Sisseln

Das erste Referendum der Geschichte: «Wir sind froh über die Chance»

Florian Lüthy, Präsident der Elektra Sisseln (rechts), hier mit dem früheren Gemeindeammann Wilfried Käser sowie Peter Widmann, Mitglied der Elektrakommission, in der neuen Trafostation Dorf. (Archiv)

Florian Lüthy, Präsident der Elektra Sisseln (rechts), hier mit dem früheren Gemeindeammann Wilfried Käser sowie Peter Widmann, Mitglied der Elektrakommission, in der neuen Trafostation Dorf. (Archiv)

Der Elektra-Verkauf kommt im März 2017 an die Urne – ganz zur Erleichterung des Gemeinderates von Sisseln.

In Sachen Elektra-Verkauf in Sisseln ist das Rennen wieder offen. Nach einem Referendum kommt es am 12. März zur Abstimmung an der Urne. An der Wintergmeind am 24. November war der vom Gemeinderat traktandierte Verkauf des örtlichen Stromversorgers an die Aarauer AEW Energie AG gescheitert.

Von 88 anwesenden Stimmbürgern (total 978) sagten 46 Nein, 34 Ja. Das ablehnende Votum traf den Gemeinderat – der sich seiner Sache schon sicher war – hart. Er machte Wortmeldungen seitens von Elektra-Kommissionsmitgliedern für die negative Haltung des Souveräns verantwortlich.

«Geschäft ist wichtig»

Auch Referendums-Mitinitiant Walter Wicky, der am 24. November mit Ja stimmte, ist diese Versammlung in Erinnerung geblieben: «Mir kam die Stimmung in der Turnhalle gleich komisch vor. Ich habe da Leute gesehen, die ich zuvor bei einer Gmeind noch nie gesehen habe.» Vom Ausgang der Abstimmung war dann auch er überrascht: «Nach dem Infoabend im Oktober, der von der Gemeinde organisiert wurde, habe ich keinerlei negative Wortmeldungen vernommen, dadurch war ich an der Gemeindeversammlung umso mehr erstaunt.»

Nach ein paar Tagen Überlegzeit kam Wicky zum Schluss, das Referendum anzustrengen – aus zweierlei Gründen: Weil er denkt, dass so kleine Stromversorger wie die Elektra Sisseln es immer schwerer haben. Und weil er Unbehagen dabei verspürte, dass gerade einmal 46 Stimmbürger das Geschäft zu Fall bringen konnten: «Bei einem so hohen Betrag und einem derart wichtigen Geschäft sollte es breiter abgestützt sein.»

Bald war ein sechsköpfiges Initiativ-Komitee beieinander und sammelte ab dem 16. Dezember die fürs Referendum notwendigen Unterschriften. 245 hätten es sein müssen. Doch schon binnen drei Tagen waren 360 zusammen – für Wicky Beweis für die Richtigkeit seiner Initiative. Nach der Sichtung anfang Woche musste die Gemeindekanzlei sieben Unterschriften für ungültig erklären, doch auch mit 353 hiess es: Referendum zustande gekommen.

Premiere für das Dorf

Selbst das Referendum zu ergreifen, war für den Gemeinderat trotz des Frusts über die Abstimmungsniederlage im November nicht infrage gekommen. Jetzt, nachdem klar ist, dass es doch kommt, herrscht bei Gemeindeammann Rainer Schaub Erleichterung: «Dass es überhaupt zustande gekommen ist, hat mich schon überrascht. Es ist in Sisseln das erste Mal.»

Die Hürde liegt dort im interkantonalen Vergleich auch besonders hoch. 25 Prozent der Stimmberechtigten müssen ein Begehren mit ihrer Unterschrift unterstützen, anderswo im Aargau sind es nur zehn Prozent. Schaub ist auch froh, dass «eines der wichtigsten Zukunftsprojekte jetzt doch noch eine zweite Chance bekommt.»

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