Rheinfelden
Damit beim Brand keiner auf den Schlauch tritt

Für den Brandfall wird im Aargau nichts dem Zufall überlassen. Diese Woche wurden in Rheinfelden 26 Feuerwehrleute zu Offizieren ausgebildet. Durchgespielt wurden alle nur erdenklichen Szenarien.

Ralph Stamm
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«Was, wenn die Rheinfelder Stadtbibliothek brennt?» Kursinstruktor Dani Füglistaller in einer Einsatzübung mit den Offiziersaspiranten.ras

«Was, wenn die Rheinfelder Stadtbibliothek brennt?» Kursinstruktor Dani Füglistaller in einer Einsatzübung mit den Offiziersaspiranten.ras

Wer kennt es nicht, das Lied vom Löschzugchörli Interlaken: «Mer send vo der Füürwehr, sesch en alte Bruuch – emmer wenn mer lösche sett, steit eine of de Schluuch.» Was im Lied lustig daherkommt, soll in Realität verhindert werden. Zu diesem Zweck wurden in Rheinfelden diese Woche im Auftrag der Aargauischen Gebäudeversicherung 26 Feuerwehr-Gruppenführer zu Feuerwehroffizieren ausgebildet.

In über 30 Gebäuden – von Altstadthäusern bis zu Lagerhallen – lernten die Feuerwehrleute verschiedene Räume brandtechnisch zu beurteilen. Kurskommandant Adrian Gysi dankte im Rahmen der gestrigen Pressekonferenz allen Hausbesitzern, die ihre Häuser zu Übungszwecken zur Verfügung gestellt haben. «Wir sind ihnen vom Keller bis ins Schlafzimmer überall durchmarschiert.»

Dies alles diente vor allem einem Zweck: Feuerwehroffiziere müssen die Situation im Brandfall möglichst schnell erfassen können. Darum ging es auch im Szenario Stadtbibliothek mit Instruktor Dani Füglistaller. Die Offiziersaspiranten orientierten sich anhand einer Checkliste: Sind genügend Einsatzkräfte vor Ort? Befinden sich noch Personen im Gebäude? In welcher Richtung zieht der Wind?

Jedes Gebäude ist anders

Immer müssen auch die Eigenheiten eines Gebäudes mitberücksichtigt werden. Füglistaller zufolge biete ein Chalet andere Herausforderungen als ein Hochhaus und dieses nochmals andere als ein Tunnelbrand. Im Fall der Stadtbibliothek seien die Besonderheiten etwa, dass die Bücherregale die Sicht verstellen, weshalb nicht sofort erfasst werden könne, wie viele Personen sich im Gebäude befinden. «Unsere Offiziere brauchen deshalb eine gute Vorstellungskraft.»

Welche Prioritäten im Brandfall zu setzen sind, brachte der kantonale Feuerwehrinspektor Urs Ribi in vier Worten auf den Punkt: «Mensch, Tier, Sachwert, Umwelt». Anders formuliert: Sind im oberen Stock noch Personen eingeschlossen, sollte sich die Feuerwehr nicht bereits im Erdgeschoss um die Rettung allfälliger Picassobilder kümmern. Oder umgekehrt: Ist das Feuer bereits gelöscht und alles gerettet, was zu retten ist, muss zwingend auch verhindert werden, dass der Löschschaum einen nahen Bach verschmutzt. Der wichtigste Grundsatz sei allerdings, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Darum gehöre zur Schulung der Offiziere auch immer die Frage, wie offensiv beim Löschen eines Brandes vorgegangen werden soll.

Rund um die Uhr auf Abruf

Die Erfahrung allein macht noch keine guten Offiziere. Ebenso wichtig sei deren Motivation, sagt Kursadjutant Rainer Porschien. «Alle Erfahrung nützt nichts, wenn ein Offizier bei der Alarmauslösung nachts um drei entscheidet, so zu tun als hätte er nichts gehört und einfach weiterschläft.» Leider sei die Bereitschaft dazu nicht mehr so gross, wie noch vor einigen Jahren, so Feuerwehrinspektor Urs Ribi.

Für die Schwierigkeiten in der Nachwuchs-Rekrutierung ist auch die moderne Arbeitswelt mitverantwortlich. «Es ist klar, dass ein Busfahrer seinen Bus nicht auf der Stelle stehen lassen kann, um einen Brand löschen zu gehen», gab etwa Kurskommandant-Stellvertreter Martin Tschanz zu bedenken. «Wie ist es aber mit einer einfachen Sitzung? Darf ein Angestellter beim Alarm die Sitzung einfach verlassen?» Arbeitgeber seien zwar gesetzlich verpflichtet, ihre Angestellten bei eingehendem Alarm ziehen zu lassen. Gerade deshalb sei ihre Bereitschaft allerdings nicht immer gross, Leute anzustellen, die sich auch in der Feuerwehr engagieren wollten.

Zum Glück hat sich der Personalbedarf der Feuerwehren in den letzten zehn Jahren reduziert. Wegen zahlreicher Fusionen sind im Aargau gesamthaft nur noch 11500 Feuerwehrleute im Einsatz. Vor zehn Jahren es noch 18000. Positiv stimmt Feuerwehrinspektor Urs Ribi derweil der zunehmende Frauenanteil. Im Aargau beträgt dieser zurzeit 13 Prozent.