Fricktal

Blaulicht statt Kerzenschein – Hansueli Loosli: «Die Kameradschaft wird grossgeschrieben»

Polizeibeamte, Pflegeangestellte oder Postauto-Chauffeure arbeiten auch über die Festtage. Normalerweise finden sich immer genügend Freiwillige. Dabei ist wichtig, dass die Dienstpläne früh genug festgelegt werden.

Bei Kerzenlicht um den Weihnachtsbaum sitzen, Geschenke auspacken, besinnliche Lieder singen, die gemeinsame Zeit geniessen – das ist wohl für die meisten die kitschig-ideale Vorstellung von Weihnachten. Aber nicht allen ist dies vergönnt. Auch im Fricktal müssen viele Menschen über die Feiertage arbeiten. Etwa Polizeibeamte, Pflegeangestellte oder Postautochauffeure und -chauffeusen.

Wobei: «Müssen» ist nicht das richtige Wort – viele übernehmen die Dienste gerne. Etwa im Alterszentrum Klostermatte in Laufenburg: «Einige Mitarbeitende arbeiten gerne über die Festtage, weil dies doch spezielle Tage sind und mehr Zeit für individuelle Gespräche zur Verfügung steht», sagt Heinz Stucki, Leiter des Alterszentrums. «Wir haben Mitarbeiter, die an Weihnachten nicht feiern oder aus persönlichen Gründen lieber an einem anderen Tag freinehmen», sagt auch Ben Küchler, Sprecher von Postauto Schweiz.

Und auch bei den beiden Regionalpolizeien gibt es immer Mitarbeiter, die sich für den Dienst über die Weihnachtstage melden. «Wir haben genügend Freiwillige», sagt Hansueli Loosli, Leiter der Regionalpolizei Unteres Fricktal. «Der Rummel an den Festtagen behagt nicht allen. Da kann der Polizeidienst erholend sein.» Meist würden die jüngeren Mitarbeiter ohne Familie über die Weihnachtstage und diejenigen mit Familie über Silvester arbeiten, sagt Werner Bertschi, Leiter der Regionalpolizei Oberes Fricktal.

Frühzeitige Planung ermöglichen

Wichtig scheint vor allem, dass die Dienstpläne für die Festtage frühzeitig festgelegt werden, damit die Mitarbeiter ihre persönlichen Feierlichkeiten mit der Familie planen können. Die Mitarbeitenden im Alterszentrum Klostermatte erhalten ihren Arbeitsplan für die Festtage mindestens vier bis sechs Wochen vorher. Auch bei Postauto Schweiz ist der Arbeitsplan für die Festtage in der Regel spätestens Mitte November bekannt. Der Fahrplanwechsel im Dezember ziehe jeweils eine vollständige Neuplanung der Diensteinteilungen nach sich, erklärt Ben Küchler. «Je früher mit den Arbeiten am neuen Fahrplan begonnen werden kann, desto eher können auch die Mitarbeiter informiert werden.»

Die Arbeit über die Festtage ist speziell. «Definitiv ruhiger» seien die Tage, sagt Ben Küchler von Postauto Schweiz. «Es hat weniger Fahrgäste und diese sind in der Regel auch etwas entspannter. Zudem hat es auch weit weniger Verkehr auf der Strasse.» Und es kommt zu speziellen Momenten, gerade im Alterszentrum oder im Polizeidienst. «Für einen Teil der Bewohner sind die Feiertage mit positiven Erinnerungen verbunden, für andere eher belastend. Hier braucht es das Pflegepersonal, um die Stimmungen der Bewohner wahrzunehmen, auf die Personen einzugehen, und je nach Lebenssituation positive Impulse zu geben», sagt Stucki.

Gemeinsames Raclette

Es gebe auch belastende Momente, sagt Werner Bertschi. «Wenn es an Weihnachten zu häuslicher Gewalt kommt und wir streitende Erwachsene und weinende Kinder antreffen. Oder, wenn wir an einen Unfall mit verletzten Personen ausrücken müssen.» Das gehe an keinem Polizisten spurlos vorbei. Bertschi erzählt aber auch von besinnlichen Momenten. «Beispielsweise, wenn man mit dem Patrouillenfahrzeug über eine Anhöhe fährt und dann ins Tal schaut. In diesen Momenten wird einem immer wieder bewusst, in was für einem schönen Einzugsgebiet wir für Sicherheit sorgen dürfen», so Bertschi.

«Die Kameradschaft wird an solchen Abenden grossgeschrieben», sagt Hansueli Loosli. Die Polizeipatrouillen, die im Fricktal im Einsatz sind, sprechen sich ab. Manchmal reicht es für einen gemeinsamen Kaffee, manchmal sogar für ein Essen. «Da jederzeit mit einem Einsatz gerechnet werden muss, ist die Menüauswahl eingeschränkt. Raclette eignet sich aber hervorragend», sagt Loosli.

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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