Sisseln

Blink-Signal als Zebrastreifen für Tiere

Peter Arnold, Roland Jegge, Fredy Heuberger, Dominik Thiel und Stefano Donatiello freuen sich über die neue Wildsensoranlage.

Peter Arnold, Roland Jegge, Fredy Heuberger, Dominik Thiel und Stefano Donatiello freuen sich über die neue Wildsensoranlage.

Die neue Wildsensoranlage soll die Unfälle mit Wildtieren auf ein Minimum reduzieren. Seit August ist sie in Betrieb und funktioniert einwandfrei. Es wurde keine Wildtier-Kollision mehr gemeldet.

«Die Faustregel lautete: Eine Kollision mit einem Wildtier pro Woche», blickte Fredy Heuberger, Vertreter der Jagdgesellschaft des Reviers Eiken-Nord auf Zeiten zurück, die seit August endgültig passé sein sollen. Dominik Thiel von der Kantonalen Jagdverwaltung bestätigte diese Zahl: «Im Schnitt gab es 45 tote Wildtiere jährlich – zumeist Rehe und Füchse, aber auch Wildschweine. Damit ist der Abschnitt einer der sieben Abschnitte im Kanton mit den meisten Wildtierunfällen.»

Wildtierkorridor im Hardwald

Die Rede ist vom geraden Teilstück der Kantonsstrasse, unmittelbar nach dem Beginn des Hardwaldes nach der Ortsausfahrt Sisseln in Richtung Laufenburg. Im Zuge der Strassenverbreiterung und der Belagssanierung bot sich nun die Gelegenheit, den Schutz der Wildtiere auf diesem Abschnitt zu verbessern. Denn: «Genau durch dieses Teilstück verläuft auch ein Wildtierkorridor, auf dem die Tiere von Deutschland in die Schweiz und umgekehrt wandern», erklärte Dominik Thiel.

Solche Wildtierkorridore seien äusserst wichtig zum Erhalt des Wildtierbestandes, da sie den genetischen Austausch fördern, so Thiel weiter. Neben den verbreiteten Tierarten seien auch schon Luchse und Gämsen festgestellt worden, so Thiel weiter.

Sensoren mit Infrarotmessungen

Im Gegensatz zum Autobahnzubringer entschieden sich die Verantwortlichen auf dem rund 300 Meter langen Teilstück nicht für akustische Warngeräte, sondern für eine Wildsensoranlage. «Mit den akustischen Signalgeräten werden die Tiere gewarnt», brachte Dominik Thiel den Hauptunterschied auf den Punkt, «mit der Wildsensoranlage die Automobilisten.»

Doch wie funktioniert die technisch ausgeklügelte Anlage? Peter Arnold von der Firma Calstrom in Chur, die bei derartigen Anlagen europaweit führend ist, erklärte die Funktionsweise wie folgt: «Es wurden zehn Sensoren installiert. Mit Infrarotmessungen können diese feststellen, wenn sich irgendwo ein warmer Körper bewegt.» Messbar sei dabei sogar die Bewegungsrichtung. Eingeschaltet ist die Anlage nur von der Abend- bis zur Morgendämmerung. «Wahrgenommen werden Tiere ab einer Schulterhöhe von zwanzig Zentimetern. Ein grosser Igel könnte also gerade noch erfasst werden.» Nimmt ein Sensor eine solche Bewegung in einer ausreichenden Geschwindigkeit wahr, wird die Anlage aktiviert.

Das heisst, das elektronische Wildwechselsignal blinkt während einer Minute. «Blinkt das Signal, müssen die Automobilisten das Tempo drosseln und bremsbereit sein», so Peter Arnold weiter. Da die Strecke schnurgerade verläuft, sei sowohl die Anfangs- als auch die Endtafel nachts deutlich sichtbar.

Seit August in Betrieb

Nach einer Wildsensoranlage bei Murgenthal ist die Anlage in Sisseln erst die zweite ihrer Art im Kanton Aargau. Seit August ist sie in Betrieb und funktioniert bestens, wie die Verantwortlichen ausführen. «Pro Nacht registriert sie im Schnitt zwischen sechs und acht Wildwechsel», weiss Peter Arnold. Seit der Inbetriebnahme wurde kein Wildunfall mehr registriert – und dies soll auch in Zukunft möglichst so bleiben. In Murgenthal wurde jedenfalls in zwei Jahren noch ein einziger Unfall gemeldet.

Rund 60000 Franken hat die Anlage in Sisseln den Kanton gekostet, die Tiefbauarbeiten exklusive. «Diese Investition lohnt sich», ist Dominik Thiel überzeugt. Schliesslich müsse man auch bedenken, dass Kollisionen mit Wildtieren nicht nur dem Wild schaden zufügen. «Im Schnitt entsteht pro Unfall ein Sachschaden von rund 2000 Franken», weiss Thiel.

Keine weiteren Massnahmen

Nicht nur für Wildtiere und Automobilisten sei die Anlage eine gute Sache, sondern auch für die Jäger, so Fredy Heuberger. «Für uns ist sie eine grosse Erleichterung.» Dennoch sind derzeit im Fricktal keine weiteren derartigen Anlagen geplant und auch andere Massnahmen wie akustische Signalgeräte sind derzeit nicht vorgesehen. «Wildtiere sind lernfähig, sie merken, wo sie die Strasse sicher überqueren können», so Peter Arnold. Nun sind noch die Automobilisten gefordert, die Anlage ernst zu nehmen und rücksichtsvoll zu fahren, dann dürften die vielen Wildtieropfer tatsächlich der Vergangenheit angehören.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1