Stein/Säckingen
Das Abwasser fliesst über den Rhein, das reine Wasser in den Rhein

Die Abwasserbeseitigung leistet viel, wie Teilnehmer einer Führung durch die Kläranlage erfuhren.

Hans Christof Wagner
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Gerald Lechner, stellvertretender Betriebsleiter der Kläranlage, verdeutlichte mit Versuchen die chemischen Prozesse bei der Wasserreinigung. hcw

Gerald Lechner, stellvertretender Betriebsleiter der Kläranlage, verdeutlichte mit Versuchen die chemischen Prozesse bei der Wasserreinigung. hcw

Dass Schweizer Bürger ennet der Grenze beobachten, wie ihr Abwasser gereinigt wird, ist eine Besonderheit im mittleren Fricktal. Seit 1979, dem Jahr des Baus der Fridolinsbrücke, leiten die Gemeinden Stein und Münchwilen ihre schmutzige Fracht über den Rhein nach Bad Säckingen, wo eine zuvor erbaute Kläranlage eine zu geringe Auslastung verzeichnete.

Die Gründe für diesen «Abwasserexport» liegen im Strukturwandel in der Industrie auf badischer Seite. Textilbetriebe waren abgewandert und leiteten folglich auch kein Abwasser mehr ein. Im Jahr 1996 kamen dann noch die Gemeinden Eiken und Sisseln hinzu. Heute ist die immer wieder erweiterte und modernisierte Kläranlage zu rund 90 Prozent ausgelastet. Diese Auslastung braucht es, um den Wirkungsgrad der Reinigung hoch zu halten.

Interessierte Schweizer Besucher

Der Betriebsleiter der Anlage, Bernd Frenzel, zeigte den überwiegend aus der Schweiz kommenden Besuchern anlässlich des grenzüberschreitenden Abwassertags auf, was Abwasserbehandlung heutzutage bedeutet. «Wir sind hier wie in einem Industrieunternehmen 365 Tage im Jahr in Betrieb», sagte er. Mit 4000 Kilowattstunden pro Tag – etwa so viel wie ein Einfamilienhaus im Jahr – ist der Stromverbrauch der Einrichtung immens. Gleichzeitig werden durch die Verbrennung von Faulgas in einem Blockheizkraftwerk aber auch Strom und Wärme erzeugt.

Jedes Jahr landen 3,6 Millionen Kubikmeter Abwasser in der Bad Säckinger Anlage, davon stammen 1,4 Millionen aus der Schweiz. Aktuell zahlt der Abwasserverband Stein, Münchwilen, Eiken und Sisseln (SMES) rund 47 Prozent der Betriebs- und Investitionskosten. Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Menge der eingeleiteten Schmutzstoffe. Diese wird jährlich viermal aufs Neue gemessen. Tragen müssen die Kosten die vier Verbandsgemeinden und die Unternehmen Novartis und Syngenta, die ebenfalls einleiten.

Besichtigungstour in Stein

Gerald Lechner, stellvertretender Betriebsleiter der Kläranlage, führte die Besucher am Samstag herum. Er verdeutlichte die verschiedenen Reinigungsstufen und welchen Weg das Wasser nimmt, bis es klar und rein in den Rhein fliessen kann. Die Besichtigungstour ging in Stein weiter, wo SMES-Präsident und Steins Vizeammann Walter Zumstein der Gruppe das an der Schaffhauserstrasse liegende Pumpwerk zeigte. Das aus den Verbandsgemeinden kommende Abwasser wird dort gesammelt und in einem Kanal über den Rhein befördert.