«Yeah! So cool!» Petra*, 11, kann es kaum fassen, hält sich die Hände vors Gesicht, schaut ungläubig zum Reporter. Wie vor einer Woche sitzen wir am Esstisch der einfachen, spartanisch eingerichteten Wohnung in einem Dorf im Fricktal.

Damals erzählten Petra und ihre Mutter Tanja*, wie es ist, mit wenig Geld leben zu müssen, wie es ist, wenn der Monat mehr Tage als Geld hat, wie es ist, wenn man dem eigenen Kind viele Wünsche – auch einfache – nicht erfüllen kann. «Das schmerzt schon», sagte Tanja zur az.

Unterkriegen lässt sich die 32-Jährige, die im achten Monat schwanger ist, nicht. «Es sind schon viele kleine Wunder passiert», sagt sie. Für eines ist die Oma von Petra zuständig: Sie bezahlt der Enkelin die Jahresgebühr des Fussballclubs.

Denn Fussball ist die ganz grosse Leidenschaft der Elfjährigen. Sie spielt bei den Juniorinnen in der Region, ist da im Sturm für die Tore zuständig. Und Petra, deren Idol Neymar vom FC Barcelona ist, hat einen grossen Traum: «Ich möchte Fussballprofi werden.» Aber der Weg dahin, das weiss sie, kostet viel. «Und das können wir uns nicht leisten, oder, Mama?»

Es kommt, wie es muss

Die Mutter, die eben erzählt hat, dass der Glaube ihr schon über viele schwere Momente hinweggeholfen habe, lächelt, schaut liebevoll zur Tochter und sagt: «Wenn es dein Weg ist, kommt einer und entdeckt dich», sagt sie. «Denn es kommt immer, wie es muss.»

Grosser Klub bietet seine Hilfe an

Ein «kleines Wunder», wie es Tanja nennt, erreichte die az-Redaktion gestern per Mail. Ein Schweizer Traditionsklub, der namentlich nicht genannt sein will, bietet seine Hilfe an. «Wie, ist völlig offen», sagt der Junioren-Verantwortliche.

Er kann sich vorstellen, dass sein Klub Trainingskleider zur Verfügung stellt oder Petra an einem Match oder einem Training der ersten Mannschaft teilnimmt. «Aber auch ein Coaching oder sogar eine Aufnahme ins Team sind möglich», sagt er. Der Klub will sich in den nächsten Tagen mit der Familie in Verbindung setzen.

Grosse Solidaritätswelle

Petra ist noch immer hin und weg, wie sie von ihrem Fussball-Glück erfährt. «Und ich sehe die echten Spieler?», fragt sie nach und auf ein «Ja» macht sie einen Hüpfer auf dem Stuhl, zeigt in den Gang, wo ihre Fussballschuhe liegen. «Die sind mir ohnehin schon zu klein», sagt sie dann. «Ich werde sie mitnehmen und alle Spieler darauf unterschreiben lassen.»

Mutter Tanja ist gerührt – auch wegen der Solidaritätswelle, die der az-Artikel ausgelöst hat. Im Internet wurde der Artikel Tausende Male angeklickt, auf Facebook 49-mal gelikt und 34-mal geteilt. In den Kommentarspalten brachten viele ihr Mitgefühl zum Ausdruck, ihre Wut auch, dass es Armut in der reichen Schweiz überhaupt gibt. «Ein trauriges Thema, das mich auch sehr emotional berührt», schreibt Mimi.

Und die Facebook-Gemeinde will helfen: «Die Familie kann sich bei mir melden», tippt Sonja in die Kommentarspalte und mehrere doppeln nach: «Bei mir auch.» Judith fasst es treffend zusammen: «Ich finde es so schön, dass es so viele Menschen gibt, die empathiefähig sind und helfen möchten. Toll, man sollte sich wirklich viel mehr um die Armut in der Schweiz kümmern!»

Tanja lächelt verlegen, als die az ihr den Stapel mit Hilfsangeboten übergibt. «Das hätte ich nie erwartet», sagt sie. «Ich bin überwältigt.»

*Alle Namen geändert