Zuzgen

«Chriesi»-Camp mit Feldküche: Pflücken soll zum gemeinsamen Erlebnis werden

Gemeinsam an die Pflückarbeit: Roland und Gisela Meyer auf dem Lohnberg in Zuzgen mit Petra Bachmann (rechts) von der Geschäftsstelle Jurapark Aargau. bi

Gemeinsam an die Pflückarbeit: Roland und Gisela Meyer auf dem Lohnberg in Zuzgen mit Petra Bachmann (rechts) von der Geschäftsstelle Jurapark Aargau. bi

Das aufwendige Kirschenpflücken soll zu einer Gemeinschaftsaufgabe gemacht werden. Ein «Chriesi»-Camp mit Feldküche schwebt dem Jurapark Aargau vor.

50 mächtige Hochstammbäume in einer traumhaften Tafeljuralandschaft stehen beim Hof von Roland und Gisela Meyer auf dem Lohnberg oberhalb Zuzgen. Der Jurapark Aargau hat die Idee «Gemeinsam Kirschen pflücken» kreiert. Ein guter Vorschlag, denn ein einzelner Pflücker ist in dieser eindrücklichen und dominanten Baumlandschaft geradezu verloren.

Die Aktion fand in der ersten Runde leider noch kein grosses Echo. Petra Bachmann von der Geschäftsstelle Jurapark Aargau betonte, dass man bewusst einen ersten solchen Versuch starten wollte. Es bestehe aber die feste Absicht, eine Pflückaktion langfristig zu planen und nach gründlicher Vorbereitung auf die Beine zu stellen, wenn eine grössere Ernte anfällt.

Dieses Jahr wurde besonders deutlich, wie notwendig eine solche Aktion wäre. Die alten bäuerlichen Strukturen mit Grossfamilie, zwei Generationen auf einem Hof und Nachbarschaftshilfe gibt es nämlich kaum mehr. Zudem wirkt sich die starke Reduktion der Bauernbetriebe aus. Bei immer weniger Arbeitskräften schreitet zwangsläufig eine höchstmögliche Vollmechanisierung voran.

Was im Ackerbau und in der Viehwirtschaft möglich ist, hat beim Obstbau jedoch wenig Chancen. In den Spezialbaumkulturen und den überdeckten Anlagen sieht nämlich alles anders aus. Beim traditionellen Hochstamm-Kirschbaum gibt es zur Leitern- und Pflückaktion wenig bis keine Alternativen.

Eine etwas billige und einfache Lösung wäre «alles hängen lassen, die Natur beseitigt die Früchte selbst». Von der Ökologie her wäre das noch einigermassen vertretbar, aber für den verantwortungsbewussten Obstproduzenten und für die nachhaltige Erhaltung des Streuobstbaums ist das kein Zukunftsweg. Kranke und mehr und mehr verdorrte oder stark beschädigte Bäume in der Landschaft können ja nicht die Lösung sein.

Was der Jurapark Aargau propagiert, ist begrüssenswert: Das arbeitsaufwendige Kirschenpflücken zu einer Gemeinschaftsaufgabe zu machen. Es gibt viele Arten von Freiwilligen-Einsatz für Natur und Landschaft bis hin zu Berglagern und organisierten Ferien-Arbeitswochen, Unterhalts- und Aufwertungsarbeiten. Das sollte doch auch im Obstbau möglich sein – eine Art «Chriesi»-Camp mit Feldküche und guter Infrastruktur als ausgebauter Wochenanlass, an welchem das gesellschaftliche und echte Gemeinschaftserlebnis bestimmt nicht zu kurz käme.

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