Patrick Martin hat einen langen Atem. Das bewies er schon als Jugendlicher. Als Kind träumte er davon, Pilot zu werden. Mit 14 Jahren liess er diesen Traum wahr werden. Er meldete sich für die Segelflugausbildung auf dem Flugplatz Schupfart an und fuhr dafür einmal in der Woche vom damaligen Wohnort der Eltern nahe des Zollis in Basel ins Fricktal – mit dem Velo notabene. «Ich musste um 4 Uhr aufstehen, damit ich pünktlich um 8 Uhr in Schupfart war», erzählt Martin. Er lacht. Manchmal sei ihm unterwegs wortwörtlich der Schnauf ausgegangen. Dann kam er zu spät und musste, statt Flugübungen zu absolvieren, Handlangerdienste übernehmen. Aber eben: Er hatte schon damals einen langen Atem. Martin hat die Segelflug-Ausbildung durchgezogen. Später wurde er Berufspilot, flog unter anderem humanitäre Einsätze in Afrika. Heute arbeitet der 59-Jährige bei einer auf Charterflüge spezialisierten Firma und wohnt deutlich näher am Schupfarter Flugplatz, in Wegenstetten.

Der Flieger hing zwischen den Dachbalken im Hangar

Die Liebe zu den Segelfliegern und die Faszination für die Technik ist über all die Jahre geblieben. Und sie ist noch einmal gewachsen. Alles begann vor drei Jahren, als ein Kollege aus der Segelfluggruppe Basel Fricktal im Hangar des Flugplatzes Schupfart einen alten Flieger entdeckte. In eine schmutzige Plastikblache eingewickelt und eingepfercht zwischen den Dachbalken hing eine Spalinger S18, Baujahr 1937. Der Segler wurde bis 1967 geflogen und dann ausser Betrieb genommen.

Dem Flugzeug fehlten mehrere Teile und Instrumente, es hatte offensichtliche Schäden und war unter all dem Schmutz kaum zu erkennen. «Es bot einen traurigen Anblick», sagt Patrick Martin. Für ihn aber war sofort klar, dass das Flugzeug wieder fliegen soll. Untersuchungen am Material zeigten, dass zwar Teile ersetzt und Schäden repariert werden müssen – die Spalinger S18 ansonsten aber «in einem verhältnismässig guten Zustand war», wie Martin sagt.

Gemeinsam mit Kollegen holte er den Segler unter dem Hangar-Dach hervor. Danach wurde er komplett auseinandergebaut. In der Garage seines Wohnhauses in Wegenstetten reinigte, flickte und bastelte Martin fortan am Segler, baute unter anderem moderne Instrumente ein und bespannte die Flügel neu. Mehrere Segelflugkollegen unterstützten ihn dabei tatkräftig.

Grünes Licht vom Bundesamt für den zweiten Erstflug

Es gibt am Segelflugzeug kein Teil, das Patrick Martin nicht kennen würde. «Vielleicht das Innenleben des Funkgeräts. Das habe ich schliesslich fertig eingebaut», scherzt er. 15 000 Franken steckte er in die Restauration, einen Zustupf erhielt er aus einer Spendenaktion in der Fluggruppe. Die monatelange Arbeit hat sich gelohnt: Vor einigen Wochen hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt – es begleitete die Restauration – den Segler überprüft und grünes Licht für einen Probeflug gegeben. Auch dieser ist geglückt. Am Samstag um 15 Uhr findet auf dem Flugplatz in Schupfart nun der offizielle zweite Erstflug der Spalinger S18 statt.

«Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, in diesem Segler zu sitzen», sagt Patrick Martin. Die Spalinger S18 galt zu ihrer Zeit als Spitzensegler und beherrschte die Schweizer Wettbewerbe. Mit den modernen Segelflugzeugen kann sie natürlich nicht mithalten. Mit einer Ausnahme: «Schwache Aufwinde kann sie dank ihrer geringen Geschwindigkeit besser nutzen», sagt Martin und der Stolz ist ihm anzuhören. Dem über 80-jährigen Flugzeug ein zweites Leben zu schenken – es war eine Aufgabe, die einen langen Atem braucht. Genau das Richtige also für einen wie Patrick Martin.