Zwei Menschen, eine Mission
Das Ende einer Ära: Brunette Lüscher und Bernhard Horlacher treten ab

Sie haben ihre Gemeinden in den letzten 20 Jahren massgeblich mitgeprägt: Brunette Lüscher und Bernhard Horlacher. Nun treten sie als Gemeindeammann von Magden und Schupfart ab. Eine Bilanz mit Vision.

Thomas Wehrli
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Sagen Adieu: Bernhard Horlacher war 13 Jahre Gemeindeammann von Schupfart, Brunette Lüscher stand der Gemeinde Magden 15 Jahre lang vor.

Sagen Adieu: Bernhard Horlacher war 13 Jahre Gemeindeammann von Schupfart, Brunette Lüscher stand der Gemeinde Magden 15 Jahre lang vor.

Thomas Wehrli

Ein Gedankenspiel zum Einstieg: Herr Horlacher, wären Sie gerne in der Gemeinde von Brunette Lüscher Gemeindeammann gewesen?

Bernhard Horlacher: Warum nicht? Die Aufgaben wären so anders nicht gewesen. (Schmunzelt.) Ich hätte etwas mehr Geld zur Verfügung gehabt.

Brunette Lüscher

Brunette Lüscher, 71, wohnt seit 1977 in Magden. Sie kam 1994 in den Gemeinderat und übernahm 2002 das Amt als Gemeindeammann. Lüscher sass zudem von 2004 bis 2013 für die SVP im Grossrat. Sie ist verwitwet, hat zwei Kinder und vier Grosskinder.

Brunette Lüscher: Natürlich lässt sich die Ausgangslage unserer beiden Dörfer nicht 1:1 vergleichen. Aber auch wir haben nicht Geld im Überfluss und müssen auf die Finanzen achten.

Horlacher: In Magden kann man einfach auf einem etwas höheren Niveau jammern.

Dann jammern wir mal auf dem Schupfarter Level. Frau Lüscher, wie ist für Sie die Vorstellung, in Schupfart als Gemeindeammann zu agieren?

Lüscher: Mit der Vorstellung habe ich keine Probleme. Ich würde ja dann im Dorf leben und wäre dort verwurzelt. Dann würde ich mich für Schupfart einsetzen, wie ich es in den letzten zwei Jahrzehnten für Magden getan habe.

Umgekehrt betrachtet: Was hat die je andere Gemeinde, das man gerne in der eigenen gehabt hätte?

Lüscher: Je kleiner eine Gemeinde ist, desto besser kennt man die Leute. (Lacht.) Ob das nur positiv ist, ist eine andere Frage.

Ein paar Steuerzahler aus Magden hätten Sie in Schupfart sicher genommen.

Horlacher: Klar, die nähmen wir auch heute noch.

Bernhard Horlacher

Bernhard Horlacher, 72, wohnt seit 1975 in Schupfart. 1998 kam er in den Gemeinderat und übernahm 2004 das Amt des Gemeindeammanns. Horlacher ist verheiratet und zweifacher Vater.

Lüscher: Es ist, wie gesagt, nicht so, dass wir Geld zum Verprassen haben. Auch wir müssen schauen – und zahlen gehörig in den Finanzausgleich ein. Kommt der neue Finanzausgleich, müssen wir sogar nochmals massiv mehr bezahlen. Deshalb ärgert mich auch sehr, was da in Laufenburg passiert ist.

Sie meinen mit der Stadthalle, die gut zwei Millionen Franken teurer zu stehen kam als budgetiert?

Lüscher: Genau. Hier stellt man frisch fröhlich eine Halle auf, die am Schluss 8,7 Millionen Franken kostet und die man zu einem guten Teil aus Ausgleichsgeldern finanziert hat. Man holt nicht einmal einen Nachtragskredit, sondern baut munter drauflos. Das macht mich sauer. Das ist nicht in Ordnung, dass wir Gelder in den Finanzausgleich zahlen und Gemeinden, die Finanzausgleich beziehen, dann derart sorglos mit den Geldern umgehen. Wir haben auch eine teure Halle gebaut, 11,5 Millionen kostete sie – und wir lagen gerade einmal 20 000 Franken neben dem Kreditantrag.

Horlacher: Ich verstehe die Reaktion von Brunette Lüscher. Solche Geschichten erschweren uns Gemeinden, die Finanzausgleich beziehen, das Leben. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann sich auch massiv auf die Zahlungsbereitschaft der Gemeinden auswirken. Zum Glück sind solche Vorkommnisse Einzelfälle.

Was ist die Stärke Ihrer Gemeinde?

Lüscher: Sicher die Anbindung an die Autobahn und die Nähe zu Basel. Deshalb ist Magden als Wohnort auch sehr nachgefragt. Wir bekommen viele Anfragen, haben aber kein Bauland mehr. (Lacht.) Das wäre etwas, was ich von Schupfart gerne nähme.

Horlacher: Wir haben selber nicht einmal mehr zehn Prozent Bauland-Reserven. Ich würde Dir also nicht manchen Bauplatz abtreten.

Und was ist die Stärke von Schupfart?

Horlacher: Die Stärke einer Kleingemeinde ist es, dass man sich hier noch gegenseitig kennt und hilft. Der Zusammenhalt ist gut, wir haben ein aktives Vereinsleben. Dieses pflegt vor allem der aktive Kern, was hilft, die Neuzuzüger, meist solche mit Wohneigentum, ins Dorfleben zu integrieren.

Lüscher: Die Vereine bilden den Kitt in jedem Dorf. Sie haben eine immense Bedeutung für das Dorfleben – und dieser ist sich der Gemeinderat auch bewusst. Die neue Sporthalle etwa haben wir nicht wegen der Schule gebaut, sondern vor allem wegen der Vereine.

Horlacher: Die Vereine sind gleichzeitig ein soziales Netzwerk. Der Frauenverein beispielsweise ersetzt uns zu einem guten Teil den Sozialdienst. Die Frauen besuchen alle Mütter, die ein Baby haben. Sie gehen auch gerade jetzt in der Adventszeit bei allen über 80-jährigen Einwohnern vorbei, bringen ihnen ein Geschenk und plaudern ein, zwei Stunden. Das ist gelebte Solidarität, das hilft, ein Dorf zusammenzuhalten.

Sie waren beide je rund 20 Jahre im Gemeinderat tätig. Wie stark hat sich das Dorf in dieser Zeit verändert?

Lüscher: Das Dorf ist sich selbst geblieben, auch wenn es durch die neuen Mehrfamilienhäuser bevölkerungsmässig stark gewachsen ist. Als ich mein Amt antrat, zählte Magden rund 2800 Einwohner. Heute sind es gegen 4000. Wir haben in dieser Zeit auch viele Gemeindeprojekte realisiert und so die Gemeinde auf einen guten Stand gebracht. Ich denke, die Weichen für die Zukunft sind richtig gestellt.

Horlacher: Auch bei uns war das Wachstum ein grosses Thema. Als ich 1998 in den Gemeinderat kam, zählte Schupfart rund 650 Einwohner. Heute sind es 800. Unsere Infrastruktur haben wir laufend modernisiert, sodass wir heute keine grösseren Baustellen haben. Die Investitionen waren für eine kleine Gemeinde wie Schupfart zum Teil happig und waren oft nur dank einer Anpassung des Steuerfusses möglich. Hier spielte der Souverän jeweils mit – auch weil er wusste, dass wir mit dem Steuerfuss wieder runtergehen, sobald das möglich ist.

Die Losung in den letzten 20 Jahren hiess vielerorts: Regionalisieren, um Kosten zu sparen und Synergien zu nutzen. Auch in Ihrer Gemeinde?

Horlacher: Sicher, ich bin ein grosser Verfechter von regionalen Lösungen. Dies gelang uns unter anderem bei einer gemeinsamen Oberstufe und einem gemeinsamen Abwasserverband.
Lüscher: Auch wir arbeiten da, wo es Sinn macht, mit den umliegenden Gemeinden zusammen.

Magden liegt an der Grenze zum Baselbiet. Hindert das die Zusammenarbeit?

Lüscher: Nur bedingt. Wir arbeiten in einigen Bereichen auch mit Maisprach zusammen, etwa bei der Spitex. Allerdings ticken die beiden Kantone schon anders und haben unterschiedliche Strukturen. Das verunmöglicht eine Zusammenarbeit in vielen Bereichen.

Hat sich in den letzten 20 Jahren auch die Art des Politisierens geändert?

Lüscher: Ich glaube nicht. Wir hatten zum Glück immer genügend Leute, die sich für Ämter zur Verfügung gestellt haben und sich politisch engagieren wollten. Heute vertritt man seine Ansicht pointierter in der Öffentlichkeit als vor 20 Jahren und getraut sich auch eher, sich an einer Gmeind kritisch zu äussern. Ich finde das richtig, denn eine Gemeindeversammlung ist dazu da, dass die Einwohner ihre Meinung kundtun und sich aussprechen können.

In Koblenz trat Heidi Wanner im Juli nach 14 Jahren als Gemeindeammann zurück. Sie sagte, der Umgangston sei ihr zu rau geworden. Ist dem so?

Horlacher: Bei uns ist es gerade umgekehrt. Als ich vor 36 Jahren in die Baukommission gewählt wurde, war der Umgangston viel rauer, als er es heute ist. Natürlich kann es vorkommen, dass jemand laut wird, weil ihm ein Entscheid nicht passt oder weil er sich benachteiligt fühlt. Aber Schlötterlig sind mir in all den Jahren keine angehängt worden.

Lüscher: Es gibt Leute, die schnell reklamieren und sofort auf der Palme sind. Das ist aber eine kleine Minderheit. Der Umgangston hängt sicher auch stark von der Zusammensetzung des Gremiums ab. Wir hatten untereinander stets ein Top-Verhältnis und das strahlt nach aussen aus.

Horlacher: Man sagt nicht umsonst: So wie man in den Wald ruft, tönt es zurück. Als Behördenvertreter kann man mit dem richtigen Ton viel zur Deeskalierung einer Situation beitragen.

Verändert hat sich die Geschwindigkeit. Im Mail-Zeitalter muss alles sofort erledigt sein – denkt jeder.

Lüscher: Die Kommunikation hat sich verändert und ist schneller geworden. Das spüren wir auch auf der Gemeinde. Als mittelgrosse Gemeinde haben wir den Vorteil, dass viele Anfragen von der Verwaltung abgefedert werden. Hier hat der Gemeindeschreiber eine zentrale Funktion. Je kleiner eine Gemeinde ist, desto eher geht man direkt auf die Behördenvertreter zu.

Horlacher: Das ist so. In einer Kleingemeinde ist der Gemeinderat auch viel stärker operativ tätig. Das wissen die Leute und kommen auf der Strasse direkt auf mich zu. Viele kleine Angelegenheiten und Probleme können so direkt und unkompliziert erledigt werden. Mir war es aber auch stets wichtig, dass die Verwaltung kundenorientiert arbeitet. Der Bürger ist König, er hat ein Anrecht darauf, eine Antwort auf eine Frage innert nützlicher Frist zu erhalten und nicht erst nach Wochen.

Wer eine Mail schreibt, erwartet eine Antwort innert Minuten oder Stunden.

Horlacher: Ich lasse mich nicht unter Druck setzen. Ich fühle mich nicht verpflichtet, innert Minuten Antwort zu geben. Zudem sitze ich nicht dauernd am Mail. Das will ich auch nicht, denn ich bin nicht vollamtlich bei der Gemeinde angestellt. Das wissen die Leute aber auch.
Lüscher: Wir arbeiten effizient und schnell, aber wir lassen uns nicht unter Druck setzen. Abklärungen benötigen nun oftmals ihre Zeit, gerade im Bauwesen.

Wie hat sich das Fricktal verändert?

Horlacher: Positiv.

Lüscher: Wir haben unterschiedliche Strukturen im oberen und unteren Fricktal. Im oberen gibt es viele Kleingemeinden, im unteren Fricktal haben wir eine Ballung von grösseren Gemeinden. Ich war deshalb nicht begeistert, als sich die beiden Planungsverbände zu einem zusammenschlossen. Denn die doch sehr unterschiedlich gelagerten Herausforderungen unter einen Hut zu bringen, ist fast unmöglich. Der Zusammenschluss war der falsche Weg.

Horlacher: Aus Schupfarter Sicht war der Zusammenschluss richtig. Wir liegen auf der Grenze zwischen unterem und oberem Fricktal und kooperieren mit beiden Bezirken eng. Mit dem Planungsverband Fricktal Regio hat zudem ein Umdenken eingesetzt, das letztlich zu einer Öffnung geführt hat. Ich bin mir aber durchaus bewusst: Eine Kleingemeinde braucht Fricktal Regio, eine Grossgemeinde viel weniger.

Lüscher: Für uns hat Fricktal Regio kaum etwas gebracht – so wie uns auch das Agglomerationsprogramm Basel nichts bringt. Hier geht es nur um die Rheingemeinden, unsere Anliegen werden links liegen gelassen.

Eine der grössten Veränderungen ist der Verkehr.

Lüscher: Und wie! Der hat in den letzten 20 Jahren extrem zugenommen. Das setzte ein mit der Eröffnung der Autobahn A3. Heute sind Stauansagen auf der A3 Alltag.

Horlacher: Der Verkehr ist ein Zeichen des Wachstums. Dieses ist in manch einer Gemeinde zu schnell gegangen, sodass es nicht immer gelang, den ländlich-dörflichen Zusammenhalt beizubehalten. Es gibt bei uns eine Kernbevölkerung, hauptsächlich Leute mit Wohneigentum. Diese Menschen sind «Ureinwohner» oder wie ich «Angeschwemmte», die im Dorf verwurzelt sind. Das Kommen und Gehen findet in den Wohnungen statt und ist bei uns relativ hoch. Das wird in Magden nicht viel anders sein.

Lüscher: Doch, weil wir um die 90 Prozent Wohneigentum haben. Die Fluktuation ist deshalb sehr klein.

Kann man als Gemeinde das Wachstum steuern?

Horlacher: Nein, das Wachstum hängt von den Baulandreserven, deren Verfügbarkeit und der Konjunktur ab. Wir hatten im Fricktal ein derart grosses Wachstum, weil es uns wirtschaftlich so gut geht. Die Menschen gehen dorthin, wo sie eine Mietwohnung oder Bauland finden. Als Gemeinde kann ich nicht viel gegen das Wachstum, aber auch nicht viel für das Wachstum tun – auch, weil wir als Gemeinde kein eigenes Land besitzen.

Lüscher: Dieses haben wir zum Glück und konnten deshalb teilweise mitsteuern, wie schnell wir wachsen wollen. Wir hielten das Land, das in einer zweigeschossigen Mehrfamilienhauszone lag, bewusst zurück, bis wir die neue Bau- und Nutzungsplanung erstellt hatten. Diese ermöglicht uns nun eine bessere Verdichtung. Jetzt kann man dreistöckig bauen, wenn man auf das Dach- respektive Attikageschoss verzichtet. Wir hatten viele Anfragen für das Land, aber wir wollten es behalten, um das Wachstum steuern zu können.

Man spricht häufig von der Schere zwischen armen und reichen Gemeinden. Geht diese künftig noch weiter auf?

Lüscher: Das ist schwierig zu beurteilen. Wenn der neue Finanzausgleich kommt, wird Magden den Steuerfussabtausch wohl nicht machen können, das heisst: Wir können den Steuerfuss nicht um die drei Prozentpunkte senken, die der Kanton seinen Steuerfuss erhöht. Unter dem Strich zahlen also die Magdener künftig wohl mehr Steuern. Dies liegt daran, dass wir mit dem neuen Finanzausgleich massiv mehr in den Ausgleichstopf zahlen werden.

Horlacher: Die Schere wird mit dem neuen Finanzausgleich wohl eher etwas zugehen. Denn der Finanzausgleich bringt eine dringend notwendige Korrektur zugunsten der finanzschwächeren Gemeinden.

Die Gesellschaft ist zunehmend Ich-bezogen. Ist es schwieriger geworden, Leute zu motivieren, in Gemeindeämter einzusteigen?

Lüscher: Wir hatten noch nie Probleme, Kandidaten für Ämter zu finden. Das liegt an der Grösse der Gemeinde und das liegt am Parteiensystem, das bei uns bestens funktioniert. Die Parteien sprechen zielgerichtet Leute an und bringen Kandidaten.

Horlacher: Bei uns gibt es schon seit Jahrzehnten keine Ortsparteien mehr. Das ist aber nicht der Grund, dass es schwerfällt, geeignete Leute zu finden. Diese gibt es – doch die haben entweder andere Prioritäten oder sind bereits in mehreren Vereinen oder Ämtern tätig. Das ist kein neues Phänomen. Wir mussten eine ganze Amtsperiode zu viert durchmachen, weil sich kein fünfter Kandidat fand. (Lacht.) Es gab aber auch schon den Fall, dass wir geschaut haben, dass jemand das Interesse am Amt vor den Wahlen wieder verliert. Denn gewisse Minimalvoraussetzungen müssen erfüllt sein.

Lüscher: Hier haben wir sicher einen Grössenvorteil. Wir können so aus einem beachtlichen Topf an geeigneten Leuten schöpfen. Deshalb kommt es bei uns auch immer wieder zu Kampfwahlen.

Sie haben beide Ihren Entscheid, zurückzutreten, für sich vor einer Weile gefällt. Baut man da im Hintergrund einen Nachfolger auf?

Lüscher: Klar. Parteiintern war mein Nachfolger im Gemeinderat, Roger Sprenger, schon lange im Gespräch. Er signalisierte auch schon vor einiger Zeit, dass er Interesse am Gemeinderatsamt hat. (Lacht.) Als ich dann entschied, zurückzutreten, sagte ich zu ihm: Jetzt kannst Du nicht mehr zurückkrebsen.

Horlacher: (Lacht.) Ein guter Schachzug.

Lüscher: Man muss sich die Gedanken machen, wer einem nachfolgt. Im Gemeinderat haben wir auch offen darüber diskutiert, wer wie lange bleiben möchte. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass nicht alle gleichzeitig gehen. Denn das wäre ein Know-how-Verlust, der für die Gemeinde nicht gut wäre.

Horlacher: Auch bei uns war es vorgespurt, dass Vizeammann René Heiz nach mir das Ammann-Amt übernimmt. Es gehört für mich zum Amt dazu, dass man seine Nachfolge zu planen versucht.

Brauchen auch die Gemeindestrukturen eine Art Nachfolge-Planung oder sind sie noch zeitgemäss?

Horlacher: Die Kleinteiligkeit im oberen Fricktal und bis zum Wegenstettertal im unteren Fricktal hat keine Zukunft. Im unteren Fricktal haben es nur die kleinen Gemeinden nötig, zu fusionieren. Die Frage ist hier vielmehr, ob eine Bereitschaft vorhanden ist, kleinere Gemeinden aufzunehmen. Wir sahen es beim gescheiterten Projekt «Zukunft mittleres Fricktal», wie schwierig es ist, eine starke Gemeinde, wie es Stein ist, zu überzeugen, kleinere an Bord zu nehmen.

Was erwarten Sie?

Horlacher: Für mich ist ein oberes Fricktal mit noch drei bis vier Gemeinden mittelfristig realistisch.

Lüscher: Ich stand immer dafür ein, dass Gemeinden selbstständig bleiben sollen, so lange sie es können und wollen. Wenn aber der Druck derart gross wird, dass man nur noch überleben kann, indem man massiv von anderen subventioniert wird, muss man sich schon Gedanken über eine Fusion machen. Dieser Anstoss muss aber von innen, aus der Gemeinde heraus kommen und darf nicht ein Diktat von oben sein.

Wäre Magden bereit, mit Rheinfelden zusammenzugehen?

Lüscher: Nein, das denke ich nicht. Wir brauchen den Zusammenschluss auch nicht. Wir können sehr gut alleine weiterleben. Ich bin aber klar für eine gute Zusammenarbeit.

Horlacher: Das ist der Unterschied: Ihr habt das Potenzial, alleine weiterzuleben. Viele kleine und Kleinstgemeinden im oberen Fricktal haben es nicht. Wenn dann jemand kommt und sagt: «Ihr könnt ja die Verwaltung outsourcen», muss ich ihm antworten: Ja, das könnten wir – aber das kommt garantiert nicht günstiger zu stehen. Outsourcen kostet immer mindestens das Doppelte – und ich will ja etwas verändern, weil ich wenig Geld habe. Das beisst sich. Ausserdem verliere ich dabei Mitbestimmung, also einen Teil der Unabhängigkeit.

Blicken wir noch kurz in die Kristallkugel. Das Bild ist zwar etwas verschwommen. Aber ich erkenne die Umrisse des Fricktals im Jahr 2040 und sehe noch 10 statt 35 Gemeinden. Ist das eine Vision, eine Illusion oder eine Horrorvorstellung?

Lüscher: Eine Vision, falls die Gemeinden dies so wünschen.

Horlacher: Auch für mich ist es eine Vision. Allerdings bin ich der Ansicht: Die Gemeinden müssen bis dahin so weit kommen, sonst laufen sie in Probleme. Der finanzielle Druck ist da. Dem kann man sich nicht entziehen.

Welchen Rat geben Sie ihrem Nachfolger im Ammann-Amt mit auf den Weg?

Lüscher (lacht): Das sage ich nur ihm.

Und etwas, das wir alle hören dürfen?

Lüscher: Man Nachfolger als Ammann, André Schreyer, ist seit 15 Jahren im Gemeinderat. Er ist ein alter Hase. Wichtig ist, dass er sich zeitlich nicht übernimmt. Als Gemeindeammann muss man sich bewusst Ruhephasen nehmen und Freiräume schaffen.

Horlacher: Mein Nachfolger braucht keinen Rat. Er weiss, was auf ihn zukommt und dass er sich zeitlich freischaufeln muss. Er hat das Glück, dass er im Job etwas reduzieren kann. Finanziell ist das eher möglich, da wir die Salär-Richtlinien der Gemeindeammänner-Vereinigung bereits umgesetzt haben.

Das heisst in Zahlen?

Horlacher: Die Entschädigung basiert auf einem Ansatz von 100 000 Franken bei einem 100-Prozent-Pensum. Ich komme somit auf ein Fixum von 18 000 Franken.

In Magden ist es sicher mehr.

Lüscher: Ja, denn wir sind auch eine grössere Gemeinde. Ich habe ein Fixum von 30 Prozent, basierend auf einem Vollzeit-Jahressalär von 160 000 Franken. Zusätzlich kommen Sitzungsgelder hinzu. Da ich das zeitintensive Bauwesen unter mir hatte, kam ich auf ein Pensum von rund bezahlten 40 Prozent. Effektiv gearbeitet habe ich jedoch viel mehr.

Horlacher: Das war auch bei mir nicht anders. Das Ammann-Amt fordert einen stark. Als ich noch voll berufstätig war, rannte ich nur noch zwischen Job und Amt hin und her. Auf Dauer hätte ich das nicht mitgemacht; ich machte nur weiter, weil ich pensioniert wurde. Deshalb mein Rat an alle, die Interesse am Ammann-Amt haben: Unterschätzt die zeitliche Belastung nicht. Wer daneben noch etwas vom Leben haben will, wer eine Familie hat, der muss im Job zurückfahren können.

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