Fahrplan

Bundesamt rüffelt die SBB: Der Ausfall des Flugzugs war nicht auf den Fahrplänen vermerkt

Der Flugzug fällt seit dem 7. September aus. Auf der elektronischen Anzeige ist es angegeben, auf den Papieraushängen nicht.

Der Flugzug fällt seit dem 7. September aus. Auf der elektronischen Anzeige ist es angegeben, auf den Papieraushängen nicht.

Der Ausfall des IR 36 aufgrund des Lokführermangels wurde nicht auf den Fahrplanaushängen angepasst. Die SBB müssen nachbessern.

Der Flugzug ist temporär davongeflogen; wegen Lokführermangel verkehrt der IR 36 zwischen Basel und Zürich-Flughafen seit dem 7. September nicht. Daran wird sich bis zum Fahrplanwechsel nichts ändern. Der Ärger über den Zugausfall ist im Fricktal – gerade bei Berufspendlern – gross. Politiker wurden aktiv und eine Petition mit 665 Unterschriften forderte die SBB-Spitze auf, «eine gerechte und zeitlich begrenzte Lösung ohne den Wegfall ganzer Zugverbindungen zu finden». Vergeblich. Der Flugzug fliegt erst ab Mitte Dezember wieder.

Angeflogen kam beim Bundesamt für Verkehr (BAV) dafür eine Anzeige eines Fricktalers. Bereits nach Bekanntwerden des Zugausfalls wies er die SBB Ende August in einem Schreiben darauf hin, dass die Fahrpläne vor Ort zu berichtigen seien und ein genereller Verweis auf die Onlinefahrpläne den Anforderungen der Fahrplanverordnung nicht genüge. Als am Stichtag, dem 7.September, am Bahnhof Frick immer noch die normalen (und damit temporär falschen) Fahrpläne hingen, reichte der Fricktaler beim BAV eine Anzeige mit dem Antrag ein, es sei eine aufsichtsrechtliche Verfügung zu erlassen.

SBB sieht Fahrplanverordnung eingehalten

Nun liegt der Entscheid des BAV vor. In der Stellungnahme, die das BAV von den SBB verlangt hatte, bestätigen diese, dass die Fahrplanaushänge vor Ort nicht berichtigt, sondern lediglich mit Hinweisklebern versehen worden seien. Daneben sei eine umfangreiche Informationskampagne auf allen Kanälen gelaufen. Dazu gehörten auch Durchsagen in den betroffenen neun Bahnhöfen und Informationen auf den Abfahrtsmonitoren.

Die SBB haben damit ihrer Ansicht nach die Vorgaben der Fahrplanverordnung (FPV) eingehalten. Sie machen geltend, dass es zu einer Überlagerung des Lokführermangels durch die verzögerten Bauarbeiten am Bözbergtunnel gekommen sei und sie deshalb den Ausfall als Betriebsunterbrechung nach Art. 12 FPV taxiert haben. Dieser schreibt – anders als Art. 11, den der Fricktaler anmahnte – lediglich eine Orientierung der Öffentlichkeit vor.

Die SBB führten in ihrer Stellungnahme Anfang Oktober weiter aus, dass sie auch nicht beabsichtigen, die Fahrplanaushänge vor Ort zu berichtigen. Einerseits, so argumentierte die Bahn, müsste konsequenterweise an allen Bahnhöfen des IR 36 die Fahrpläne berichtigt werden, was zu zusätzlicher Verwirrung führen würde. Andererseits müssten die Fahrpläne aufgrund der Bauarbeiten beinahe wöchentlich aktualisiert werden, was aus Kosten-Nutzen-Überlegungen nicht in Frage käme.

Bundesamt verlangt ­unverzügliche Berichtigung

Das beurteilt das BAV anders. In der Verfügung vom 6.November verpflichtet sie die SBB, «unverzüglich eine Berichtigung der Fahrpläne in Frick und den weiteren betroffenen Bahnhöfen vorzunehmen». Zudem auferlegt sie den SBB eine Gebühr von 800 Franken, weil sie «durch ihr Fehlverhalten» die Verfügung veranlasst habe.

Bei den Zugausfällen aufgrund des Lokführermangels kommt laut dem Bundesamt Art. 11 FPV zur Anwendung, was die SBB im Grundsatz auch nicht bestritten haben. Entgegen der Annahme der SBB beziehe sich der Artikel nicht auf das Erstellen des Jahresfahrplans, «sondern auf sämtliche Änderungen aufgrund unvorhersehbarer Umstände während der Geltungsdauer des Jahresfahrplans».

Ob die Fahrpläne vor Ort zu berichtigen sind, hängt dabei vom Umfang der Unterbrechung und der Dauer ab. Dies gilt laut BAV auch für Unterbrechungen nach Art. 12 FPV. Dauert sie mehr als sieben Tage, «so sind auch die Fahrpläne vor Ort entsprechend zu berichtigen und die Kundschaft mit zusätzlichen Informationskampagnen auf unterschiedlichen Kanälen darüber zu informieren».

Das BAV hat zwar Verständnis dafür, dass es vor allem aufgrund von Bauarbeiten zu längeren Abweichungen vom Jahresplan kommen kann, weist aber gleichzeitig auf die immense Bedeutung des Taktfahrplanes, «eine der grössten Errungenschaften der Schweizer Verkehrspolitik», und dessen Verlässlichkeit hin. Jede Abweichung stelle insbesondere für Stammkunden ein Ärgernis und ein Risiko dar, Anschlüsse zu verpassen. Gerade auch deshalb seien Änderungen prominent und auf allen Kanälen zu publizieren.

Auch Art. 11 Abs. 4 FPV verlange explizit, dass Änderungen der Fahrpläne vor Ort zu be­richtigen seien und ein ­«möglichst ­grosser Kundenkreis» in Kenntnis gesetzt werden müsse. Ein pauschaler Hinweis genüge da ebenso wenig wie ein Weiter­verweis auf den Onlinefahrplan. «Es kann von den Passagieren nicht verlangt werden, dass sie vor jeder Fahrt das Mobiltelefon konsultieren müssen, zumal nicht jedem Kunden jederzeit ein Mobil­telefon bzw. Internetzugang zur Verfügung steht.»

SBB prüfen, ob sie den ­Entscheid weiterziehen

Das BAV spricht dabei Klartext: Wo wie im Fall des IR 36 in Frick über eine längere Zeit Züge ausfallen, sei anzuschreiben, «welcher Zug von wann bis wann ausfällt, was die Ersatzreisemöglichkeiten sind und wo sich die Kundschaft weitergehend informieren kann». Wo es Plakate habe, seien diese zu berichtigen respektive zu überhängen. Das heisst: Hinweiskleber, wie sie in Frick angebracht wurden, genügen nicht.

Die SBB prüfen laut Mediensprecher Martin Meier aktuell, ob sie die Verfügung akzeptieren oder ans Bundesverwaltungsgericht weiterziehen. Dazu haben sie eine Frist von 30 Tagen. Aber auch wenn die SBB die Verfügung akzeptieren, wird sich in der Praxis kaum etwas ändern. Denn die Verfügung gilt erst, wenn die 30 Tage verstrichen sind. Dann ist es bereits Dezember und mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember gibt es ohnehin neue Plakate. «Falls aufgrund der Fristen noch ein paar Tage dazwischenliegen, werden wir für diese eine Lösung finden», sagt Meier.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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