Jeden Morgen bringen sechs Landwirte die Milch von ihren Kühen in Oberhof ins Milchhüsli. Dort wird die Milch dann gekühlt zwischengelagert, ehe jeden zweiten Tag ein grosser Milchtankwagen die Milch abholt und an Verarbeiter ausliefert. Ende Monat ändert sich das. Dann wird in Oberhof die täglich Milchannahme eingestellt, wie Bruno Fricker, Präsident der Milchgenossenschaft Oberhof, gegenüber der az bestätigt.

Mit der Schliessung der Annahmestelle geht die Auflösung der Milchgenossenschaft einher. «Rund 90 Jahre hat es die Milchgenossenschaft gegeben», blickt Fricker etwas wehmütig zurück, «doch ohne die Annahmestelle haben wir keine Funktion mehr.» Das Milchhüsli wolle man dereinst verkaufen.

Hofabfuhr bei grossen Betrieben

Oberhof ist die nächste Gemeinde, die ihre Milchannahmestelle verliert – aber längst nicht die erste. In den letzten Jahren wurden unter anderem die Annahmestellen in Wölflinswil oder Zeiningen geschlossen. Laut Auskunft der Miba Genossenschaft, die den Landwirten die Milch abkauft, werden im Fricktal nur noch in Möhlin, Herznach und Wil Annahmestellen geführt. «Es gibt immer mehr Lieferanten mit grösseren Milchmengen, die vermehrt Hofabfuhr wählen», erklärt Miba-Pressesprecherin Evelyne Piller. Das heisst, dass die Tankwagen die Milch direkt vom Hof abholen.

Die Hofabfuhr ist denn laut Bruno Fricker auch mit ein Grund für die Schliessung der Oberhofer Annahmestelle. Und: «Es war auch eine Kostenfrage. Jeder abgegebene Liter Milch kostete die Milchgenossenschaft drei bis vier Rappen», führt Fricker aus. Schliesslich musste der Lohn der Milchannehmerin ebenso bezahlt werden wie der Strom für die Kühlanlage und weitere Fixkosten.

Betroffen von der Schliessung in Oberhof sind laut Fricker «sechs kleinere Betriebe» – zwei Landwirte aus Wölflinswil und vier aus Oberhof. Sie müssen nun an ihren Höfen kleinere Anpassungen vornehmen, um die Milch einen Tag auf dem Hof gekühlt lagern zu können. «Dramatisch» seien die Veränderungen aber nicht, so Fricker. Jeden zweiten Tag können die Bauern die Milch dann weiterhin zum Sammelplatz beim Milchhüsli bringen, wo der Tankwagen zu festgelegten Zeiten wartet. Derartige Sammelplätze gibt es im Fricktal noch zehn weitere.

Automatisierte Annahmestelle

Die sinkenden Mengen kennen auch die Milchgenossenschaften von Herznach und Möhlin. Dennoch wollen sie an ihrer Milchannahmestelle festhalten. «Bei uns können die Bauern die Milch sogar morgens und abends bringen», so Arno Wernle, Präsident der Herznacher Milchgenossenschaft. Fünf Betriebe nutzen die Möglichkeit und liefern total zwischen 1500 und 2000 Liter Milch pro Tag.

Würde man die Annahmestelle schliessen, kämen Investitionen auf die einzelnen Landwirte zu, so Wernle. «Jetzt können wir die Kosten immerhin durch fünf teilen.» Und weiter: «Für mich hat die Annahmestelle auch soziale Funktionen. Die Dorfbevölkerung sieht die Landwirte zweimal am Tag und man kann vor Ort frische, nichtpasteurisierte Milch kaufen.» Weiter biete das Milchhüsli Jugendlichen in den letzten Schuljahren eine Aufgabe als Milchannehmer. Letztere gibt es in Möhlin nicht mehr. Die Annahmestelle wird laut Genossenschaftspräsident Peter Fischler automatisiert geführt. Die elf Milchbauern, die sie nutzen, registrieren sich elektronisch und die Anlage saugt die Milch an – «wie tanken, nur umgekehrt», wie Fischler lachend sagt.