Frick
Das Ende ist der Anfang: Jährlich werden 7082 Tonnen Abfall entsorgt

Im Recycling-Zentrum werden jährlich 7082 Tonnen Papier, Karton, Holz, Aluminium und weiteres gesammelt, getrennt und entsorgt: «Je nachdem, was die Leute bei uns entsorgen, bekommt man manches aus deren Leben mit»

Merken
Drucken
Teilen
Ein Rundgang im Recycling-Zentrum Frick.
13 Bilder
Ob sich unter den geschredderten Papieren auch brisante Papiere befinden? Ziemlich sicher Ja.
Metallschrott verschiedenster Art
Leseratten würden sicher noch die eine oder andere Trouvaille aus dem Bücherhaufen fischen
In grossen Mulden wird Holz und Sperrgut gesammelt
Hier landet also das Altpapier
Beinahe Kunst: Alu-Würfel
Auch Elektrogeräte können abgegeben werden
Eine Sache von Kilos
Der Betriebsleiter des Entsorgungszentrums, Beat Kunz, ist durch und durch vom Konzept des Recycelns überzeugt.
Entsorgte Matratzen werden im Recycling-Zentrum Fricktal von dem Greifer des Baggers gepackt, um damit den Boden sauber zu halten.
Viermal im Jahr werden alte Betonabfälle mit der Brechmaschine zerkleinert und zu Koffermaterial verarbeitet.
Recycling-Center Frick

Ein Rundgang im Recycling-Zentrum Frick.

Sandra Ardizzone

Am Ortsausgang von Frick, zwischen Hauptstrasse und Zuggleis, liegt das Recycling-Zentrum Fricktal. Beat Kunz steht auf dem oberen Teil des Geländes. Von dort hat er einen guten Blick auf die 13 761 Quadratmeter Entsorgungspark.

Letztes Jahr wurden hier 7082 Tonnen Papier, Karton, Holz, Aluminium und mehr gesammelt und entsorgt. In seiner orangefarbigen Faserpelz-Jacke mit Leuchtstreifen, einem blond verblassten Schnauzer, einer schlichten Brille auf der Nase und von der Kälte geröteten Wangen steht Kunz da und überschaut sein kleines Reich. Seit einem halben Jahr ist er der Betriebsleiter des Zentrums und Chef von acht Personen.

Ein vielfältiger Job

Kunz erinnert sich noch, dass sein Grossvater den Abfall früher in einer Mulde im Wald entsorgt hat. Die Zeiten haben sich geändert. In der Schweizer Gesellschaft ist das richtige Entsorgen von Abfall heute ein Muss. Dass Kunz auch zu Hause den Abfall säuberlich trennt, ist für ihn selbstverständlich. Recycling ist für ihn nicht nur ein Beruf, sondern auch ein persönliches Anliegen. Auf seinem Dach hat der 48-Jährige Sonnenkollektoren.

Vom ehemaligen Betriebsleiter wurde er damals angefragt, ob er den Job übernehmen wolle. «Ich zögerte nicht lange und sagte zu.» Der Job sei vielfältig, sagt er. «Von Büroarbeit über Kontrolle des Betriebs bis hin zum selber Mitanpacken – hier darf ich überall alles machen.»

Ein Auto biegt in die Industriestrasse und fährt langsam auf das Kabäuschen am Eingang des Entsorgungsparks zu. Eine Mitarbeiterin hinter Glasscheibe fragt die Fahrerin, was sie geladen hat. Wer kostenpflichtiges Material entsorgen muss, wird vorher und nachher gewogen. Die Gewichtsdifferenz ergibt die Entsorgungskosten. Die Frau im Auto hat aber nur Konservendosen, PET-Flaschen und gebrauchte Nespresso-Kapseln dabei.

Sie darf passieren, biegt links in die Sammelstelle ab und wirft dann ihren Abfall in die entsprechenden Container. «Je nachdem, was die Leute bei uns entsorgen, bekommt man manches aus deren Leben mit. Nach einer gescheiterten Ehe werden Fotoalben weggeworfen, nach dem Tod eines Menschen dessen Wohnung ausgeräumt.» Am Ende landet alles bei ihm in Frick.

40 Tonnen Papierbündel

Kunz nickt. Die Frau hat alles richtig entsorgt. Er sagt, dass es zum Teil vorkomme, dass die Leute nicht wissen, wohin mit ihren Abfällen. Darum hängt seit kurzem an jedem Container ein Piktogramm, das zeigt, was wohin gehört. Kunz macht ein paar Schritte um die Betonwand der Sammelstelle herum.

Dahinter befinden sich Berge von Papier und Karton. Alte «Bravo»-Heftchen, Zeitungen, Telefonbücher. «Den Karton pressen wir mit einer Maschine zu Ballen à 800 Kilo.» So kann der Lastwagen, der Karton und Papier in die Fabrik bringt, viel effizienter geladen werden. Papier könne bis zu fünfmal wieder recycelt werden. Kunz nimmt eine alte Zeitung in die Hände und reisst sie langsam ein. «Diese hier hat ganz kurze Fasern, das Papier wurde sicher schon ein paar Mal recycelt.»

Recycling nicht in Frick

Recycelt wird nicht in Frick selbst. Dort wird der Abfall nur gesammelt, getrennt, vorsortiert und dann weiterverkauft. Ausser die Betonabfälle. Viermal im Jahr fahren in Frick grosse Brechmaschinen auf, die eine Woche lang alten Beton verkleinern. Pro Jahr entstehen so rund 8000 Tonnen Koffermaterial, das wieder verkauft und zum Beispiel für den Strassenbau weiterverwendet wird.

Das Telefon von Kunz klingelt. Er greift in seine Hosentasche und zieht ein Smartphone heraus. Auf der Hülle prangt das Recyclingsymbol, die drei grünen Pfeile, die den Verwertungskreislauf widerspiegeln. Kunz muss los, eine Schulklasse in Empfang nehmen. Ihnen gibt er einen Rundgang im Zentrum, damit sie früh lernen, wie der Abfall richtig getrennt wird.