Mit Street Art will das Laufenburger Bauunternehmen Erne den Sichtschutz für seine Baustellen schöner gestalten. Neun Bilder von fünf Künstlern wurden zum Start der Street-Art-Kampagne vorgestellt. Dazu passend präsentierten Regula Laux und Jean-Marc Felix ihren neuen Bildband über die internationale Street-Art-Szene.

Mehr als 100 Besucher drängen sich im alten Kera-Gebäude auf dem Gelände der Erne AG Bauunternehmung in der Werkstrasse. Die leer geräumte Halle bietet eine ungewöhnliche Kulisse für einen Apéro, aber ist für die Lancierung der Street-Art-Kampagne des Bauunternehmens genau die richtige Umgebung. Die bunten Bilder der Street-Art-Künstler wirken vor den grauen Wänden und zwischen den unverkleideten Stahlträgern noch intensiver. Die Frische der Bilder steht im Kontrast zu dem staubigen Boden und den blinden Fenstern des alten Gebäudes. Viele Besucher schlendern durch die Halle, um einen Blick auf die Bilder zu werfen, während andere beim Fingerfood zugreifen.

Überredungskunst war gefragt

Die Idee zur Street-Art-Kampagne hat ihre Wurzeln in der Ausstellung «Under Construction» im Laufenburger Rehmann-Museum, die sich dem Thema der Urban Art schon im vergangenen Sommer widmete. «Street Art im Museum ist das eine, aber Street Art gehört auf die Strasse», erklärte Regula Laux, die bis Ende letzten Jahres in der Geschäftsleitung des Museums tätig war. Sie erzählt, dass es ein bisschen Überredungskunst gebraucht habe, aber schliesslich Erich Erne, Verwaltungsratspräsident des Unternehmens und ehemaliges Mitglied im Stiftungsrat des Museums, der Kampagne zustimmte.

Erne hielt fest, dass er anfangs skeptisch war, weil er Sprayen nicht unterstützen wollte, aber Laux ihn überzeugen konnte, dass es sich um professionelle Künstler handelte.

Mit der Street-Art-Kampagne möchte sich das Unternehmen sympathisch präsentieren, erklärt Yvonne Gredig, Leiterin Marketing und Kommunikation im Bauunternehmen. Ab dieser Woche werden die auf Netze gedruckten Kunstwerke an Bauzäunen als Teil des Sichtschutzes eingesetzt. Gredig sagt, dass sie zuerst auf den grossen Baustellen in Zürich, Basel und Solothurn zu sehen sein werden. Bei den Besuchern kommen die Bilder in der Halle gut an. «Es gefällt mir fantastisch. Die Bilder sind alle super, weil sie alle ihren Reiz haben», meint ein Besucher aus Leibstadt und ein Kaistener erklärt: «Ich finde es sehr schön. Ich finde die Schildkröte mit dem Haus statt dem Panzer sehr kraftvoll.»

Fröhlich reckt die lila Schildkröte des Street-Art-Künstlers Malik ihren Kopf empor. Auf ihrem Rücken trägt sie ein pinkfarbiges Haus mit lila Satteldach. Das lebendige Bild mit dem Titel «Unterwegs und doch daheim» hat der Aarauer Künstler auf einen pinken Hintergrund gesprayt. Malik ist bei der Street-Art-Kampagne mit zwei von neun Bildern vertreten. Auch die Werke der vier anderen Künstler David Monllor (Aarau), Benjamin Solt (Winterthur), Pollo 7 (Densbüren) und David Zeltner (Basel) bestechen durch die kreative Annäherung an das Thema Bauen mit absurden Gebäuden oder verträumten Umsetzungen wie einer Schubkarre vor einem wogenden Himmel aus bunten Blasen.

Ebenfalls aus der Museums-Ausstellung heraus ist das Buch «Every Wall is a Door» über Street Art entstanden, das Laux und ihr Ehemann Jean-Marc Felix vorstellen. Das Buch erzähle die Geschichten von 150 Künstlern aus total 30 Ländern, führt Fotograf Felix aus und Laux erklärt, dass sie keine umfassende Abhandlung über Street Art erstellten, sondern einen persönlichen Eindruck der internationalen Szene vermitteln wollten. Zu den Reisen für die Recherche meint sie: «Für mich hat sich eine neue Welt eröffnet, künstlerisch, kreativ, politisch und spontan.»

Das neue Buch ‹Every Wall is a Door› von Regula Laux und Jean-Marc Felix kann online über die Website www.lauxmedia.ch oder andere Verkaufsplattformen bezogen werden.