Fricktal
Dank Mike Müller? Echte Bestatter erhalten viele Bewerbungen

Jede Woche erhält das Bestattungsunternehmen Biaggi in Gipf-Oberfrick Blindbewerbungen und Anfragen für Praktika. Der Beruf des Bestatters ist in aller Munde. Berto Biaggi erkennt auch Parallelen in der Serie zu seinem Alltag.

Nadine Pfeifer
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Luc Conrad (Mike Müller) macht den Tod salonfähig.

Luc Conrad (Mike Müller) macht den Tod salonfähig.

SRF/Sava Hlavacek

Gestern wurde auf SRF 1 die letzte Folge der dritten Staffel vom «Der Bestatter» ausgestrahlt. Die Serie hat wesentlich dazu beigetragen, den Beruf salonfähig zu machen. Auch Berto Biaggi, Geschäftsführer des Bestattungsunternehmen Biaggi, ist ein grosser Fan: «Ich habe keine Folge von ‹Der Bestatter› verpasst.» Die Serie bewegt die Leute, man redet vermehrt über den Tod und die notwendigen Massnahmen nach dem Tod eines Angehörigen. Biaggi sagt: «Jede Woche werden wir von Organisationen wie der Spitex oder der Feuerwehr angefragt, ob wir auch Vorträge halten.»

Genauso häufig erreichen ihn Bewerbungen von Leuten, die am Beruf des Bestatters interessiert sind. Junge Leute, die sich um ein Praktikum bemühen, finden sich ebenso wie Blindbewerbungen darunter. Das Interesse am Beruf ist jedoch schon länger gross. Andreas Billeter vom Bestattungsunternehmen Ahorn in Rheinfelden sagt: «Es gibt immer viel mehr Bewerber, als wir wirklich anstellen können.» Auch Biaggi beobachtet das Interesse seit längerem: «Das Interesse ist gross. Schon die amerikanische Serie ‹Six Feet Under› hateinen Trend ausgelöst.»

Lebenserfahrung und Fitness

Unter den Bewerbern sind aber auch viele, die falsche Erwartungen vom Berufsalltag haben. «Sehr viele Leute aus der Pflege und Frauen mittleren Alters bewerben sich, zum Beispiel nach einem Todesfall in der Familie», erklärt Berto Biaggi. Diesen Bewerbern ist häufig nicht klar, dass die Betreuung der Angehörigen nur ein Teil der Arbeit ist. Unangenehme Situationen wie Unfälle mit Toten gehören ebenfalls zum Berufsalltag. Weiter ergänzt Biaggi: «Der Job ist auch körperlich anstrengend. Nicht alle Toten sind bloss 50 Kilogramm schwer und starben im Erdgeschoss.» Mindestens 25 Jahre alt sollten Bewerber in seinen Augen sein. «Eine gewisse Lebenserfahrung ist wichtig, um authentisch zu sein. Ein Angehöriger möchte kaum von einem Teenager beraten werden.»

Dem Wahnsinn nah: Martin Ostermeier als Dr. Alois Semmelweis (l.) und Reto Stalder als Fabio Testi (r.).
10 Bilder
Ein toter Bestatter? Mike Müller als Luc Conrad (liegend) und Urs Jucker als Heinz Plattner (stehend).
«Asche zu Asche»: Die letzte Folge der dritten «Bestatter»-Staffel
Verfolgungsjagd: Reto Stalder als Fabio Testi.
Zu allem bereit: Martin Ostermeier als Dr. Alois Semmelweis.
Loyal bis zuletzt: Reto Stalder als Fabio Testi.
Jäger und Opfer gleichzeitig: Mike Müller als Luc Conrad.
Das Fritten-Orakel: Reto Stalder als Fabio Testi (l.) und Mike Müller als Luc Conrad (r.).
Zwischen den Fronten: Samuel Streiff als Reto Doerig und Barbara Terpoorten als Anna-Maria Giovanoli.
Es war Mord: Barbara Terpoorten (Anna-Maria Giovanoli), Mike Müller (Luc Conrad), Samuel Streiff (Reto Doerig)

Dem Wahnsinn nah: Martin Ostermeier als Dr. Alois Semmelweis (l.) und Reto Stalder als Fabio Testi (r.).

SRF/Sava Hlavacek

Berto Biaggi gibt zwar zu, dass der Alltag von Bestatter Luc Conrad (gespielt von Mike Müller) etwas aufgemotzt wird, um den Krimi spannend zu machen. Während in der Serie ausschliesslich sogenannte «aussergewöhnliche Todesfälle» behandelt werden, wird er pro Jahr nur zu etwa zehn solchen gerufen. Dass tatsächlich ein Verbrechen aufgeklärt wird, erlebt er ungefähr alle zwei Jahre. Aber er erkennt auch Parallelen zu seinem Alltag. «Der Kontakt zu den Angehörigen ist tatsächlich sehr eng. Wir haben auch schon ähnliche Situationen erlebt wie bei dem Jungen, der in der Folge vor zwei Wochen seine tote Mutter nicht losgelassen hat.»

Klare Aufgabenverteilung

Allerdings mischt er sich als Bestatter natürlich nicht in die Ermittlungen der Polizei ein. Man kennt sich zwar, hat diverse bewegende Situationen gemeinsam erlebt, unschöne Bilder gesehen und weiss, sich gegenseitig zu schätzen. Aber so eng wie Luc Conrad in der Serie steht Berto Biaggi der Polizei im wirklichen Alltag nicht. Er erklärt: «Sie sind vor allem froh, wenn wir uns um die Familie und den Toten kümmern.»