Ein heftiger Graupelschauer schlägt über Schupfart nieder. Christoph Müller steht auf seiner Kirschbaumanlage und schüttelt ungläubig den Kopf: «So etwas habe ich noch nie erlebt», sagt er. Müller beeilt sich, um den Graupel, der auf den Planen lastet, mit einem Rechen herunterzustossen. «Ich weiss nicht, wie viel Gewicht die Planen aushalten. Würden sie mit dem ganzen Gewicht auf die Blüten stürzen, wäre dies eine Katastrophe», sagt er.

Müller ist es gewohnt, die Planen erst eine Woche vor der Kirschernte auszufahren: «Sie schützen die Frucht davor, aufzuplatzen, wenn es heftig regnet», erklärt er. Die Planen lässt er nun aber in den nächsten Tagen aufgespannt – nicht nur wegen allfälliger Graupel oder Hagelschauer: «Weil kalte Luft nach unten abfällt, dienen die Planen als Schutz vor Frostschäden», sagt er.

Daniel Schnegg vom Fachbereich Spezialkulturen im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg schätzt die Gefahr als gross ein, dass die Kirschblüten den kalten Nächten zum Opfer fallen können: «Die kritische Temperatur für die Kirschblüte liegt bei minus 2,3 Grad Celsius», weiss Schnegg und rät dazu, das Gras kurz zu halten, damit vom Boden die Wärme aufsteigt, denn: «Langes Gras speichert die Feuchtigkeit und damit die Kälte», sagt er.

Christoph Müller steht auf seiner Kirschbaumanlage in Schupfart und stösst mit einem Rechen den Graupel von der Schutzplane

Christoph Müller auf seiner Kirschbaumanlage

Christoph Müller steht auf seiner Kirschbaumanlage in Schupfart und stösst mit einem Rechen den Graupel von der Schutzplane

Weiter empfiehlt er, auf den Kirschbaumanlagen Frostkerzen aufzustellen. 300 bis 350 dieser Paraffin-Kessel sind bei einer Temperatur von minus vier Grad Celsius notwendig, um die Blüten auf der Fläche eines Fussballfeldes über der Gefriergrenze zu halten. «Zusätzlich ist es ratsam, den Boden unter den Kirschbäumen leicht feucht zu halten, weil er dadurch mehr Energie abgegeben kann», erklärt Schnegg.

Weil die Wetterprognosen für Olsberg für die Nacht auf morgen von bis zu minus fünf Grad Celsius ausgehen, kommen die Frostkerzen auch auf der Kirschbaumanlage von Bruno Wirth, Besitzer des «Buurehofs», zum Einsatz. «Ich werde gegen drei Uhr nachts aufstehen und rund 400 Frostkerzen anzünden. Das wird keine Sache von zwei Minuten», ist sich Wirth bewusst, der eigentlich vor hatte, sich mit 1500 Frostkerzen einzudecken. Die grosse Nachfrage anderer Obstbauern verhinderte dies. Deshalb muss Wirth mit den Frostkerzen, die rund zehn Stunden brennen, sparsam umgehen: «Ich lösche sie nach fünf Stunden, weil ich sie in zwei Nächten benötige», sagt er.

Das Thermometer im Auge

Auch Astrid Bündler aus Wittnau wird in der Nacht von heute auf morgen nicht viel Schlaf finden, denn: «Ich werde in dieser Nacht die Temperaturen im Auge behalten», sagt sie. Anders als ihr Kollege Wirth zündet sie Holz an, um ihre Kirschblüten gegen den Frost zu schützen: «Wenn es unter minus zwei Grad Celsius kalt wird, dann werden wir alle drei bis vier Meter einen Behälter mit Holz aufstellen», sagt Bründler, die beim Anzünden der 50 bis 60 Feuerstellen von mehreren Helfern unterstützt wird. Zusätzlich hält Bründler – genauso wie Müller und Wirth – das Gras auf ihrer Kirschbaumanlage kurz.

Weniger Aufwand betreibt Herbert Schmid vom Erlenhof in Wittnau. Dies, weil er 200 Hochstammbäume besitzt, die er nicht vor der Kälte schützen kann: «Weil die Bäume an verschiedenen Standorten stehen, rechne ich nicht mit einem Totalverlust. Frostschäden wird es aber auf jeden Fall geben», sagt Schmid.