Herznach
Das einst grösste Eisenbergwerk der Schweiz wird zum Museum

Die Gemeinde Herznach und der Jurapark Aargau sind um eine Attraktion reicher. Das Bergwerk, in dem in 30 Jahren 140 Bergleute Hunderte Tonnen von Eisenerz abbauten, ist nun für das Publikum zugänglich.

Hans Christof Wagner
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Gestern nahmen zahlreiche Besucher die Gelegenheit wahr, das neu eingerichtete Bergwerksmuseum in Herznach zu besuchen. hcw

Gestern nahmen zahlreiche Besucher die Gelegenheit wahr, das neu eingerichtete Bergwerksmuseum in Herznach zu besuchen. hcw

An der Eröffnung sagte Regierungsrat Roland Brogli, dass der Kanton bei der Finanzierung des Projekts gerne geholfen habe. «Die neue Ausstellung erschliesst ein Stück Industrie- und Bergbaugeschichte im Fricktal», lobte der Regierungsrat. Das frühere Eisenbergwerk war Brogli zufolge das einst grösste der Schweiz und stelle heute ein wichtiges und sehr erhaltenswertes Kulturgut dar.

Die Einrichtung des Museums stellte den 2004 gegründeten Verein Eisen und Bergwerke VEB vor seine bislang grösste Herausforderung. Für die Einrichtung der Schau in einem früheren Schopf holte er sich mit dem Aarauer Museumsgestalter Tello Frutiger professionelle Hilfe ins Boot. Die Ausstellung zeigt die Geschichte der Verhüttung von Eisenerz auf, die in der Region Herznach bis ins Mittelalter zurückreicht. Sie veranschaulicht den modernen Abbau unter Tage, der in Herznach von 1937 bis 1967 erfolgte. Die Schau verschweigt nicht, dass rund die Hälfte des geförderten Erzes in den Jahren des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland exportiert und dort zu Rüstungszwecken gebraucht wurde.

1941 wurden mehr als 200'000 Tonnen Erz gefördert, die grösste Abbaumenge in der Geschichte der Mine. Das heute noch stehende und zur Wohnung umgebaute Erzsilo aus Beton hatte ein Fassungsvermögen von 1000 Kubikmetern. Insgesamt förderten bis zu 140 Bergleute in den 30 Jahren Betrieb 1,7 Millionen Tonnen Eisenerz zutage. Daniel Lüscher, Vizepräsident des Vereins, sagte gestern, dass man daraus einen Eisenwürfel mit 39 Metern Seitenlänge hätte anfertigen können. Oder dass es für 67 Eiffeltürme ausgereicht hätte.

Das ist das nächste grosse Projekt des Vereins

Weiter zeigt die Ausstellung die besondere Geologie des Raums Herznach auf, wo vor Jahrmillionen das Jurameer lag. Teile des 30 Meter langen Bohrkerns, welchen der Verein 2011 bohren liess, sind zu sehen. Sie machen anschaulich, dass der Untergrund rund um Herznach voller Fossilien steckt. Zahlreiche versteinerte Ammoniten und Belemniten liegen in den Vitrinen aus. Auch im so genannten Lackabzug, einem Steinrelief original aus dem früheren Bergwerk, sind die schneckenförmigen Gehäuse der einstigen Meeresbewohner zu sehen.

Im hinteren Teil des Museums befindet sich ein kleiner Vorführraum, wo ein Film gezeigt wird mit Interviews früherer Bergleute und Zeitzeugen. Spenden und ein Zuschuss des Kantons in Höhe von 143'000 Franken aus dem Swisslos-Fonds machten den Museumsbau möglich.

Nächstes grosses Projekt des Vereins ist die Einrichtung eines 75 Meter langen Besucherstollens. VEB-Präsident Peter Scheuble sagte am Sonntag, dass die Einrichtung rund 800'000 Franken koste. Bis 2016 wolle man jedoch so weit sein und die Finanzierung gesichert haben. Einst brachten es die Bergwerksstollen auf eine Länge von zusammen 33 Kilometern. Mehr als 40 Jahre nach Stilllegung sind sie aber nur noch zum Teil erhalten. Besucher konnten gestern auch eine Runde in der Stollenbahn drehen, die rund um das frühere Erzsilo verkehrt.

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