Oeschgen
Circus Nock verkürzt Tournee massiv

Der Traditionszirkus lässt 2019 viele Landesregionen aus. Man spart Ressourcen für die Jubiläumssaison 2020.

Dennis Kalt
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Auch in dieser Saison wird Zirkusdirektorin Franziska Nock mit ihren Pferdedressuren in der Manege stehen.

Auch in dieser Saison wird Zirkusdirektorin Franziska Nock mit ihren Pferdedressuren in der Manege stehen.

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Einst, als die «Tagesschau» noch in Schwarzweiss über den Bildschirm flackerte, war schon das Eintreffen mit der Tierparade durch das Dorf das Ereignis des Jahres. Heute ist der Zirkus nur noch ein Angebot unter vielen anderen. Dies spürt auch der Circus Nock, der nächstes Jahr sein 160-Jahr-Jubiläum feiert. «Die vergangene Saison war schwer für uns», sagt Zirkusdirektorin Franziska Nock.

Der Trend der rückläufigen Besucherzahlen konnte nicht gestoppt werden. Nachdem der älteste Zirkus der Schweiz in der Saison 2017 einen Rückgang der Besucherzahlen von rund fünf Prozent verzeichnen musste, suchten in der vergangenen Saison abermals fünf Prozent an Besuchern weniger das Chapiteau auf.

Dies und die Suche nach neuen Ideen für die Jubiläums-Tournee 2020, die bei einer breiteren Masse wieder die Lust am Zirkus wecken soll, hat Konsequenzen für die Saison 2019. «Wir werden unsere kommende Tournee leider verkürzen müssen», sagt Franziska Nock. «Wir bitten unsere Fans und langjährigen Supporter um Verständnis.» Dauerte die Tournee in der Vergangenheit für gewöhnlich von März bis November an, so wird der Circus Nock in diesem Jahr nur von Juni bis Oktober mit seinen Artisten und Tieren die Schweiz bereisen.

«Wir konzentrieren uns bei unseren Tournee-Orten auf unseren Heimatkanton Aargau, angrenzende Orte sowie das Engadin, in dem wir liebevoll als ‹Engadiner Nationalzirkus› bezeichnet werden», sagt Franziska Nock. Bisherige Auftrittsorte in der West- und Innerschweiz sowie im Tessin werden nur in diesem Jahr nicht bereist.

Verkürzung nur vorübergehend

Der Entscheid, die Tournee um vier Monate zu verkürzen, sei ihr nicht besonders schwergefallen, so Franziska Nock. «Wir machen dies, weil wir einfach die finanziellen und zeitlichen Ressourcen brauchen, um für die Jubiläumstournee ein hochkarätiges Programm auf die Beine zu stellen.» Zudem – als positiver Nebeneffekt – tue es nach all den Jahren auch mal gut, sich ein wenig länger ausruhen zu können.

Doch bereits im Jubiläumsjahr 2020 wolle man wieder die regulären acht Monate auf Tournee gehen, sagt Franziska Nock. Erst für das Jahr 2021 sind weitere Veränderungen hinsichtlich des Terminkalenders angedacht. «Denkbar wäre es, im Sommer eine vierwöchige Pause während der Tournee einzulegen.»

Diese Überlegung findet vor dem Hintergrund statt, dass gerade die vielen heissen Nachmittage im letzten und vorletzten Sommer die Besucher vom Zirkuszelt ferngehalten haben. «Das ist schade, wenn man die Manege betritt und auf leere Ränge blickt. Es tut auch ein wenig weh, schliesslich stecken wir viel Arbeit und Herzblut in die Zusammenstellung unserer Show», so Franziska Nock. Sie betont dies auch, weil der Circus Nock im letzten Jahr vom Kanton 70'000 Franken aus dem Swisslos-Fonds erhielt – Geld, das ausschliesslich für die Zusammenstellung des damaligen Programmes der Show «bravo bravissimo» investiert wurde.

Die Tradition verpflichtet

Franziska Nock, die zusammen mit ihrer Schwester Alexandra in siebter Generation an der Spitze des ältesten Zirkus der Schweiz steht, kann nicht verhehlen, dass sie zuweilen den Druck verspürt, das Familienunternehmen erfolgreich durch das nächste Jahrzehnt zu führen. Einen Zweifel daran, dass ihr das gelingt, hat sie jedoch nicht: «Der Circus Nock wird auch in zehn Jahren als kulturelle Institution sein Publikum begeistern, wenn vielleicht auch in anderer Form», ist sie sich sicher.

Anzahl an Tiernummern wird reduziert

Der Circus Nock wird über die nächsten Jahre die Anzahl seiner Tiernummern reduzieren. Ein Teil der Tiere habe ein Alter erreicht, in dem man sie nicht mehr in die Manege schicken wolle, so Zirkusdirektorin Franziska Nock: «Sie haben ihren Ruhestand verdient. Wir sind uns unserer Verantwortung ihnen gegenüber bewusst. Sie haben unseren Gästen so viel Freude bereitet.» Die Tiere, die bereits seit Jahrzehnten dabei sind, blieben dem Circus Nock erhalten. Neue Tiere wolle man sich nicht mehr anschaffen, dafür aber Tiernummern kaufen.

Nie, so Franziska Nock, würde man die Tiere in schlechte Hände geben. Für einige der Tiere konnte der Circus Nock bereits neue Besitzer finden. Man würde sich freuen, wenn der eine oder andere, der sich dem Zirkus verbunden fühlt, ihn dabei unterstützt, auch für seine «Oldies» gute Lösungen zu finden. «Das ist naturgemäss am schwersten, für uns auch gleichzeitig am emotionalsten», sagt Franziska Nock. «Ich hänge an jedem einzelnen Tier und habe über die Jahre intensiver Arbeit mit unseren Vierbeinern eine unglaublich enge Bindung zu ihnen aufgebaut.»
In den vergangenen Jahren profitierte man durch Partner und Freunde, die den Circus Nock mit einer Tierpatenschaft begleitet haben. So freue man sich über jeden, der seine Tierpatenschaft weiter aufrechterhält, auch wenn sein Lieblingstier nicht mehr in der Manege auftreten werde, so Franziska Nock. «Das hilft uns – beispielsweise –, wenn unser Zebra Vulkan in die Tierklinik muss, damit seine Hufe geschnitten werden müssen.»

Klar ist für Franziska Nock, dass sie weiterhin mit Pferden und Ponys in der Manege stehen wird. «Meine Passion, mit Vierbeinern zu arbeiten, geht mit viel Zuversicht einher, dass die Magie eines Zirkus wieder mehr Bedeutung erlangen wird, wenn die Leute von Digitalisierung und Social Media ermüdet, wieder etwas mehr die direkte Begegnung in der Zirkusmanege schätzen werden.» (NBO/DKA)

Sehen Sie hier die Sendung TalkTäglich mit Franziska und Alexandra Nock vom Sommer 2018 in voller Länge: