Frick
Blues Festival: «Wir haben ein gemischtes kreatives Chaos hier»

Das 22. Fricktaler Blues Festival hält, was es verspricht: Blues vom Feinsten. Blues Max hat es am Donnerstag im fast ausverkauften Monti-Saal bewiesen.

Peter Schütz
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Blues Max begeistert in Fricks Monti mit launigen Worten und leisen Tönen.

Blues Max begeistert in Fricks Monti mit launigen Worten und leisen Tönen.

Peter Schütz

Schnapszahl in Fricks Monti: Dieser Tage geht das 22. Fricktaler Blues Festival über die Bühne. Mit Performern der Extraklasse aus den Vereinigten Staaten, aus Italien und der Schweiz. Ja, auch die Schweizer können den Blues. Das hat am Eröffnungskonzert am Donnerstagabend Blues Max eindrücklich bewiesen.

Der Zürcher Kabarettist und Musiker in Personalunion, Jahrgang 1951, ging im fast ausverkauften Monti-Saal mehrfach der Frage nach, was der Blues eigentlich ist. Die Antworten darauf fielen unterschiedlich aus, tendierten aber immer in eine Richtung: Geht es nach unten, geht es auch wieder nach oben.

Der Blues hat mit dem In-den-Himmel-Schauen zu tun, und mit dem Hinstürzen, weil ein Stein im Weg liegt, und dass es danach trotzdem weitergeht, mit dem Aufstehen, mit dem In- den-Himmel-Schauen. Der Blues ist eben nicht Ausdruck des heulenden Elends, sondern das Gegenteil – ein Lebensgefühl, dem ständig die Zuversicht zugrunde liegt. Auch dann, wenn die Dinge mal nicht so funktionieren, wie sie sollten, manches daneben geht und es in der Gruppe heisst, das muss man akzeptieren, das ist ganz wichtig.

Komik kommt aus dem Scheitern

Blues Max hat dazu ein eigenes Credo: Die Komik kommt aus dem Scheitern, sagt er. Der Alltag, das Zwischenmenschliche sei voller kleiner Katastrophen. Ein paar davon hat er im Monti, sich selber an der Gitarre begleitend, zum Besten gegeben, vorgetragen mit sonorer Stimme. Wie er über rosarote Nikes und dazugehörenden Rollschinken parodiert hat, über Autofahrer ohne Billett, über eine rasende Nonne oder einen pubertierenden Güggel – egal, was Blues Max an Absurditäten auf der Bühne skizziert hat, es machte Laune. «Und der Blues ist tief drin in der Geschichte», liess er wissen. Der Komiker kann dem Scheitern Würde verleihen, ist Blues Max überzeugt – «ein guter Blues-Mann auch».

Nun ist ein guter Blues-Mann nicht alles, es gehört auch ein gutes Blues-Publikum zu einem guten Blues-Abend. Blues Max weiss das, weshalb er der Stimmung im Saal mit ein paar Fragen auf den Grund gehen wollte. «Ist es gut mit dem Sound, auch hinten auf den billigen Plätzen», wollte er wissen. Alles bestens, weiter im Fragenkatalog: «Wer hat E-Book? Wer hat E-Bike? Wer hat ‹I-llegale› Putzfrau?» Ausserdem: «Wer hat prinzipiell keine Prinzipien, aber einen Hornhauthobel?» Nach Auswertung der Fragen erfolgte das Fazit: «Wir haben ein gemischtes kreatives Chaos hier, eine gute Basis für den Blues», so Blues Max. Der nicht mit dicken Solis auftrug, sondern – zumindest musikalisch – sich als ein Mann der leisen Töne erwies. Dick aufgetragen hat er nur mit den Geschichten. Aber wenn sie halt so geschehen sind ...

Am Freitagabend spielen die Schweizer Gruppe Tex & Co. und die Amerikanerin Dana Fuchs auf. Am Samstagabend kommen die Senkrechtstarter des Schweizer Blues, Chubby Buddy, und Morblus aus Italien an die Reihe. Der Blues rollt und rollt.