Fricktal
Bis der letzte Kegel fällt: Immer mehr Kegelbahnen verschwinden

Ein Sport gerät in Vergessenheit. Immer mehr Kegelbahnen verschwinden. Für die Kegelbahnen werden keine Ersatzteile mehr hergestellt - man arbeitet mit Occasionsteilen.

Nadine Böni
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Ein regelmässiges Klacken und ein leises Summen verraten, dass der Motor läuft. Er lässt im versteckten Teil der Kegelbahn eine Schaufel die gespielte Kugel anheben und dann in einer Bahn wieder nach vorne zum Spieler rollen. Mit einem Surren werden die gefallenen Kegel an Schnüren nach oben gezogen und geräuschlos wieder auf die Bahn gesetzt. Auch dieser Motor läuft.

Martin Käser mag nicht daran denken – was passiert, wenn einmal einer der beiden Motoren aussteigt. Käser ist seit 18 Jahren als Wirt des Restaurants Rössli in Zuzgen tätig. Die Kegelbahn, in einem separaten Saal neben der Herrentoilette eingerichtet, ist 40 Jahre alt. So alt, dass keine Ersatzteile mehr dafür hergestellt werden.

Die einzige Firma in der Schweiz, die noch Kegelbahnen herstellt und repariert, nutzt daher Occasionsteile. Sie werden ausgebaut, wenn eine Kegelbahn geschlossen wird.

Und das kommt immer wieder vor. «Von einstmals über 50 Kegelbahnen im Einzugsgebiet sind heute noch rund 10 Kegelbahnen tauglich für unser Sportprogramm», schätzt Rolf Niederberger, Präsident des Unterverbands Fricktal (UV Fricktal) der Schweizerischen Freien Keglervereinigung (SFKV). Das «Rössli» in Hellikon, der «Adler» in Wegenstetten, der «Engel2 in Obermumpf – es sind dies nur einige Beispiele für ehemalige Kegelbahnen in der Region.

Immerhin: Letztere steht dem UV Fricktal wieder für Meisterschaften zur Verfügung, allerdings ohne Restaurantbetrieb, weil dieses geschlossen wurde.

Immer weniger Kegler

Aber nicht nur die Zahl der Kegelbahnen nimmt ab. Es gibt auch immer weniger Spieler. «Seit zwanzig Jahren ist der Mitgliederstand permanent rückläufig», sagt Niederberger. Der UV Fricktal zählt noch rund 75 Kegler, diverse Klubs mussten aufgelöst werden. «Wie allen traditionellen Vereinen fehlt auch uns der entsprechende Nachwuchs», sagt Niederberger. «Das grosse und abwechslungsreiche Angebot der heutigen Freizeitgestaltung ist für unsere Jugend attraktiver und unterhaltsamer, als einem Verein beizuwohnen.»

Es fehle das Rezept, den «überalterten Kegelsport» wieder attraktiv zu machen. «Langfristig wird der Kegelsport in dieser Form wohl kaum bestehen können», sagt Niederberger.

In diesen Tagen findet im Engel in Obermumpf die erste Verbandsmeisterschaft des UV Fricktal im Jahr 2014 statt. Im August gastiert die Meisterschaft dann in Martin Käsers «Rössli» in Zuzgen – und mit ihr rund 120 Keglerinnen und Kegler aus der ganzen Nordwestschweiz. Die Meisterschaft ist nach wie vor ein wichtiger Teil in der «Mischrechnung», die Käser zur Kegelbahn erstellt, auch wenn immer weniger Spieler daran teilnehmen.

Während rund zwei Wochen kämpfen die Kegler um die Kränze und Kranzkarten. Das bringt für den Wirt einen Aufwand, denn der Raum muss beheizt und die Bahn während dieser Zeit täglich aufgeraut, geputzt und wieder mit Wachs versiegelt werden. Dem entgegen stehen die Abgaben, die die Spieler für ihren Einsatz leisten.

Ohne Konsum keine Bahn

In Rechnung zählt Käser aber auch die Konsumation der Spieler im Restaurant mit ein. Dazu kommen die Kranzkarten: Gutscheine, die gut klassierten Spieler im Restaurant einlösen können und, deren Wert der Wirt dann vom Verband erstattet bekommt. Nur dadurch endet die Rechnung mit schwarzen Zahlen.

«Ohne die Konsumation würde die Kegelbahn nicht rentieren», sagt Käser. Und er spricht den Keglern ein Lob aus: «Es ist schön, dass so viele Spieler im Restaurant essen.» Seit zwei Jahren kegelt zudem wieder ein Klub regelmässig im «Rössli». Gegen eine Verpflegung im Restaurant übernimmt ein Mitglied die tägliche Putzarbeit während der Meisterschaft.

Zum wirklich lohnenden Geschäft würden die Kegelbahnen wohl nicht mehr, glaubt Käser. Durchschnittlich einmal in der Woche werde die Bahn im «Rössli» neben der Meisterschaft genutzt. 25 Franken kostet die Stunde. Hinzu kommen spezielle Anlässe, wie Weihnachtsessen oder Taufen. Und im Winter nützen die Schützen die Kegelbahn für Schiessen über kurze Distanz.

Dementgegen stehen jährliche Grundkosten für die Wartung, die Käser auf rund 500 Franken schätzt. Und die Reparaturen der Bahn sind im Verhältnis zu den Einnahmen teuer. Erst vor wenigen Tagen fiel eine der Feinsicherungen aus. Kosten für die Reparatur: einige hundert Franken.

«Passiert etwas Grobes, kann das schnell mehrere tausend Franken kosten», sagt Käser. Etwa, wenn einer der Motoren aussteigt. Der Wirt ist ehrlich: «Das würde wohl das Ende der Kegelbahn bedeuten, weil sich eine Reparatur schlicht nicht lohnt.»