Primarschullehrer Valentin Hurni bereitet am Montag kurz nach 17 Uhr im Schulgebäude Burgmatt den Unterricht für den nächsten Tag vor. Dann knallt es. «Ich habe zuerst gedacht, ein Auto sei gegen die Schulwand gekracht», sagt er. Als er jedoch aus dem Fenster des Schulgebäudes blickt, sieht er Rauch, der aus den Fenstern der obersten Etage des ehemaligen Hotels Schützen wabert, und Menschen, die nach Hilfe schreien. «Ich habe sofort die Feuerwehr alarmiert, die nach kurzer Zeit vor Ort war.»

Eine Frau droht aus dem obersten Stock aus dem Fenster zu springen. Hurni eilt in die Sporthalle und trägt zwei Schaumstoffmatten nach draussen, die er mit einem Passanten auf das Dach eines Transporters legt, der am brennenden Gebäude steht, um einen allfälligen Sprung der Frau abzufedern.

Etwa zur gleichen Zeit versucht ein Passant, in das Innere des Gebäudes vorzudringen, um die Bewohner zu befreien. Vergeblich. Aufgrund der starken Rauchentwicklung erleidet er eine Rauchgasvergiftung und wird mit der Ambulanz ins Spital gefahren. Ein Helfer, der den Passanten vor Ort behandelte, gibt an, dass ihm dieser erzählt habe, dass es in der Liegenschaft drei Feuerlöscher gab, die jedoch allesamt leer waren.

Verdacht auf Brandstiftung

Verdacht auf Brandstiftung

15.1.2017: Sieben Verletzte forderte ein Brand in Laufenburg am Montagabend. Ein 24-Jähriger, der im Gebäude wohnhaft war, wurde festgenommen.

Nach ihrem Eintreffen kann die Feuerwehr die Frau mittels einer Schiebeleiter aus dem obersten Stock des Gebäudes befreien. Anschliessend klettern sechs weitere Personen auf der anderen Seite des brennenden Gebäudes über die Leiter aus der obersten Etage nach draussen. Die sieben geretteten Personen erleiden teilweise schwere Rauchgasvergiftungen. Insgesamt stehen an diesem Abend zwei Hubschrauber, sechs Ambulanzen sowie 115 Angehörige der Feuerwehren Laufenburg, Frick, Kaisten und Badisch-Laufenburg im Einsatz.

«Es dauerte rund zwei Stunden, bis das Feuer gelöscht war», erzählt Urs Weiss, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Laufenburg. Nach der Löschung des Brandes stellt die Feuerwehr jedoch fest, dass der Boden des obersten Stockes noch immer brennend heiss ist. «Wir mussten den Holzboden öffnen, weil sich von der Wohnung, in welcher der Brand entstand, die Glut durch die Holzschichten gefressen und über den Korridor verteilt hat», erzählt Weiss.

Zwar hat die Feuerwehr bei der Öffnung des Bodens Entlüfter im Einsatz, doch der Rauch ist so aggressiv, dass im 15-minütigen Turnus die Einsatzkräfte ausgewechselt werden müssen. Erst um kurz nach 22 Uhr ist der Einsatz abgeschlossen. Bis um 5 Uhr am nächsten Morgen halten einige Einsatzkräfte Brandwache. «Der Einsatz im Gebäude war Schwerstarbeit», sagt Weiss.

Verdächtiger wird gefasst

Dank eines «ausgezeichneten Fahndungsdispositivs», so Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei, wird noch am selben Abend ein 24-Jähriger ausserhalb von Laufenburg verhaftet. Dieser wohnt selbst im ehemaligen Hotel Schützen und wird verdächtigt, den Brand gelegt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wird beim zuständigen Zwangsmassnahmengericht drei Monate Untersuchungshaft für den Verdächtigen beantragen und ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag geben. «Es gibt im Aargau nicht viele Fälle von Brandstiftung, bei denen Menschen zu Schaden kommen», sagt Pfister.

Gestern Morgen starteten die Brandermittlungen der Kantonspolizei. «Es geht darum, den Brandherd ausfindig zu machen und allfällige Brandmittel zu identifizieren», sagt Pfister. Ebenfalls für einen ersten Augenschein vor Ort war ein Schätzer der Aargauischen Gebäudeversicherung. Laut Generalsekretärin Christina Troglia beträgt die Schadenshöhe rund 650'000 Franken.