Den Schock haben die fünf Frauen, die im Vitamare in Frick als Empfangsdamen arbeiten, noch nicht verdaut: Die Gemeinde baut ihre Jobs um. Die einzelnen Pensen sollen von rund 35 auf 50 Prozent erhöht werden und statt einem Ein-Schicht-Modell will die Gemeinde die Damen an der Kasse künftig in zwei Schichten pro Tag arbeiten lassen, so wie dies bis vor rund zweieinhalb Jahren der Fall war. Die damalige Umstellung erfolgte auf Wunsch der Kassenfrauen und in Absprache mit der Gemeinde.

Das neue Arbeitsmodell hat einschneidende Konsequenzen für die Kassenfrauen: Zum einen wird das Team von fünf auf vier Personen verkleinert. Mit anderen Worten: Wollen alle fünf Kassenfrauen weitermachen, muss die Gemeinde eine Mitarbeiterin entlassen. Zum anderen ist es wegen der geforderten zeitlichen Flexibilität – jede Mitarbeiterin muss jede Schicht abdecken können – kaum mehr möglich, einem zweiten (Neben-)Job nachzugehen.

Vom Entscheid überrumpelt

«Wir verstehen diesen Konzeptwechsel nicht», sagt Monika Schaffner im Namen des Teams. «Es gab nie Beanstandungen, die Bevölkerung schätzt unsere Arbeit sehr.» Was ihr und ihren Kolleginnen besonders sauer aufstösst: Man hörte sie nicht an, sie wurden vor vollendete Tatsachen gestellt, vom Entscheid überrumpelt. «Im Oktober deutete noch nichts darauf hin», so Schaffner. «Wir erstellten wie jedes Jahr den Arbeitsplan – und unser Chef wusste es.»

Zwei Wochen später folgte dann «der Knall». Ein von den Empfangsdamen gefordertes Teamgespräch mit Gemeindeammann Daniel Suter und Vitamare-Betriebsleiter Paul Gürtler, ihrem direkten Vorgesetzten, fand nie statt. «Stattdessen wurden wir zu Einzelgesprächen aufgeboten.» Bei Schaffner und ihren Kolleginnen kam die Botschaft so an: Eure Meinung ist uns egal; entweder ihr akzeptiert die Änderungskündigung, die Anfang Jahr folgen wird, oder ihr müsst gehen. «So geht man doch nicht mit seinen Mitarbeitern um», ärgert sich Schaffner, blickt in die Runde der Kassenfrauen und fügt an: «Die Wertschätzung für unsere Arbeit fehlte ohnehin oftmals. Wir hörten fast nie ein Lob.»

Daniel Suter kann diese Kritik nicht nachvollziehen. «Die Kasse ist die Visitenkarte unseres Bades. Wir schätzen die Arbeit der Kassenfrauen sehr und sagen ihnen auch immer wieder, dass sie einen guten Job machen.» Dass das Kassenteam keine Freude am neuen Arbeitsmodell hat, kann er verstehen, aber: «Wir müssen das Bad weiterentwickeln und können nicht die Arbeitsplätze auf die Personen ausrichten.»

Suter widerspricht auch dem vom Team implizit geäusserten Vorwurf, dass die Änderung Knall auf Fall gekommen sei. «Wir haben uns die Neukonzeption lange und gründlich überlegt und dabei auch die Bedenken der Kassenfrauen in unsere Überlegungen miteinbezogen. Langfristig ist der Konzeptwechsel aber für das Vitamare die beste Lösung.»

«Frühestens im Juli»

Bereits im November, so Suter, habe man den fünf Mitarbeiterinnen mitgeteilt, dass die Arbeitsabläufe im Laufe des kommenden Jahres umgestellt werden. Zudem stehe noch nicht fest, auf wann die Umstellung, die mit Änderungskündigungen einhergeht, erfolge. «Frühestens auf Juli», sagt Suter, aber auch eine Umsetzung erst auf den Start der Wintersaison hin «ist denkbar».

Für die Neukonzeption macht Suter insbesondere zwei Gründe geltend: Erstens habe man sich bislang arbeitsrechtlich mit den in der Sommersaison langen Arbeitszeiten und kurzen Erholungszeiten «in einer Grauzone» bewegt. Zweitens wolle man, dass die Kassenfrauen ebenfalls über das BVG-Minium kommen «und das ist in diesem Job erst bei einem Pensum von 50 Prozent möglich». Es könne doch nicht sein, dass jemand 20 Jahre für die Gemeinde arbeite und am Schluss keine Pensionskassengelder bekomme. «Das können wir als sozialer Arbeitgeber nicht verantworten.»

Ironie der Geschichte: Der Anstoss, dem BVG unterstellt zu werden, kam vor einiger Zeit von den Kassenfrauen selber. Sie fragten die Gemeinde an, ob sie nicht im Monats- statt Stundenlohn angestellt und ins BVG aufgenommen werden könnten. «Beides wurde damals abgelehnt und für uns war es damit erledigt», sagt Schaffner. Gegen eine Festanstellung sprechen laut Suter die unterschiedlichen Arbeitsbelastungen in der Sommer- und Wintersaison.

BVG war nie ein Thema

Für die Kassenfrauen sind die Argumente nicht haltbar und die Antworten, die sie von der Gemeinde schriftlich und in Einzelgesprächen erhalten haben, nicht stringent. Eine Mitarbeiterin arbeite schon 20 Jahre an der Kasse, so Schaffner,«das BVG war in der ganzen Zeit kein Thema». Die Damen wollen nur eines: «Dass die Gemeinde nochmals über die Bücher geht und auf ihren Entscheid zurückkommt», sagt Schaffner. «Wir wollen so weiterarbeiten wie bisher.»

Der Zusammenhalt im Team ist gross, das Wir-Gefühl stark. Das anerkennt auch Daniel Suter. Dennoch zerschlägt er ihre Hoffnung: «Der Entscheid ist definitiv. Offen ist einzig noch der Zeitpunkt der Umsetzung.»

Für die Empfangsdamen heisst das: Sie müssen sich in den nächsten Wochen entscheiden, ob sie unter den neuen Bedingungen weiterarbeiten wollen und die Änderungskündigung akzeptieren. Derzeit sieht es danach aus, dass nicht alle bleiben wollen oder können. Auch weil sie andere Jobs haben, die nicht mit dem neuen Konzept kompatibel sind. Dieses setzt nämlich voraus, dass die Mitarbeiterinnen keine fixen Arbeitstage haben. Ein fester Arbeitstag in einem zweiten Job ist so nicht mehr möglich.

Die Kassenfrauen sprechen von einem «Verbot» eines zweiten Jobs; für Suter ist es das nicht. Er sagt aber auch: «Wir sind uns bewusst, dass die geforderte Flexibilität eine grosse Einschränkung mit sich bringt.» Realistischerweise werde es kaum möglich sein, daneben einen zweiten Job auszuüben.

Suter hofft, dass möglichst viele der Kassenfrauen weitermachen. Sollten jedoch alle Ja sagen, «kommen wir in die unschöne Situation, dass wir jemandem kündigen müssen – obwohl sie ihren Job gut gemacht hat».