Pandemie
25-jährige Bäuerin sagt, was viele Aargauer nach einem Jahr Corona denken: «Eine gewisse Frustration macht sich breit»

Wie kommen junge Fricktalerinnen und Fricktaler durch die Coronakrise? Sie sind, wie alle, coronamüde, sagt Petra Schmid aus Herznach. Die 25-Jährige selber fühlt sich als Landwirtin bei der Arbeit privilegiert, vermisst aber ebenso wie alle unbeschwerte Abende. Und: «Als Turnerin hoffe ich auf baldige Wettkämpfe.»

Thomas Wehrli
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Petra Schmid, 25, hat 2019 den Hof der Eltern in Herznach übernommen.

Petra Schmid, 25, hat 2019 den Hof der Eltern in Herznach übernommen.

zvg

Ein Wort hört man bei älteren wie jüngeren Fricktalern derzeit gleichermassen oft: coronamüde. Auch Petra Schmid, 25, geht es nicht anders. Als Landwirtin war sie zwar von den Massnahmen bei der Arbeit weniger als andere betroffen. Aber auch die Jungpolitikerin aus Herznach – Schmid ist Mitglied bei der Jungen Mitte Aargau – vermisst unbeschwerte Abende in einer Bar, an einem Open Air oder einem Konzert. Und: «Als Turnerin hoffe ich natürlich auch auf baldige Wettkämpfe und Trainings wie vor der Coronapandemie.»

Hat die Coronakrise aus Ihrer Warte junge Menschen vermehrt politisiert?

Petra Schmid: Durch die Pandemie kamen allgemein viele Leute wieder vermehrt in Kontakt mit der Politik. Die Bundesratsentscheide haben auf jede und jeden eine persönliche Auswirkung. Ob die Menschen sich durch dies auch nach Corona längerfristig mehr mit der Politik befassen, finde ich schwierig einzuschätzen.

Wie erleben Sie dies in der eigenen Partei?

Die Junge Mitte Schweiz hat im letzten Jahr mehr neue Mitglieder gewinnen können als in den Vorjahren. Dies kann an Corona und/oder am Namenswechsel von CVP auf die Mitte liegen. Für mich als Grossratskandidatin waren die Einschränkungen durch Corona politisch gesehen eher negativ, es fanden nur wenige Anlässe statt, so kam ich wenig in Kontakt mit Gleichgesinnten oder Interessierten.

Petra Schmid kandidierte im letzten Jahr für die CVP für den Grossen Rat.

Petra Schmid kandidierte im letzten Jahr für die CVP für den Grossen Rat.

Zvg / Aargauer Zeitung

Wie erleben Sie gleichaltrige Menschen in der Pandemie?

Ich denke, hier geht es allen Leuten aller Altersgruppen gleich: Sie sind coronamüde. Mittlerweile macht sich schon eine gewisse Frustration breit. Speziell schlimm ist es für Jugendliche und Kinder, die mit Personen aus den Risikogruppen zusammenwohnen und diese auf keinen Fall anstecken möchten. Allgemein können viele gleichaltrige Menschen die Einschränkungen nicht nachvollziehen und fühlen sich ihrer Freiheit beraubt.

Was fehlt den Jungen aktuell am meisten?

Was junge Menschen gerne machen: Festen, Feiern, Freunde treffen … Der Freundeskreis wird eingeschränkt, es ist schwierig, neue Kontakte zu knüpfen. Junge Leute haben tendenziell einen grösseren Bewegungsdrang und möchten etwas erleben. Schwierig ist es für alle, die in einer Lehre sind und den normalen Praxisalltag nicht richtig erlernen können, wie beispielsweise in der Gastronomie.

Was vermissen Sie selber?

Zuerst möchte ich sagen, dass ich mich zu jeder Zeit sehr privilegiert gefühlt habe. Bei meiner Arbeit als Landwirtin war ich kaum von den Massnahmen betroffen. Auf dem Land und speziell auf dem Hof hat man genug Bewegungsraum. Am meisten vermisse ich unbeschwerte Abende in einer Bar, an einem Konzert oder Open Air. Als Turnerin hoffe ich natürlich auch auf baldige Wettkämpfe und Trainings wie vor der Coronapandemie.

Man hört immer wieder einmal: Die Jugend verpasst durch den Lockdown wichtige Zeiten der Freiheit. Stimmen Sie diesem Befund zu?

Highlights aus meiner Kindheit wie das Schneesportlager, Jugendsporttage, Ferienspass etc. wurden abgesagt – solche Erlebnisse fehlen heute definitiv. Während der Teenagerzeit beginnt man sich allmählich vom Elternhaus abzunabeln, und Freunde sind während dieser Zeit wichtiger denn je. Nun mussten viele junge Menschen Homeschooling machen, Lager wurden abgesagt, man konnte nicht in den Ausgang – so verpassen sie schon eine wichtige Zeit der Freiheit.

Für wie wichtig halten Sie die aktuellen Öffnungsschritte mit Blick auf die Jungen?

Diese Öffnungsschritte finde ich richtig und wichtig. Gerade die Öffnungen der Hochschulen sind essenziell. Bei meiner Weiterbildung zur Meisterlandwirtin in diesem und letzten Jahr, wurde mir bewusst, wie wichtig der Kontakt mit den Klassenkameradinnen und Klassenkameraden ist und wie schwierig die Konzentration und Disziplin im Homeschooling zu halten sind. Wichtig finde ich diese Schritte auch, damit die jungen Menschen wie beschrieben ihre Jugend ausleben können.

Was erwarten Sie bezüglich weiterer Schritte?

Sofern es die Lage zulässt, hoffe ich auf weitere Öffnungsschritte – vor allem in der Gastronomie. Der Trend von Anteil jüngerer Covid-19-Patientinnen und -Patienten auf den Intensivstationen muss aber genau verfolgt werden.

Wie beurteilen Sie die bisherige Coronapolitik?

Ich bin froh, nicht in der Lage der Entscheidungsträgerinnen und -träger zu sein. Egal, welche Entscheidung getroffen wird, sie passt nie allen Leuten. Die Situation war für uns alle neu. Um diese Krise zu bewältigen, gibt es kein Patentrezept. Grundsätzlich konnte ich die meisten Schritte des Bundesrates nachvollziehen. Gerade bei den Impfungen wünsche ich mir aber ein höheres Tempo, damit sich auch die jungen, impfwilligen Personen schützen und weitere Öffnungsschritte gemacht werden können.

Wurde für Junge genug getan?

Sehr wichtig finde ich, dass die meisten Bestimmungen wie Sport in der Gruppe für unter 20-Jährige die meiste Zeit erlaubt war. Die Impfungen müssen jetzt aber so schnell wie möglich auch für junge Leute möglich sein. Denn sie sind die Zukunft, eine gute Ausbildung und ein gutes soziales Umfeld sind dafür essenziell.

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