Nach Unfall in Kaisten

Chefarzt der Aargauer Psychiatrie: «Jeder zweite Schweizer hat einmal Suizidgedanken»

War Unfall in Kaisten suizidale Absicht?

War Unfall in Kaisten suizidale Absicht?

Was geht in einer lebensmüden Person vor? Warum reisst sie wie im aktuellen Fall sogar eine Drittperson mit ins Verderben? Diese Frage beantwortet der Chefarzt vom psychiatrischen Dienst Aargau.

Die 34-jährige Deutsche, die in Kaisten einen Unfall verursacht hatte, tat dies in suizidaler Absicht. Frontal raste sie auf einen entgegenkommenden Lastwagen zu. Der LKW-Fahrer konnte Schlimmeres verhindern, indem er geistesgegenwärtig das Steuer herumriss. «Wie kann man mit einer solchen Kurzschlusshandlung andere Leben in Gefahr bringen?», fragte er nach dem Unfall fassungslos.

Eine Frage, mit der sich Wolfram Kawohl als Chefarzt der Psychiatrischen Dienste Aargau tagtäglich befasst. «Eine suizidale Person ist äusserst verzweifelt und sieht für sich keinen anderen Ausweg mehr», erklärt er im Fokus von «TeleM1». Insbesondere der Fall von Kaisten zeige, wie eingeengt sich diese Person fühlen müsse. Kawohl spricht von einem «Tunnelblick».

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Rund 1000 Suizidfälle gibt es in der Schweiz jedes Jahr. Chefarzt Kawohl betont, dass es nichts Ungewöhnliches sei, unter lebensmüden Gedanken zu leiden. «Es betrifft in der Schweiz jeden Zweiten, dass er einmal solche Gedanken hat.» Wichtig sei, darüber zu sprechen und sich Hilfe zu holen.

Denn therapeutische Massnahmen versprechen Erfolg: Mit einer Krisenintervention verschwinden Suizidgedanken laut Kawohl innerhalb weniger Tagen wieder. «Nach zehn Tagen leiden nur noch zwei Prozent der Betroffenen immer noch an Suizidgedanken», so er. 

(sam)

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