Einkaufstourismus

Corona trübt die Lust aufs Shoppen in Deutschland

Tobias Pümpin aus Wallbach kauft gerne in Bad Säckingen seine Lebensmittel ein.

Tobias Pümpin aus Wallbach kauft gerne in Bad Säckingen seine Lebensmittel ein.

Trotz Befreiung von der Quarantänepflicht ist der Einbruch bei den Schweizer Einkaufstouristen massiv – auch Bad Säckingen spürt das.

Die Grenzen sind weiter offen. Einkaufstouristen aus den grenznahen Kantonen zu Deutschland dürfen nach wie vor einreisen, um ennet des Rheins zu shoppen. Ein Augenschein der AZ in Bad Säckingen zeigt: In den Supermärkten kaufen nach wie vor Schweizer ein, etwa Tobias Pümpin aus Wallbach. Aber: Auf den Parkplätzen finden sich deutlich weniger Autos mit Schweizer Kennzeichen als in Nicht-Corona-Zeiten.

Das bestätigen auch die Daten des Projekts Monitoring Consumption Switzerland der Universität St. Gallen, welche die «Basler Zeitung» publiziert hat. Die Wissenschaftler werteten Zahlungsdaten von Debitkarten aus. Und zwar unter anderem danach, wie oft sie in Deutschland eingesetzt wurden. Nun zahlen Einkaufstouristen auch mit Bargeld, nicht nur mit Karte. Dennoch dürften die Zahlen ein Indiz dafür sein, wie der Einkaufstourismus im grenznahen deutschen Raum unter Corona gelitten hat.

So lässt sich anhand der Verlaufskurve auch das ganze Drama des wegen Corona verhängten Grenz­regimes im Frühjahr ablesen: der Absturz in Woche 12 mit der Grenzschliessung und dem Lockdown, das Verharren fast auf Null in den Folgewochen und schliesslich der Ausschlag nach oben als Reaktion auf die Wiederöffnung der Grenzen Mitte Juni.

Derzeit zeigt die Kurve nun wieder nach unten. Gaben die Schweizerinnen und Schweizer in der Woche vom 12. bis zum 19. Oktober noch 25 Millionen Franken mit Debitkarten in Deutschland aus, waren es aktuell, in Woche 44, noch 15 Millionen Franken. Zum Vergleich: 2019 hatte der Wert im selben Zeitraum noch 21 Millionen Franken betragen.

Der Grund dürfte in den aktuell hohen Fallzahlen in beiden Ländern liegen. Am 24. Oktober erklärte Deutschland die gesamte Schweiz zum Risikogebiet. Zeitgleich forderte der Bundesrat zum Zuhausebleiben auf.

«Es herrscht grosse Kaufzurückhaltung»

Aus dem Aargau, den beiden Basel, Solothurn, Zürich, Thurgau, Schaffhausen, den beiden Appenzell, St. Gallen und Jura dürfte das Gros der Schweizer Einkaufstouristen in Deutschland stammen. Sie dürfen, darauf hatte das Land Baden-Württemberg gedrängt, auch weiterhin kommen – ohne Quarantänepflicht. Nur sofern aus anderen, entfernteren Kantonen stammend gelten Restriktionen. Sie machen wohl keine Lust aufs Shoppen ennet des Rheins.

«Der Einbruch ab Mitte Oktober war auch bei uns deutlich. Und seit November ist an den Zollstellen noch weniger los», berichtet Mark Eferl, Sprecher des Zollamtes Singen, zuständig für die Zollstellen Laufenburg und Bad Säckingen. Aus dem Amt Lörrach, wozu Rheinfelden gehört, tönt es ähnlich.

Auch in Bad Säckingen wird der Trend bestätigt. «Die Situation ist sehr angespannt. Auf beiden Seiten des Rheins herrscht grosse Kaufzurückhaltung», sagt Daniel Kistner vom Modehaus May mit Filialen in Laufenburg und Bad Säckingen. «Die St. Galler Befunde müssen wir leider vollumfänglich bestätigen. Die Umsatzeinbrüche sind massiv.» Die Schliessung der Gastronomie auf der deutschen Seite verschärfe die Situation noch. Auch Schmidts Märkte mit seinem Bad Säckinger XL-Markt spürt das. Werner Beck, Inhaber des Einkaufszentrums Becks Arkaden in Bad Säckingen, kann die Schweizer Kunden halten. Aber auch nur mit «enormen Rabatten».

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1