Frick/A3-Werkhof

«Container-Dörfli»: Wer bezahlt die Handykosten der Asylbewerber?

Christoph Urech, der beim Kanton für alle Bauprojekte im Bereich Asyl zuständig ist, inspiziert die neue Asylunterkunft.

Christoph Urech, der beim Kanton für alle Bauprojekte im Bereich Asyl zuständig ist, inspiziert die neue Asylunterkunft.

Am Mittwoch wird die Asylunterkunft im «Container-Dörfli» im ehemaligen A3-Werkhof in Frick eröffnet – die az hat die Antworten auf die brennendsten Fragen.

Am Mittwoch ziehen die ersten 20 bis 30 Asylsuchenden in das «Container-Dörfli» im ehemaligen A3-Werkhof in Frick ein. Bereits in wenigen Wochen wird die kantonale Asylunterkunft ausgelastet sein; dann werden bis zu 180 Asylsuchende in Frick leben. Die az beantwortet die 17 wichtigsten Fragen.

1. Wer wird in Frick untergebracht?

In der Asylunterkunft werden ausschliesslich alleinreisende Männer leben. Es handelt sich dabei vorab um 18- bis 30-jährige Männer aus Ländern wie Afghanistan, Iran, Irak und Syrien. Sie alle sind in einem laufenden Asylverfahren.

2. Wie viele Asylsuchende kommen nach Frick?

In einer ersten Etappe werden morgen Mittwoch 20 bis 30 Asylsuchende nach Frick kommen. Der Kanton rechnet damit, dass die Unterkunft innert weniger Wochen voll belegt sein wird. Dann leben 180 Asylsuchende in Frick.

3. Wie leben die Asylsuchenden?

Sie sind in 41 Containern untergebracht, die in den Werkhallen aufgestellt wurden. Die Container hat der Kanton von den SBB gekauft; in ihnen lebten vorher die Arbeiter, die den Gotthard-Basistunnel gebaut haben.

4. Wer kocht?

Die Asylsuchenden versorgen sich selber. Dafür wurden zwei grosse Koch- und Essräume à je 70 Quadratmeter eingerichtet. Diese hat das Buchser Start-up Boxs AG konzipiert.

Bilder des Containerbaus in der Asylunterkunft Frick: 

5. Wie viel Geld bekommen die Asylsuchenden pro Tag zum Leben?

Zehn Franken. Zusätzlich gibt es einmal pro Monat 20 Franken für Kleider.

6. Wie sieht es mit Handys aus?

Handys sind erlaubt. Die Asylsuchenden müssen die Kosten selber tragen. Der Kanton richtet in der Unterkunft ein kostenloses WLAN-Netz ein.

7. Wie viel kostete der Umbau des ehemaligen Werkhofes?

1,4 Millionen Franken. Diese Summe hat der Grossrat Ende November als Nachtragskredit bewilligt. Laut dem zuständigen Departement liegen zwar noch nicht sämtliche Bauabrechnungen vor, doch es sieht danach aus, dass der Kredit eingehalten werden kann.

8. Ist die Asylunterkunft befristet?

Ja, die Gemeinde hat den Betrieb auf drei Jahre befristet. Schluss ist also 2020. Ursprünglich wollte der Kanton die Unterkunft nur zwei Jahre betreiben. Er schwenkte dann aber aus «Kosten-Nutzen-Überlegungen» auf drei Jahre um.

9. Wer garantiert, dass die Unterkunft 2020 wirklich geschlossen wird?

Der Gemeinderat hat diese Frist mit der Baubewilligung gesetzt. Für eine Verlängerung müsste der Kanton ein neues Baugesuch einreichen und das würde kaum bewilligt.

10. Was passiert mit dem Werkhof, wenn er nicht mehr als Asylunterkunft gebraucht wird?

Die weitere Zukunft ist offen. Der Kanton möchte darin das Kantonale Katastrophen Einsatzelement unterbringen. Dagegen wehren sich jedoch Parteien, der Planungsverband Fricktal Regio und auch die Gemeinde Frick. Ihr Tenor: Es ist schade, den Werkhof, der an verkehrstechnisch optimaler Lage liegt, für die Lagerung von ein paar Beaver-Schläuchen zu nutzen. Vielmehr müsste er gewerblich genutzt werden.

11. Oder als Autobahn-Raststätte?

Die Idee, im Fricktal eine Autobahnraststätte zu bauen, geistert schon seit Jahrzehnten herum und taucht alle paar Jahre am Horizont der Realität auf. Fricktal Regio will nun ein für allemal abklären, ob es eine solche Raststätte braucht – und ob sie überhaupt bewilligt würde. Beides ist wenig wahrscheinlich. Doch im Fall der Rast-Fälle wäre der Werkhof sicher eine Option.

12. Wer betreut die Asylsuchenden?

Der Kanton hat mit der Betreuung die ORS Service AG beauftragt. Sie wird Tag und Nacht vor Ort sein. Daneben hat sich eine «Kontaktgruppe Asyl» formiert. Die Freiwilligengruppe will Begegnungen zwischen den Asylsuchenden und der Bevölkerung schaffen, den Asylsuchenden beim Deutschlernen helfen und Beschäftigungsangebote wie das Gärtnern schaffen.

13. Wo liegt die Asylunterkunft?

Sie liegt am südöstlichen Dorfrand, einige hundert Meter ausserhalb des Wohngebietes. Da der Autobahn-Werkhof nicht zu Fuss erreicht werden musste, bestand keine Fusswegverbindung. Der Kanton hat einen temporären Fussweg in Richtung A3-Center erstellt und südlich des Dino-Kreisels eine «beleuchtete Querungshilfe» eingerichtet.

14. Wie steht die Gemeinde zur Unterkunft?

Positiv. Für Gemeindeammann Daniel Suter ist die Unterbringung von Asylsuchenden «eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft». Die Zusammenarbeit mit dem Kanton erlebt er als «konstruktiv und partnerschaftlich».

15. Gibt es auch Kritik an der Unterkunft?

Bislang wenig. Auch die SVP äusserte sich noch im Februar «grundsätzlich positiv» zur Asylunterkunft. Aufgeschreckt hat die Partei dann Anfang März ein Rechtsgutachten der Universität Zürich. Danach schränken Gemeinden, Kanton und Bund die Grundrechte von Asylsuchenden unverhältnismässig stark ein, indem sie ihre Bewegungsfreiheit unter anderem durch Rayonverbote begrenzen. Somit besteht für die SVP Frick «ohne Weiteres die Gefahr, dass beispielsweise unser Schwimmbad zu einer Art ‹Schönwetter-Filiale› für die Asylunterkunft im Werkhof werden kann». Die Partei fordert deshalb Massnahmen, damit dies nicht der Fall wird.

16. War nicht einmal von 300 Asylsuchenden in Frick die Rede?

Doch, ursprünglich wollte der Kanton in Frick eine gemischte Unterkunft – sowohl für alleinreisende Männer als auch für Familien – mit 300 Personen eröffnen. Dazu kaufte er bei Ikea 200 «Shelters for Refugees» zu je 1200 Franken. 60 sollten in den beiden Werkhallen in Frick aufgestellt werden. Jede «Ikea-Hütte» bot fünf Personen Platz.

17. Weshalb änderte der Kanton seine Strategie?

Weil sich die «Shelters» in einem Brandtest im wahrsten Sinne als brandgefährlich erwiesen. Der Kanton schwenkte auf Wohncontainer um und reduzierte die Zahl der Asylsuchenden aus «Kosten-Nutzen-Überlegungen» auf 180. Darüber war man in Frick nicht unfroh.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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