Rheinfelden
Das Barockorchester begeistert mit einer musikalischer Rarität

«Bach italienisch» hiess am Samstagabend das Motto in der reformierten Kirche in Rheinfelden. Diese war beim Konzert des Ensembles Capriccio voll besetzt.

Hans Christof Wagner
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Capriccio in concert.

Capriccio in concert.

Hans Christof Wagner

Höhepunkt des mit einer Zugabe rund anderthalbstündigen Konzerts war die Bach-Kantate «Tilge, Höchster, meine Sünden». Das Motto «Bach italienisch» hatte das Rheinfelder Orchester gewählt, weil es sich bei dem Werk um eine deutsche Bearbeitung des 1736 entstandenen Stabat Maters handelt, komponiert vom Italiener Giovanni Battista Pergolesi. «Pergolesi schrieb es bereits todkrank. Somit umgibt es als letztes Auftragswerk eines Komponisten im Angesicht des eigenen Todes eine ähnliche Aura wie Mozarts Requiem», schreibt der Schweizer Musikwissenschaftler Dominik Sackmann im Konzertprogramm. Das Stück gilt in Bachs Bearbeitung als Rarität und Stilexperiment, reizvoll im Zusammentreffen von zwei seinerzeit sehr populären Musikern.

Vermutlich deshalb wollten so viele Besucher in Rheinfelden die Chance nutzen, es live zu erleben. Einmal mehr harmonierte das Rheinfelder Barockorchester Capriccio dabei mit den Solisten des Abends: Miriam Feuersinger und Alex Potter – mit ihren stimmlichen Qualitäten immer wieder Garanten für volle Häuser. Countertenor Alex Potter aus England ist ein gefragter Interpret für Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Engagements führen ihn durch ganz Europa. Potter und die Sopranistin Miriam Feuersinger verbindet das Studium an Musikhochschulen in Basel. Beide genossen am Samstagabend den lang anhaltenden Applaus des Rheinfelder Publikums und gewährten ihm auch eine kleine Zugabe.

Eine Premiere

Das Original von Pergolesi hat Capriccio laut dem künstlerischen Leiter des Ensembles, Dominik Kiefer, schon oft gespielt. «In der Bearbeitung durch Bach war es für uns heute Abend aber eine Premiere», berichtete er auf Nachfrage der az. Mit wie vielen Instrumenten die Kantate zur Aufführung kommt, habe Bach nicht festgelegt. So war das am Abend in zehnköpfiger Besetzung spielende Ensemble in der Umsetzung frei und konnte mit der Theorbe, dem barocken Vorläufer der Gitarre, auch eines seiner historischen Instrumente einsetzen, für die es bekannt ist. Die Theorbe, gespielt von Mirko Arnone, war auch mit von der Partie bei den beiden Instrumentalstücken des Konzertabends: die Sinfonia zur Kantate BWV 146 von Johann Sebastian Bach und das Concerto grosso in f-moll von Pietro Locatelli.

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