Es war auf den Tag genau vor 75 Jahren: Am 1. November 1943 versetzten 17 Personen ihre Stimmbänder in Schwingung, jodelten, sangen und hoben mit der ersten Probe im damaligen «Platanenhof» in Frick das Bernerchörli aus der Taufe.

Werner Gasser, 67, Mitglied und Vorstand des Bernervereins Frick, ist schon ein wenig stolz, als er im dicken Ordner blättert, der Zeugnis über die bewegte Vergangenheit des Vereins gibt. «Viele Bernervereine sind nicht mehr aktiv, wir haben es bis anhin geschafft, von Jahr zu Jahr abwechselnd ein grosses Konzert oder ein Theaterstück auf die Bühne zu bringen.»

Der Ursprung der Gründung des Bernervereins – aus dem der Chor und das Theater nur wenig später hervorgingen – lag zunächst im Unbehagen der Bauern, die es vor rund 100 Jahren aus dem Bernbiet auf die Höfe auf den Hügeln ins Fricktal zog. So auch Gassers Grossvater im Jahre 1911. «Einige Berner Bauern haben sich hier wie Auswärtige gefühlt», so Gasser. Der Hauptgrund hierfür sei die starke katholische Ausprägung ihrer neuen Heimat gewesen, weil die meisten der ausgewanderten Bauern aus dem Bernbiet Reformierte gewesen seien.

Aus der Gründungsurkunde geht hervor, dass sich zehn ausgewandete Berner im «Schwert» in Hornussen im April 1943 trafen und beschlossen, Geselligkeit untereinander zu pflegen. «Es bestand auch der Wunsch der Gründungsmitglieder durch die Schaffung eines neuen Zusammengehörigkeitsgefühls, das Gefühl des Nicht-Willkommen-Seins ein wenig zu kompensieren», sagt Gasser.

So unverfälscht wie möglich

Für rund ein halbes Jahrhundert blieb es Leuten, die nicht aus dem Bernbiet stammten, verwehrt, dem Bernerverein Frick beizutreten. «Wer Mitglied werden wollte, musste seinen Pass zeigen», weiss Gasser. Bei den Konzerten wurden Jodellieder gesungen, und auf der Bühne wurden fast nur Stücke des berühmten Berner Schriftstellers Jeremias Gotthelf gespielt. «Monologe und Dialoge wurden in Berndeutsch vorgetragen. Wer diesen Dialekt nicht beherrschte, durfte nicht auf die Bühne», sagt Gasser. So sei es in den ersten Jahrzehnten des Bernervereins wichtig gewesen, das Volkstümliche und Originäre so unverfälscht wie möglich durch Gesang und Schauspiel nach aussen zu tragen.

Als die Vereinsmitglieder älter wurden und die Mitgliederzahl im Chörli von über 30 unter 20 sank, beschloss man im Jahr 1995, auch solche aufzunehmen, die nicht aus dem Bernbiet stammen. «Obwohl es auch einige gab, die das nicht toll fanden, war die Öffnung notwendig, um das Fortbestehen des Chores zu sichern», so Gasser.

Mittlerweile ist der gemischte Chor wieder auf über 30 Mitglieder angewachsen. Insgesamt hat der Verein 105 Mitglieder, von denen sich rund die Hälfte aktiv am Chor und dem Theater beteiligen. Verhehlen kann Gasser allerdings nicht, dass es in der heutigen Zeit schwieriger als damals ist, neue junge Mitglieder zu finden, was nicht zuletzt an der breiteren Auswahl an Vereins- und Freizeitangeboten liege. «Es ist schon so, dass viele der Mitglieder sich im Pensionsalter befinden.»

Zu Ehrenbürgern ernannt

Unvergessen bleibt für Gasser die zweiwöchige Reise mit dem Bernerchörli in die USA in den 1990er-Jahren. Auf der Tour von New York bis nach Florida machten die 32 Mitglieder mitsamt ihrer Trachten im Gepäck Halt in der Stadt New Bern, die 1710 unter anderem von mehreren Berner Auswanderern gegründet wurde.

Der Bürgermeister von New Bern überreicht die Ehrenbürgerurkunden.

Der Bürgermeister von New Bern überreicht die Ehrenbürgerurkunden.

Der Bürgermeister der Stadt war über den Besuch und den Gesang so erfreut, dass er alle mitgereisten Mitglieder zu Ehrenbürgern ernannte. «Da waren wir schon ein wenig perplex», sagt Gasser. Ausser dem Souvenir-Shop «Bern Bear Gifts» und einem Wappen an der Rathaus-Türe habe aber nichts mehr auf die Berner Wurzeln der Stadt hingedeutet. «Und keiner konnte mehr Deutsch oder gar Berndeutsch sprechen. Wir hatten aber eine Dolmetscherin dabei, sodass es keine Verständigungsprobleme gab», erzählt Gasser.

Bernerverein Theater «de Gäldsepp»:

Freitag, 16. November, 20 Uhr,

Samstag,  17. November, 14 und

20 Uhr, Mehrzweckhalle 1958, Frick.