Wie ein ASE-Kunde der az erklärt, hat alles beim Private-Banking-Ableger der Basler Kantonalbank in Zürich angefangen. Über ein komplexes Kontokonstrukt tätigte ASE dort Devisengeschäfte. Gemäss den Ausführungen des ASE-Kunden haben die beiden Direktoren von ASE – es gilt die Unschuldsvermutung – in einem zweiten Schritt die Konten in einen Fonds namens Quanto Strategic Currency Fund verpackt. Auf der Finanzinformationsplattform Bloomberg wird der Fondszweck wie folgt umschrieben: «Der Fonds investiert in ‹Managed Accounts›, deren Investmentmanager mit einem diversifizierten Wertschriftenportfolio systematisch handeln.»

Der Wechsel zum Fonds kam an. «Ich begrüsste die Fondsstruktur, weil sie ein Investment grundsätzlich sicherer macht», sagt der ASE-Kunde. Im Prinzip stimmt das, denn Fondsvermögen sind sogenannte Sondervermögen, die bei Insolvenz einer involvierten Stelle nicht in deren Konkursmassen fallen. Zudem haben Fonds eine eigene Revisionsstelle und einen externen Administrator, der den Wert des Fonds und der einzelnen Anteilsscheine unabhängig vom Fondsmanagement berechnen muss.

Der Fonds wurde weitherum bekannt. Zahlreiche unabhängige Vermögensverwalter haben gemäss az-Recherchen für ihre Kunden in den Fonds investiert. Und auch institutionelle Anleger haben Anlagen getätigt – etwa eine der az bekannte liechtensteinische Fondsgesellschaft, die auf Anfrage aber betont, sich von den Anteilen wieder getrennt zu haben.

Schweizer Banken als Depotstellen

Umso vertrauenswürdiger musste das Anlagevehikel in unseren Breitengraden erscheinen, als die Depotstelle (Custodian) des Fonds zunächst die Swissfirst Bank war. Mit dem Verkauf eines Teils von Swissfirst an die Luzerner Kantonalbank (LUKB) wechselte die Depotstelle offenbar nach Luzern. Und so wird auch auf den neueren Fonds-Faktenblättern die LUKB als «Depotbank» aufgeführt.

Doch der Schein trügte ganz offensichtlich. «Wir wissen heute nicht, wo unser investiertes Geld geblieben ist», sagt der ASE-Kunde. Gemäss Bloomberg betrug der Nettoinventarwert des Fonds Ende Januar 2012 130 Millionen Franken, wobei allerdings nur noch 61,2 Millionen Franken als Vermögenswerte vorhanden waren.

Wie die Differenz zustande kommt, müsste eigentlich der Fondsadministrator erklären können. In diesem Fall handelt es sich um die Firma Helvetic Fund Administration auf Gibraltar. Zwei E-Mail-Anfragen der az blieben aber unbeantwortet. Genauso unbeantwortet blieb die Anfrage beim Fondsmanagement, das sich offiziell auf dem bekannten Offshore-Finanzplatz der Cayman Islands befindet. Eine Anfrage beim Handelsregisteramt der Cayman Islands ergab schliesslich, dass es sich bei der offiziellen Adresse der Quanto Strategic Currency Fund Ltd. in Grand Cayman bloss um eine Briefkastenfirma handelt. Wie es in solchen Fällen oft der Fall ist, ist der Ansprechpartner eine Rechtsanwaltskanzlei. Doch auch hier erfährt man nicht Konkretes zum Fonds.

Schaltzentrale im Hinterzimmer

Das Schweizer Hedgefonds-Verzeichnis vom Lausanner Anlageberater QMS Advisors ergibt dann schliesslich, dass der Fonds von Hellikon im Kanton Aargau aus gemanagt wird. Hellikon ist auch der Wohnsitz eines der beiden Direktoren von ASE Investment. «Offensichtlich wurde des Direktors Hinterzimmer zur Hedgefund-Schaltzentrale umfunktioniert», sagte eine in den Fall involvierte Person.

Aber auch in der Gemeinde in der Nähe von Frick, die im vergangenen Jahr wegen grosser Löcher im Boden für Schlagzeilen gesorgt hatte, ist an der Wohnadresse des ASE-Direktors nichts über den Verbleib der Gelder zu erfahren.

Ein ehemaliger Mitarbeiter der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK), die vor der Finanzmarktaufsicht (Finma) für ähnlich gelagerte Fälle verantwortlich war, erinnern die Umstände an ältere Fälle. «Bei zwielichtigen Fonds sind oft Offshore-Finanzzentren mit einem wasserdichten Bankgeheimnis involviert», so der Ex-EBK-Mann, der anonym bleiben will. Die Untersuchungen versandeten dann oft, weil die Strafuntersuchungsbehörden wegen des Bankgeheimnisses nicht weiter kamen. Für ASE-Kunden ist ein solches Ende nicht zu wünschen.