht, möchte ich am liebsten gar nicht mehr aus der Manege», sagt sie und lächelt. Sie ist eine zierliche Frau, schlank, mit dunklen Haaren und hellblauen Augen.

Lieber im Wohnwagen

Familie Nock wohnt von November bis März in ihrem Wohnhaus an der Hauptstrasse. Franziska Nock sagt, dass sie lieber im Wohnwagen lebt. Diese stehen auf dem Gelände hinter dem Wohnhaus, nebeneinander aufgereiht, bleiben aber während des Winters leer – bis auf wenige Ausnahmen, jene der Stallarbeiter und des Medienverantwortlichen Reto Berner. «Am Anfang kann es hier im Winterquartier ein wenig einsam sein», so Nock.

Sie ist in Oeschgen aufgewachsen und zur Schule gegangen, habe aber kaum mehr Kontakt zu alten Bekannten. Darum sei sie auch nicht traurig, wenn sie Oeschgen im Frühling wieder verlassen muss. Mit ihren zwei Schwestern Verena und Alexandra gehört sie zur siebten Generation der Nock-Dynastie. Seit bald zwei Jahren liegt der Zirkusbetrieb in den Händen der drei Geschwister.

Die Pferde der 38-jährigen Franziska Nock sind bilingue. Sie gehorchen nicht nur ihren französischen Anweisungen aufs Wort, auch die italienischen Befehle von Nocks Assistenten, Paolo Finardi, werden artig ausgeführt. Die Zeit zwischen Derniere und Premiere nutzt Nock, ihre Pferdenummer neu einzustudieren. Jeden Tag trainiert sie, zusammen mit Finardi zweieinhalb Stunden in der provisorischen Manege.

Nach dem Mittagessen hat sie Zeit für Büroarbeiten. «In den Winterschlaf fällt der Circus Nock also keineswegs», sagt sie. «Aber manchmal ist es am Abend ein wenig langweilig.» Dann fehlen ihr die Aufführungen mit der Zirkusmusik und dem Applaus der Zuschauer, der sie für die harte Arbeit in der Manege entlöhnt.

Die Kamele grasen neben Zuggleis

Unter den neugierigen Blicken der beiden Kamele werden die Pferde nach ihrem Morgentraining zurück in den Stall geführt. Shakira schüttelt den Kopf, sodass sich ihre zwei Höcker auf dem Rücken von der einen auf die andere Seite bewegen. Nervös nagt sie an dem Eisenschloss ihrer Stalltüre. «Achtung, sie will immer alles in den Mund nehmen und kann plötzlich zuschnappen», warnt Franziska Nock.

Ein schmaler Gang führt nach draussen. Dort stehen zwei kleine Esel, ein Zebra und mehrere Ponys. Nock sagt, dass die zwei Kamele zum Weiden oft nach draussen auf die grosse Wiese gebracht werden. Da sich diese gleich neben den Zuggleisen befindet, bieten sie den vorbeifahrenden Reisenden einen ungewohnten Anblick.

Alles muss perfekt sitzen

Je näher die Premiere im März heranrückt, umso mehr intensiviert sich der Betrieb im Circus Nock in Oeschgen. Rund zwei Wochen vor der ersten Vorstellung reisen die Artisten aus der Schweiz und aus dem Ausland ins Fricktal. Dann werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Das Programm der Artisten wird aneinander abgeglichen, die Musik den Bewegungen der Künstler angepasst und die Lichter optimiert.

Bis zur ersten Vorstellung muss alles perfekt sitzen. Kann sich Franziska Nock am Ende der Saison nur schlecht von der Manege verabschieden, wünscht sie sich Anfang der Saison einen Monat mehr Zeit herbei.