Ab Schuljahr 2020/21 wird der «Aargauer Lehrplan Volksschule» gestaffelt vom Kindergarten bis zur Oberstufe eingeführt. In einer Weiterbildung in Laufenburg beschäftigten sich rund 100 Lehrpersonen mit dessen Inhalten und Zielen. «Bildung geht weiter – nicht nur heute, auch morgen», so die einleitenden Worte von Philipp Hossli, Gesamtschulleiter der Kreisschule Regio Laufenburg bei der Impulsveranstaltung, an der nicht nur Lehrpersonen der Kreisschule teilnahmen, sondern auch der Primarschulen Laufenburg und Gansingen. Bei der ganztägigen Weiterbildung, die sowohl im Plenum als auch in diversen Gruppenarbeiten abgehalten wurde, ging es nicht nur um den Lehrplan 21, sondern auch um die «Aargauer Spezialitäten».

Der Lehrplan 21 soll zu einer Harmonisierung der Bildungsziele unter den 21 Deutschschweizer Kantonen beitragen und gleichzeitig zu Anpassungen bei der Art des Lehrens und Lernens führen. Weg vom Frontalunterricht, hin zu kompetenzorientiertem Lernen.

Verschiedene Kompetenzen

Hier stehen die Kompetenzbegriffe «Wissen», also die Fähigkeiten, «Können» (Fertigkeiten) und «Wollen» (Bereitschaft) im Mittelpunkt. Neben der fachlichen Kompetenz wird auch besonderer Wert auf die überfachlichen Kompetenzen der Lernenden gelegt, auf soziale Kompetenz, personale Kompetenz und methodische Kompetenz. Doch was heisst kompetenzorientiert lernen, fördern und beurteilen konkret für die Lehrpersonen? Dieser Frage ging Jörg Giacomuzzi, Dozent für Pädagogik, gemeinsam mit den Lehrpersonen in Präsentationen, Workshops und Panels auf den Grund.

Der Regierungsrat des Kantons Aargau hat einige aargauspezifische Anpassungen am Deutschschweizer Lehrplan 21 vorgenommen, die insbesondere die Fächer «Musik», «Natur, Mensch, Gesellschaft» und «Politische Bildung» betreffen. Mit dem Schuljahr 2020/21 wird neu das Fach und Modul «Medien und Informatik» eingeführt (5. und 6. Primar, 1. und 3. Oberstufe). Als einziger Kanton in der Deutschschweiz führt der Aargau im dritten Oberstufenjahr das Fach «Politische Bildung» für alle Schülerinnen und Schüler ein, womit das Verständnis der politischen Zusammenhänge und Prozesse gefördert werden soll. Neu ist auch an allen zweiten Klassen der Oberstufe eine Wochenstunde für die «Berufliche Orientierung» eingesetzt.

Fachbereiche statt Fächer

Ab 2020 müssen auch die Eltern umlernen, wenn sie ihre Kinder nach bestimmten Fächern befragen möchten: «Natur und Technik» (mit Physik, Chemie, Biologie), «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» (mit Hauswirtschaft), «Räume, Zeiten, Gesellschaften» (mit Geografie und Geschichte) und «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» (mit Lebenskunde) sind die neuen Fachbezeichnungen an der Oberstufe. Die Schulen entscheiden, ob eine einzelne Lehrperson jeweils den ganzen Fachbereich erteilt oder ob sich mehrere Lehrpersonen den Fachbereich als einzelne Fächer aufteilen.

Im Kindergarten soll weiterhin die ganzheitliche Entwicklung und das vorfachliche Lernen der Kinder im Mittelpunkt stehen, hier bleibt die Gesamtstundenzahl unverändert. An der Primarschule und an der Oberstufe wird die Anzahl der Pflichtlektionen angehoben, vor allem an der Realschule, womit ermöglicht werden soll, dass die Bildungsziele auf allen Stufen und in allen Leistungszügen erreicht werden können. Insgesamt liegt der Kanton Aargau allerdings mit der Pflichtstundenzahl weiterhin unter dem Durchschnitt aller Deutschschweizer Kantone.

Die interaktive Impulsveranstaltung in Laufenburg bildete den Auftakt einer Weiterbildungsreihe der Lehrpersonen. Um dem erhöhten Weiterbildungsbedarf in Zusammenhang mit der Einführung des neuen Aargauer Lehrplans für die Volksschule gerecht zu werden, stehen während der Umsetzungszeit in den Schuljahren 2018/19 bis 2020/21 insgesamt vier «schulfreie Weiterbildungstage Einführung Aargauer Lehrplan Volksschule» pro Schule zur Verfügung. Der neue Lehrplan wird alle Beteiligten – nicht nur die Lehrenden und Lernenden, sondern auch die Eltern – in den nächsten Monaten und Jahren noch intensiver beschäftigen. (az)