«Werbesünder»
Busse wegen Werbung auf Parkscheibe auch im Fricktal?

In Basel wurde ein Autofahrer gebüsst, weil auf seiner Parkscheibe eine Werbung aufgedruckt ist. Wie hätte die Polizei Oberes Fricktal das gehandhabt? Wir haben nachgefragt.

Thomas Wehrli
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Neue Parkscheibe statt Busse: Markus Erni gibt Automobilisten, deren Parkscheibe nicht der Norm entspricht, auch schon mal eine neue ab. Thomas Wehrli

Neue Parkscheibe statt Busse: Markus Erni gibt Automobilisten, deren Parkscheibe nicht der Norm entspricht, auch schon mal eine neue ab. Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

Der junge Automobilist traute seinen Augen nicht, als er in Basel zum korrekt parkierten Auto seiner Mutter zurückkehrte: Unter dem Scheibenwischer steckte, so berichtet der «Blick», eine Busse mit dem handschriftlichen Vermerk: «Keine Werbung auf der Parkscheibe».

40 Franken Busse – nur, weil unten auf der Vorderseite der Parkscheibe ein Autohaus für sich wirbt? Bei Markus Erni, stellvertretender Chef der Polizei Oberes Fricktal, hinterlässt die Geschichte einen faden Beigeschmack. Es sei richtig, dass es bei der Parkscheibe klare Vorschriften für Grösse, Farbe und Schrift gebe. Auch Werbung auf der Vorderseite der Parkscheibe sei nicht erlaubt. Und es stimme auch, dass man jemanden, der eine Parkscheibe auflege, die nicht den Vorgaben entspreche, büssen könne. «Aber ich habe noch nie gehört, dass man jemanden büsst, nur weil auf der Vorderseite seiner Parkscheibe eine Werbung aufgedruckt ist.»

Markus Erni und seinem Team käme es denn auch nicht in den Sinn, einem Automobilisten für ein solches «Werbevergehen» einen Bussenzettel unter den Scheibenwischer zu klemmen. Erni, ganz Pragmatiker, setzt auf Kulanz: «Wenn eine Scheibe nicht der Norm entspricht oder vollgeschrieben ist, dann machen wir den Automobilisten darauf aufmerksam, dass dies nicht geht – und schenken ihm eine korrekte Parkscheibe.» Er habe immer ein paar Scheiben dabei und klemme sie, drohe kein Regen, auch mal einem «sündigen» Automobilisten unter einen Scheibenwischer. Nebenbei bemerkt: Auch auf den von der Polizei abgegebenen Parkscheiben ist Werbung aufgedruckt – auf der Rückseite, wo sie erlaubt ist, und für einen ökologischen Zweck: «Halten? Motor abschalten».

Die Busse im Falle des Basler «Werbesünders» übernahm übrigens das Autohaus, dessen Werbung auf der Vorderseite prangt. Gleichzeitig will die Basler Polizei laut «Basler Zeitung» bei der Busspraxis über die Bücher, «da das Bundesamt für Strassen heute offenbar eine mildere Auslegung der Bestimmungen der Signalisationsverordnung als noch vor einigen Jahren verfolgt», wird Polizeisprecher Martin Schütz in der BaZ zitiert. In diesem Sinne, frei mit Persil: «Da weiss man, was man hat.»