Oeschgen/Wittnau

Das Aufleben einer alten Rivalität – mit Brauchtümern aus Feuer und Flammen

Darf beim Oeschger Scheibensprengen nicht fehlen: Ein mit Stroh umwickeltes und mit Stoff überzogenes Speichenrad von vier Metern Durchmesser, das die Sonne symbolisiert.

Darf beim Oeschger Scheibensprengen nicht fehlen: Ein mit Stroh umwickeltes und mit Stoff überzogenes Speichenrad von vier Metern Durchmesser, das die Sonne symbolisiert.

Am Sonntag finden das Oeschger Scheibensprengen und das Fasnachtsfeuer statt – auch, falls es regnet. Mit ihren Flammenmotiven verfolgen die Dorfbewohner dabei ein ganz bestimmtes Ziel.

Der Brauch des Fasnachtsfeuers lässt in Wittnau am Sonntagabend die alte Rivalität im Dorf wieder aufleben, wenn Hunderte von «Fächteli» entzündet und die Flammensujets von Ober- und Unterdorf auf den Wittnauer Hängen sichtbar werden.

«Das Ziel bei den Flammemotiven ist es, Bezug zu einem aktuellen Thema zu nehmen und in Sachen Originalität und Eindrücklichkeit die andere Dorfhälfte zu übertreffen», sagt Roger Schmid, Vorstand des Trägervereins Oberdorf.

Auf welche Thematik das jeweilige Sujet Bezug nimmt, bleibt geheim und wird erst ersichtlich, wenn nach dem lauten Böllerknall, um 20 Uhr, das Feuerspektakel beginnt. Nach dem Anzünden der Flammenschriften beginnt der etwa zwei Kilometer lange Fackelumzug in Richtung Dorf.

Wittnau feiert feurige Feindschaft

Wittnau feiert feurige Feindschaft

Oberdorf gegen Unterdorf: Einmal im Jahr bekämpfen sich die sonst geeinten Dorfteile. Brandpunkt der Rivalität sind die selbstgemachten Feuerbilder.

«Bei diesem werden Verse gesungen, um den anderen Dorfteil zu verspotten und einzuschüchtern», sagt Schmid. Zur Verspottung der Unterdörfler dient auch ein Stoffbild, auf dem zu sehen ist, wie diese verlieren.

Das Stoffbild ist eine Anlehnung an das Wittnauer Wappen und zeigt einen Adler, der einen grillierten Vogel in seinen Klauen hält. «Jeder, der mithilft, kann sich das Stoffbild auf die Kleidung nähen lassen», sagt Schmid.

Bereits gestern wurde der erste Teil der rund 300 Fackeln hergestellt. Hierzu wurden mehrere Lumpenstreifen um einen Stahl-Stab gewickelt und mit Draht befestigt, bis ein Knäuel entstand. Rund 200 dieser Fackeln kommen im Flammenbild zum Einsatz, für das ein über zehn Meter langes Gerüst gebaut wird.

Schmid kann nicht verhehlen, dass er bereits das eine oder andere Mal auf den Wetterbericht geschaut hat – für Sonntag wird kein Regen prognostiziert. Sollte es wider Erwarten zu starken Niederschlägen kommen, wird das Feuer trotzdem brennen. «Wir haben 150 Liter Petroleum bestellt. Am Sonntagnachmittag werden die Fackeln eine Viertelstunde darin getränkt», sagt Schmid.

Während der Ursprung des Wittnauer Fasnachtfeuers von Historikern noch nicht ganz geklärt werden konnte – man vermutet dahinter einen heidnischen Brauch, um den Winter zu vertreiben –, geht es beim Oeschger Scheibensprengen am Sonntag darum, das Böse abzuwehren und Fruchtbarkeit zu bringen.

Einer der langjährigen Oeschger Scheibensprenger ist Josef Hauswirth. «Jedes Jahr schnitzen wir am Wochenende vor Weihnachten rund 1000 handtellergrosse Scheiben für den Sonntag nach Aschermittwoch», sagt er.

Die Scheiben werden von den Sprengern gegen 19.30 Uhr angezündet und mit der Gerte über ein Brett, eine Sprungschanze, in die Nacht Richtung Autobahn geschossen. «Das Sprengen ist eine besondere Kunst. Nicht jede Scheibe wird zum leuchtenden Feuerschweif», so Hauswirth.

Strohrad als lodernde Sonne

Seit 1977 gehört zum Scheibensprengen ein mit Stroh umwickeltes Speichenrad von vier Metern Durchmesser, das hell lodernd durch eine Eisenstange gedreht wird. Das Rad steht für die Sonne und das Winterende.

«Auch falls es regnen sollte, wie in den letzten drei Jahren, wird das Strohrad brennen. Wir schützen es mit einer Plane vor der Feuchtigkeit und verwenden Petroleum als Brandbeschleuniger», so Hauswirth.

Die schönsten Bilder der Aargauer Fasnacht 2018:

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