Fricktal
Damit der Wirtschaftsmotor brummt, braucht es regelmässige Wartung

Das Fricktal ist die drittstärkste Wirtschaftsregion der Schweiz. Damit das so bleibt, braucht es Standortförderung – nicht nur für neue Unternehmen.

Thomas Wehrli
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Dank der Pharmaindustrie ist das Fricktal die drittbeste Wirtschaftsregion der Schweiz. Archiv/André Albrecht

Dank der Pharmaindustrie ist das Fricktal die drittbeste Wirtschaftsregion der Schweiz. Archiv/André Albrecht

Andre Albrecht

Die Zahlen stimmen zuversichtlich. Das Fricktal ist die drittstärkste Wirtschaftsregion der Schweiz, bilanzierte die NAB-Regionalstudie jüngst. Die Wertschöpfung liegt danach bei 200 000 Franken pro Beschäftigtem – das sind fast 40 000 Franken mehr als im Schweizer Schnitt. Dank der Pharmaindustrie trocknet das Fricktal so prominente Wirtschaftsregionen wie Zürich und Genf ab. «Das Fricktal ist spitze», fasste es die NAB in ihrer Medienmittelung zur Studie zusammen.

Spitze. Das findet auch Christian Fricker, Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio. «Wir sind die am meisten boomende Wirtschaftsregion des Kantons», freut er sich. Er mahnt aber gleichzeitig: Sich auf den Lorbeeren auszuruhen, wäre kurzsichtig. «Wir müssen den Standort weiter stärken.» Das will Fricktal Regio mit dem Aufbau einer regionalen Standortförderungsstelle tun.

Gemeinden sind gefordert

Gefordert sind aber auch die Gemeinden. «Es braucht bei allen Gemeinden jemanden, der die Verbindung zwischen den Behörden und den Unternehmen herstellt», sagt Hansueli Bühler, Gemeindeammann von Stein. Dabei gelte es nicht nur, Interessenten mögliche Areale zu vermitteln, sondern auch, die ansässigen Unternehmen zu pflegen. «Das wird leider oft etwas vernachlässigt», weiss Bühler. Das sei gefährlich, denn: «Die Pflege der ansässigen Firmen ist mindestens so wichtig wie die Akquirierung neuer Unternehmen.»

Eine eigene Wirtschaftsförderungsstelle können sich kleinere Gemeinden aber nicht leisten. «Das macht auch keinen Sinn. Hier braucht es ein regionales Denken», fordert Bühler. Die Koordinationsfunktion könne in kleineren Gemeinden der Gemeindeammann oder der Gemeindeschreiber übernehmen; in Stein ist es Bühler. «Als Gemeindeammann habe ich einen guten Überblick, was wo läuft und wo allenfalls ein Areal frei wird.»

Grössere Gemeinden holen sich dagegen oft externe Unterstützung. Für Rheinfelden amtete bislang Rolf Zimmermann als Wirtschaftsförderer; nach 15 Jahren gab er sein Mandat vor kurzem aus gesundheitlichen Gründen ab. Wie und von wem die Wirtschaftsförderung künftig wahrgenommen wird, wird laut Daniel Vulliamy, Leiter Stadtmarketing, nun geprüft. «In den nächsten Monaten soll die Zusammenarbeit mit Organisationen mit demselben Zweck geklärt werden», so Vulliamy.

Auch die Schnittstelle zwischen Stadt und Region – der Planungsverband hat im letzten Herbst ein Projekt gestartet – soll geklärt werden. «Eine regionale Lösung würde den Wirkungsbereich auf die ganze Region ausdehnen», findet Vulliamy. Provisorisch wird die Aufgabe von Zimmermann in sein Portfolio integriert.

Klar ist: Der Stadtrat wird der Wirtschaftsförderung auch in Zukunft eine grosse Bedeutung zumessen. «Es ist wichtig, dass Firmen, die in Rheinfelden sind oder solche, die sich hier niederlassen wollen, bei Standortfragen beraten und unterstützt werden und ihnen die richtigen Kontakte vermittelt werden können», so Vulliamy.

Stadt profitiert von Steuern

Das Engagement der Stadt ist dabei nicht uneigennützig. «Ein Standort mit einer wachsenden Anzahl Firmen bietet mehr Arbeitsplätze vor Ort und ergibt Steueraufkommen», so Vulliamy. In Rheinfelden funktioniert das gut; zwischen 2011 und 2014 hat die Zahl der Arbeitsplätze um fast vier Prozent pro Jahr zugenommen. Allerdings: «Seit einigen Jahren haben sich die Anfragen von Interessenten verringert», sagt Vulliamy. Er führt dies auf die Wirtschaftslage und die im Vergleich zu früher unsichereren Rahmenbedingungen in der Schweiz zurück.

Was schon Bühler feststellte, bestätigt Vulliamy: Dem Gemeindeammann – oder im Fall von Rheinfelden: dem Stadtoberhaupt kommt bei der Wirtschaftsförderung eine wichtige Aufgabe zu. Der Stadtammann sei durch seine Tätigkeit in engem Kontakt mit zahlreichen Unternehmen in Rheinfelden. Zudem «weiss er von vielen künftigen Projekten und kann deshalb vernetzten, wo es sinnvoll und nötig ist», sagt Vulliamy. In Rheinfelden ist die Wirtschaftsförderung denn auch beim Stadtammann-Amt angesiedelt.

Der Prognose von Christian Fricker, dass dem Wirtschaftsstandort Fricktal eine gute Zukunft beschert ist, schliesst sich Vulliamy für Rheinfelden an: «Aufgrund der Entwicklung in den letzten Jahren und aufgrund der noch vorhandenen Flächenpotenziale lautet die Prognose für Rheinfelden als Arbeitsort: positiv!»

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