Fricktal
CH-Kleber: Fehlt er, riskieren Autofahrer in Deutschland eine Busse

Der samstägliche Wocheneinkauf in Deutschland könnte für Fricktaler teurer werden, als geplant. Nicht, weil besonders viel im Einkaufswagen landet. Grund ist vielmehr ein Kleber auf dem Heck des Autos – beziehungsweise dessen Fehlen.

Nadine Böni
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Eigentlich wäre er bei Fahrten ins Ausland obligatorisch: Der CH-Kleber am Auto.

Eigentlich wäre er bei Fahrten ins Ausland obligatorisch: Der CH-Kleber am Auto.

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Der samstägliche Wocheneinkauf in Deutschland könnte für Fricktaler teurer werden, als geplant. Nicht, weil besonders viel im Einkaufswagen landet. Grund ist vielmehr ein Kleber auf dem Heck des Autos – beziehungsweise dessen Fehlen.

Der ovale CH-Kleber ist für Schweizer Fahrzeuge im Ausland nach wie vor obligatorisch. Grundlage dafür ist das Wiener Übereinkommen über den Strassenverkehr von 1968, das seit 1992 auch in der Schweiz in Kraft ist. Darin ist bestimmt, dass «jedes Kraftfahrtzeug im internationalen Verkehr ein Unterscheidungszeichen des Staates führen muss, in dem es zugelassen ist.»

Nur wenige Autos ausgerüstet

In den modernen EU-Nummernschildern sind die Zeichen enthalten, etwa D für Deutschland, E für Spanien oder F für Frankreich. Das Schweizer Wappen auf Schweizer Nummernschildern zählt hingegen nicht als Unterscheidungszeichen. Deshalb brauchen Schweizer, welche ins Ausland fahren, den CH-Kleber. Festgeschrieben ist dabei auch dessen Grösse – bis hin zur Strichbreite: 11,5 auf 17,5 Zentimeter muss der Kleber messen, die Buchstaben darauf acht mal vier Zentimeter gross sein und die Strichbreite der Buchstaben ist auf genau einen Zentimeter festgeschrieben.

Gerade im Fricktal, wo viele regelmässig Ausflüge ins nahe Deutschland unternehmen, müssten demnach die meisten Autos mit einem CH-Kleber ausgerüstet sein. Ein Blick auf die Strasse oder in die Parkhäuser der Region zeigt allerdings, dass wohl auf gerade etwa der Hälfte der Fahrzeuge tatsächlich ein Kleber angebracht ist.

Es droht maximal ein Rüffel

Bei einer Fahrt nach Deutschland riskieren die Autolenker eine Busse – meist erhalten sie von den Beamten statt einem Zettel aber maximal einen Rüffel. «Der Verstoss ist eine Ordnungswidrigkeit, der Bussgeldkatalog sieht hierfür ein Bussgeld in der Höhe von 15 Euro vor», sagt Paul Wissler, Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg, zwar. In der Praxis geschieht das aber selten bis nie. «Mir sind keine Fälle bekannt, in denen dies der alleinige Grund einer Beanstandung gewesen wäre», sagt Wissler.

Beamte sind tolerant

Die deutschen Beamten zeigen sich vielmehr tolerant, was den CH-Kleber angeht. «Unbedeutende Ordnungswidrigkeiten können in bestimmten Fällen auch mündlich ohne ein Verwarnungsgeld erledigt werden», sagt Wissler. Und ausserdem: Liegt ein erheblicherer Verstoss vor, tritt das Fehlen des Klebers in den Hintergrund. Dann kommt nur das jeweils höhere Bussgeld zum Tragen. Bezüglich des Klebers fügt Wissler mit einem Lachen an: «Eine Ahndung ist möglich, wir können sie jedoch nicht garantieren.» Diese Toleranz sorgt dafür, dass der Wocheneinkauf eben nur in der Theorie tatsächlich teurer wird.