Wenn Christoph Blocher kommt, dann füllen sich die Hallen, so auch bei seinem Referat über das Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union in der Mehrzweckhalle in Gipf-Oberfrick. Eine Stunde vor Referatsbeginn öffneten sich die Türen und schnell füllten sich die Tische in der Halle, in der es schon bald brummte wie bei einem Festbetrieb. Mit suurem Moscht, Feldschlösschen-Bier und Wölflinswiler Wein stiessen die interessierten Besucher an, die SVP Bezirk Laufenburg servierte dazu Schüblig mit Brot.

Bis zum erwarteten Auftritt von alt Bundesrat Christoph Blocher spielte auf der Bühne ein Trio mit Kontrabass und Akkordeons volkstümliche Weisen. Kurz vor Beginn des Referats um 20 Uhr gab es dann fast keinen freien Platz mehr in der Halle, wo die Helfer für rund 360 Personen Stühle bereitgestellt hatten.

Händeschüttelnd auf die Bühne

In seiner Rede wollte Blocher das Thema «Das Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union» vertiefen. «Ich wollte einfach mal hören, was der gute Herr erzählt. Hören, was er zu sagen hat und das zu überprüfen, ist gar nicht schlecht. Es ist ja nicht alles gut, was er sagt», sagte ein Wittnauer, der parteiunabhängig ist, und fügte doch an: «Wir verlieren die Freiheit und die Selbstbestimmung. Man ist ja schon nicht mehr frei. EU-Recht wird schon übernommen.» Ähnlich erachtete es ein weiterer Wittnauer, der sich selbst als Sympathisant bezeichnete: «Es ist sehr wichtig, dass wir heute nicht in der EU sind, da hat der Herr Blocher drauf geachtet. Da hätten wir einen sehr teuren Vertrag unterschrieben.»

Schon bei Blochers Einmarsch in die Halle brandete Applaus für den ehemaligen National- und Bundesrat auf, und auf seinem Weg durch die Tische musste Blocher zahlreiche Hände schütteln. Mit einer Viertelstunde Verspätung betrat er unter grossem Applaus die Bühne, die beiderseits von Sicherheitskräften gesichert wurde. Weitere Security hatte sich in der Halle verteilt. Blocher blickte auf den abgelehnten Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum vor 25 Jahren zurück. Schlagfertig und eloquent führte er seine Zuhörer durch die ihm vertraute Materie. «Die EU ist eine intellektuelle Fehlkonstruktion», befand er und erntete Applaus. Die Zuhörer honorierten auch andere Spitzen gegen die EU, den Bundesrat oder andere Parteien mit Gelächter und Zwischenapplaus.

Fragerunde ohne Kritik

Nach einer knappen Stunde, in der Blocher natürlich auch die aktuelle Debatte um die Übernahme von EU-Recht und die bestehenden Verträge mit der EU, insbesondere den Vertrag zur Personenfreizügigkeit thematisierte, kam er zum Ende seines Vortrags und eröffnete die Fragerunde. Die Zuhörer nutzten diese für Fragen zur Flüchtlingsproblematik in der EU, zum Verhältnis der SVP zur FDP und zum Fachkräftemangel in der Pflege. Eine ältere Zuhörerin lobte Blochers Energie und äusserte die Hoffnung, dass auch die junge Generation seinen Worten folge. Kritische Töne oder gar Gegenstimmen wurden in der Fragerunde keine laut. Um kurz vor 22 Uhr beendete Blocher seinen Auftritt und wurde von Christoph Riner, Präsident der SVP des Bezirks Laufenburg, mit einem Fricktaler Korb als Geschenk verabschiedet.

«Die Halle ist wieder voll», stellte Riner im Anschluss fest. Ziel der Bezirkspartei war es einerseits, die Parteikasse aufzubessern, und andererseits, die Bürger zu informieren. «Vor zehn Jahren hatte man das Gefühl, das Thema ist durch, aber heute ist es wieder brandaktuell», sagte Riner und lobte den Referenten: «Christoph Blocher hat es differenziert dargestellt: Wir sind nicht gegen Zuwanderung, sondern es soll eine gesicherte Zukunft für alle geben.» Neben den zusätzlichen Helfern am Abend habe der zwölfköpfige Vorstand die Organisation gestemmt, sagte Riner, der sich mit dem Verlauf und dem Zuspruch zufrieden zeigte.